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Abstimmungsthread für das Kurzgeschichten-Event
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Liebe Community-Mitglieder!

Für das aktuelle Kurzgeschichten-Event mit dem Thema "Weihnachten im Jahre 2377" wurden 6 Geschichten eingereicht.

Die Geschichten werden anonymisiert in den folgenden Posts für 2 Wochen zur Wahl stehen. Bitte die Teilnahmebedingungen für die Abstimmung gut durchlesen und eure Wahl anschließend an die letzte Geschichte in diesem Thread posten.

Teilnahmebedingungen

- Jeder User hat 3 Stimmen
- Die Reihenfolge der Stimmen spielt eine Rolle, d.h. die erstgenannte Geschichte erhält 3 Punkte, die als zweites genannte 2 Punkte und die als letztes genannte 1 Punkt.
- Die Abstimmung muss in einem einzigen Post erfolgen, mehrere Posts sind nicht zulässig. Ein Editieren der Posts/Stimmabgaben ist nur bis zu einer Stunde nach Erstellen des Ursprungs-Posts zulässig. Posts, die später editiert werden, werden -um Manipulationsmöglichkeiten zu minimieren- bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Also vor der Stimmabgabe nachdenken.
- Jeder User darf seine Abstimmungsentscheidung begründen, muss es aber nicht.
- Die Teilnehmer am Event dürfen selbstverständlich auch abstimmen.
- Die Abstimmung beginnt ab sofort und endet am 08.01.2008 um 23:59 Uhr. Posts, die später eintreffen, werden nicht berücksichtigt.


Neu: Durch Kritiken zusätzliche Punkte möglich!!
Wer zu den Geschichten Kritiken schreibt, erhält zusätzlich 250 EPs. Bedingung: mindestens 5 aussagekräftige Sätze! Bei sehr ausführlichen Kritiken entscheiden die Admins, ob der User ggf. noch mehr EPs bekommt.


Bitte in diesem Thread der Übersicht wegen NUR abstimmen. Diskussionen und Fragen bitte hier.

Nun viel Spass beim Lesen und ein "Dankeschön" an die Schreiberlinge!




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

25.12.2007, 10:27

 
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Geschichte 1

Jamy lief die Straßen entlang und wusste nicht so recht was sie einkaufen sollte. Sie brauchte noch für die ganze Familie Weihnachtsgeschenke. Ihre Laune war ziemlich mies, da es schneite. Sie sah zum Föderationshauptquartier das komplett eingeschneit war und sah wie sich der Schnee noch dichter auf Fensterbretter und Simse legte. "Wenn es noch weiter schneit", dachte sie "dann schaut morgen nur noch das Dach des Hauptquartiers heraus" Dieser Gedanke war natürlich übertrieben, aber immer wenn sie schlechte Laune hatte, dann neigte sie zu Übertreibungen. Langsam ging sie an den beleuchteten Schaufenstern vorbei und betrachtete die verschiedenen Produkte. Da stand eine Holofigur von Captain James T. Kirk "Der ist auch schon bald antik" dachte sie. Da viel ihr, ihr kleiner Neffe John ein, der so sehr von Kirk schwärmte und unbedingt zur Sternenflotte wollte um Captain zu werden. Sie beschloss also in den Laden zu gehen um das Hologramm zu kaufen. Als sie in den Laden trat, konnte sie erst keinen Verkäufer erblicken. Aber als sich ein Vorhang bewegte und dahinter ein großer muskulöser junger Mann hervortrat stockte ihr leicht der Atem. Der Mann sah sie an und lächelte sofort. "Hi ich bin Peter " sagte er. "j... Jamy" kam es stockend. "Ich wollte das Kirk Hologramm kaufen"
"Ah ja, das ist zur Zeit wirklich beliebt"
"Ja mein Neffe schwärmt so von ihm..." sagte Jamy und konnte den Blick nicht mehr von Peter wenden.
"Er kostet zur Zeit nur 200 Credits, er ist der letzte. Wenn sie ihn wollen?"
"Ja ich denke ich nehme ihn"
Peter nahm die Figur auf seinem kleinen Sockel und deaktivierte sie, dann ging er hinter den Tresen um die Figur einzupacken.
Als er alles in einer Tüte verstaut hatte und Jamy zahlen wollte meinte er:"Da habe ich doch glatt vergessen Ihnen noch etwas zu sagen. Ich kann Ihnen das Hologramm nur verkaufen wenn Sie mit mir ausgehen"
"Ach so ist das!" Jamy klang entrüstet
"oh... es tut mir leid... das sollte ein Witz sein" Peter sah von jetzt auf dann traurig aus und beeilte sich Jamy das korrekte Wechselgeld herauszugeben.
"Sollte es? Was wenn ich angenommen hätte"
"Hätten Sie?"
"Ja ich denke ich hätte."
"Toll, wo und wann kann ich Sie abholen?"
"Morgen Abend, Tower Street 234"
"Ok, und bei welchem Nachnamen muss ich klingeln?" fragte Peter mit einem verschmitzten Lächeln.
"Bei Kirk" sagte Jamy drehte sich um und verlies den Laden.
Peter stand wie vom Blitz getroffen da und wusste nicht was er sagen sollte. Er sah durch das Schaufenster und sah wie Jamy am Laden vorbei ging und lass von ihren Lippen: "Bis morgen Abend"
Er fragte sich ob sie ihn nur auf den Arm genommen hatte, oder ob es die Wahrheit war. Er wollte sich aber dieses Date nicht entgehen lassen und so nahm er sich fest vor, morgen Abend bei der besagten Adresse zu sein.
Jamy lief derweilen wieder durch den herabrieselnden Schnee und dachte "Tja Urgroßvater, du kannst es eben nach all den Jahren immer noch, vielleicht werde ich dieses Weihnachten doch nicht alleine sein." Dieser Gedanke erfüllte ihr Herz mit Wärme und so lief sie immer weiter und ward irgendwann in dem ganzen Schnee nicht mehr zu erkennen. Peter dagegen freute sich schon auf den morgigen Abend und war gespannt ob er dieses Weihnachten auch alleine verbringen würde, oder ob sich doch noch alles zum Guten wenden würde. An Weihnachten sind ja schon so einige Wunder geschehen.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

25.12.2007, 10:31

 
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Geschichte 2

Und was gibt's noch?

Wir schreiben das Jahr 2377. Die Welt meiner Vorfahren, wie ihr sie einst kanntet existiert nicht mehr. Habgier und das Streben nach Macht haben die Welt in den letzten drei Jahrhunderten in eine Gesellschaft in Armut und in eine Gesellschaft, die im Überfluss lebt gespalten. Ich hatte das Glück, unter den Reichen geboren und aufgewachsen zu sein. Bereits im Mutterleib wurden meine Gene so verändert, dass ich von jeglicher Krankheit verschont blieb. Ebenso wurde zu diesem Zeitpunkt bereits meine Ausbildung und mein späteren Beruf festgelegt. Sogar wen ich einmal heiraten werde und wann ich Kinder haben werde teilten sie uns mit. Durch diesen vorherbestimmten Weg sollte unsere Zukunft und unser Glück, sowie die Entwicklung unserer Gesellschaft garantiert werden. Doch bin ich wirklich glücklich mit diesem Leben? Eigentlich sollte doch dankbar sein, unter den Reichen, anstatt unter den Armen geboren zu sein. Gerade zu dieser kalten Jahreszeit sterben wieder viele an Krankheiten, verhungern oder erfrieren, weil ihnen warme Kleidung fehlt. Warum bin ich also nicht glücklich, weil ich von diesem Leben verschont wurde. Oh ja, einst war ich auch mal glücklich, bis zu jenem schicksalhaften Tag vor zwei Jahren, der mein Leben auf einmal schlagartig verändert. Und von diesem Tag, dem Vorabend des Weihnachtsfestes werde ich nun erzählen.

Als Vater ist dies eine sehr anstrengende und stressige Zeit. Immer auf der Suche nach dem perfekten Geschenk für meine Frau und meinen Sohn, pendele ich von Geschäft zu Geschäft. Dabei habe ich noch immer das vorangegangene Weihnachtsfest tief in meinem Hinterkopf, als ich meinen Sohn zwischen Bergen von ausgepackten Geschenken sah und er mich fragte: "Und was gibt's noch?". Wie versteinert wirkte ich, als dies aus seinem Munde hörte. Auch meine Frau tat ihr Geschenk nur mit einem Nicken und einem kalten Küsschen auf die Wange ab. Undankbar und habgierig wirkte es, jedoch spiegelte dies auch unsere tolle vorherbestimmende Gesellschaft wider. Also machte ich mich dieses Jahr wieder auf, um nach diesen einem Geschenk zu suchen, das ein Lächeln auf ihre Gesichter zeichnen sollte.

Auf dieser Suche, durchstreifte ich die hiesige Einkaufspassage unserer Stadt. Links und rechts von mir türmten sich weihnachtlich dekorierten Kaufhäuser auf und präsentierten in ihren Schaufenstern, was sie zu bieten hatten. Jedes Jahr zu Weihnachten senkten sie ihre Preise derart, um die Kaufkraft seiner Einwohner zu steigern. "Und was gibt's noch?", höre ich dabei immer die Stimme meines Sohnes im Hinterkopf, wenn ich diese Vielfalt von Waren in den Schaufenstern sehe.

Als ich gerade so in Gedanken verloren dahinwandere, höre ich plötzlich ein kleines Baby weinen. Die Schreie dringen einsam aus einem Kinderwagen. Die Mutter steht ein paar Meter entfernt und betrachtet die neue Winter-Pelzmantel-Kollektion in einem Schausfenster. Aus dem Augenwinkel bemerke ich, wie sich eine kleine in Lumpen gehüllte Gestalt auf diesen Kinderwagen zubewegt. Das muss eines dieser Kinder aus dem Armenviertel sein, dachte ich mir, die man oft in unseren Straßen beim Betteln antrifft. Bald wird die Regierung mit dem schon lange angekündigten Bau eines Zaunes um dieses Armenviertel beginnen, damit wir endlich vor ihnen Ruhe haben. Es war ein Gedanke, den ich heute zutiefst verabscheue und mich dafür schäme, in jemals in meinem Geiste zugelassen zu haben. Dieses kleine Kind auf jeden Fall, ein Mädchen war es, ging auf den Kinderwagen zu und spähte hinein. Dann zog es seinen zerlumpten Umhang aus und deckte das Baby damit zu, dessen Schreie nun deutlich leiser wurden. Scheinbar war es ihm nur ein wenig zu kalt gewesen, indes jedoch das Mädchen nun am Körper anfing zu erzittern. Jedoch lächelte es. Sie gab jemanden anderen etwas von sich, was für ihr Leben wichtig gewesen war und freute sich trotzdem, als sie sah, dass sich das Baby nun wieder wohler fühlte. Es war unfassbar in meinen Augen. Als die Mutter dies sah, kam sie schreiend auf die kleines Mädchen zu, nahm den verlumpten Mantel aus dem Kinderwagen und war ihn achtlos weg, so dass er in einer nassen Pfütze landete. "Und was gibt's noch?", hörte ich diese Stimme wieder, als ich diese Szenerie sah. Die Mutter schrie noch irgendetwas von Flöhen und Krankheiten ehe sie mit ihrem nun wieder weinenden Baby weiter fuhr, während das Mädchen seinen durchnässten Mantel aufhob und wieder in einer Seitenstraße verschwand.

Noch über das gerade Gesehene nachdenkend ging ich weiter die Einkaufsmeile entlang, als mir auf einmal ein kleiner Junge ins Auge stach, der traurig etwas in einem Schaufenster betrachtete. Seiner Kleidung nach zu urteilen, stammte er wie das kleine Mädchen zuvor ebenfalls aus dem Armenviertel. Normalerweise schenke ich ihnen keine besondere Aufmerksamkeit, aber da war irgendetwas in seinen Augen, so dass ich nicht umher kam, ihn an anzusprechen.
"Was ist denn los, Kleiner?", habe ich zum ihm gesagt.
Mit Tränen unterlaufenden Augen dreht er sich zu mir um und zeigte auf eine schlichte Puppe in dem Schaufenster.
"Meiner Schwester hat sie immer so sehr gefallen. Ich würde sie ihr gerne zu Weihnachten schenken, aber leider habe ich zu wenig Geld dafür."
Ich versuchte ihn ein wenig zu beruhigen, indem ich ihm versprach, dass der Weihnachtsmann dies wisse, und ihr diese Puppe bringen würde.
"Nein", erwiderte er, "dort, wo sie jetzt ist, würde der Weihnachtsmann nicht hingelangen ... aber meine Mama hat mir erzählt, dass Papa bald auch dorthin gehen wird, und der könnte sie ja dann für meine Schwester mitnehmen."
Ich war verwirrt und verstand nicht, was dieser kleine junge mir sagen wollte. Also drehte ich mich um und machte mich wieder auf meinen Weg. Doch nach nur wenigen Metern spürte ich diesen traurigen Blick auf mir ruhen. Was mich nun zu der folgenden Tat veranlasste, weiß ich heute nicht mehr. Waren es seine traurigen Augen, seine Geschichte oder einfach nur irgendetwas tief in meiner Seele. Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall machte ich kehrt und habe diese Puppe in dem Geschäft gekauft. Draussen gab ich diesem Jungen dann diese Puppe. Aber anstatt das bereits gewohnte "Was gibt's noch?" zu hören, veränderte sich sein strahlender Blick von einem traurigen zu einem fröhlichen und er sagte nur ein Wort "Danke!", eher er strahlend wie schon das Mädchen zuvor in einer Seitenstraße verschwand.

Nachdem ich die Geschenke für meine Familie gefunden hatte, machte ich mich bereits spät am Abend wieder auf den Weg nach Hause. Für meinen Sohn hatte ich ein ferngesteuertes Spielzeug-Raumschiff, einen kleinen Spielzeug-Roboter, ein Pullover und ein paar Süßigkeiten gekauft. Meine Frau erhielt einen golden Ring und eine Weltreise. Als ich meine von dem vielen Gehen schmerzenden Beine wieder an diesem Puppen-Geschäft vorbei trugen, fing ich auf auf einmal wieder nachzudenken, was mir an diesem Tage alles Merkwürdige geschah. Da war dieses kleine Mädchen, das ausser ein paar Lumpen nichts hatte. Sie sah das kleine Baby, das unter der Kälte litt und schenkte ihm etwas von sich, was sie eigentlich viel nötiger hatte. Dann war da noch dieser Junge, dessen einziger Wunsch ein Geschenk für seine Schwester, für jemanden anderen und nicht sich selbst war. Und beide waren glücklich, weil sie jemanden eine Freude bereiten konnten ... wie ich, als ich in die strahlenden Augen des kleinen Jungen sah, als er diese Puppe in seinen Armen hielt.

In der darauf folgenden Nacht habe ich kaum geschlafen. Immer wieder habe ich mich von der einen Seite auf die andere gedreht, aber es half nichts. Also stand ich mitten in der Nacht wieder auf und zog meine Kleider wieder an. Ich wollte noch ein wenig an der frischen Luft umher wandern, in der Hoffnung, danach müde genug zu sein, um noch ein paar Stunden vor dem großen Fest zu schlafen. Wie schon ein paar Stunden zuvor wanderte ich durch die Einkaufspassage, in der zur Weihnachtszeit die ansässigen Geschäfte den ganzen Tag geöffnet waren, so dass auch jetzt noch reger Betrieb herrschte. Als ich an diesem Puppenladen vorbeikam, fiel mir wieder dieser Junge ein, wie er mit einem Lächeln in einer Seitenstraße verschwand. Neugierde, wohin er denn gegangen sei erfasste mich und ich bog in diese Straße ein. Es dauerte nicht lange, bis ich die ersten zerfallenen Häuser und auf den Straßen schlafende Menschen sah. War es nun Zufall oder Schicksal, der mich zu einem Haus führte, bei dem eine Wand bereits eingestürzt war und der kleine Junge, dem ich noch vor wenigen Stunden diese Puppe gekauft habe, mit seiner Mutter um einen mit einer Kerze beleuchteten Tisch saßen? Auch er schien mich wieder zu erkennen und kam mir strahlend entgegengelaufen, um sich abermals bei mir zu bedanken. Ich erinnerte mich wieder an unser Gespräch und was er über seine Schwester gesagt hatte. Dort, wo sie jetzt ist, würde der Weihnachtsmann nicht hingelangen, aber meine Mama hat mir erzählt, dass Papa bald auch dorthin gehen wird. Damals wusste ich nicht, was er damit meinte und als ihn fragen wollte, war er zu jener Zeit schon wieder in dieser Seitenstraße verschwunden. Nun holte ich dies nach.

"Komm mit, ich bringe Dich zu meiner Schwester.", sagte er zu mir und führte mich durch viele enge Gassen in diesem Viertel. Überall waren zerfallen Häuser und frierende Menschen, die sich an einer brennenden Tonne wärmten zu sehen. Nach einer Weile kamen wir auf eine kleine Kirche zu.
"Gleich da ist sie!", sagte er zu mir. Wir gingen auf die große Eingangstüre zu, aber anstatt hineinzugehen, führte er mich um die Kirche herum zu einer Stelle, an der sich mehrere Grashügel auftaten, in denen jeweils auf einer Seite ein vermodertes Holzkreuz steckte. Ein seltsames Gefühl in meiner Magengegend erfasste mich, als wir vor einem diesen Grashügel stehen blieben und er mit dem Finger darauf zeigte.
"Hier liegt sie.", sagte er zu mir.
Die Erkenntnis traf mich plötzlich wie ein Schlag. Das hier war ein Friedhof, ein Ort, an den die Armen ihre Toten begruben. Ein Ort, an dem sie ihm eine letzte Ehre erwiesen. In meiner Gesellschaft gab es so etwas schon seit über einem Jahrhundert nicht mehr, da wir für so etwas keinen Platz mehr hatten. Wenn bei uns jemand stirbt, kommt er ins Krematorium, wo er dann verbrannt wird und nach einiger Zeit in Vergessenheit gerät. Doch diese Menschen sorgten sich noch um ihre Familie und ihre Freunde, so wie sich nun der kleine Junge um die achtjährige Janina sorgen konnte, die hier laut der Inschrift auf dem Kreuz begraben lag.
"Was ist passiert?", habe ich den kleinen Jungen gefragt.
"Mein Papa und meine Schwester waren vor ein paar Tagen in dem Wald in der Nähe des Sees unterwegs, um nach ein wenig Holz für die kommenden Tage zu suchen. Als sie den See überqueren wollten, um ans andere Ufer zu kommen, sind sie plötzlich eingebrochen. Als sie dann gegen Abend wieder nach Hause kamen, fingen sie auf einmal zu Husten und Niesen an und bekamen hohes Fieber. Meine Schwester musste dann kurz darauf zum lieben Gott gehen und Mama hat gesagt, dass Papa sie bald besuchen wird. Deshalb habe ihm diese Puppe gegeben, damit er sie meiner Schwester im Himmel geben kann."
Dann fing er an zu weinen. Ich versuchte ihn trösten, aber wie will man einen Jungen trösten, der die Hälfte seiner Familie verloren, nur weil ihnen eine wärmende Decke gefehlt hatte, ums sich von ihren Erkältungen zu erholen. Ich auch war nun traurig, weil ich mich dem Schicksal des Jungen verbunden fühlte. Eine Schicksal, dass er nicht hätte erleiden müssen, wenn wir von unserem Überfluss nur ein klein wenig abgeben hätten. Also machte ich mich betroffen wieder auf den Weg zu meinem warmen zuhause, um mit meiner Familie das Weihnachtsfest zu feiern. Ein Fest, dass ich von an mit anderen Augen sehen würde.

Das war also nun die traurige Geschichte des kleinen Jungen, der meine Einstellung zu Weihnachten und zu meinen Mitmenschen grundlegend veränderte. An diesem Tage habe ich gelernt, dass die Ware Weihnacht nicht die wahre Weihnacht ist. Durch all unseren Wohlstand und die Überhäufung von Geschenken, hatten wir vergessen, worauf es an Weihnachten eigentlich ankommt. Erst die Selbstlosigkeit des kleinen Mädchens, das einem frierenden Kind helfen wollte, oder auch dem kleinen Jungen, der nur ein Geschenk für seine verstorbene Schwester wollte, haben mir die Augen geöffnet. Diese armen in Not geratenen Menschen zeigten mir, dass sich Glück nicht mit teuren Geschenken erzwingen lässt, sondern durch die Hilfe und Selbstlosigkeit untereinander entsteht. Wo ich früher noch teure Geschenk für meine Familie gekauft habe, verteile ich nun wärmende Decken und etwas zum Essen unter den Armen. Es ist dieses Gefühl der Dankbarkeit, das mich glücklich macht. Denn obwohl ich nur Kleinigkeiten verschenke, Dinge, die in meinem Leben selbstverständlich geworden sind, fragt mich hier keine "Und was gibt's noch?"

Beitrag wurde am 25. Dezember 2007, 10:43 Uhr editiert.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

25.12.2007, 10:40

 
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Geschichte 3

2377


Ein penetrantes Wecksignal reißt mich aus dem dumpfen Schweben zwischen Wachsein und Schlafen. Surrend öffnet sich die Stasiskapsel während die Nährlösung noch gurgelnd abläuft. Ein kurzer, eisig kalter Luftsog bläst die letzte dünne Schleimschicht von meinem Körper und trocknet dabei auch meine Unterwäsche.
Gähnend richte ich mich auf und erblicke das Ziel meiner Reise als großer, grauer Klotz, der bereits fast den gesamten Bildschirm der Fähre ausfüllt.
Auf dem Computerdisplay erscheint die geschätzte Ankunftszeit. 23:12:09. Also noch knapp eine Viertel Stunde bis zu den manuellen Andockmanövern. Nicht genug Zeit für ein Frühstück, aber noch schnell unter die Dusche. Die Nährlösung stinkt bereits wie vergammelter Fisch.
Neben mir wachen nun die anderen auf. Kopilot, Navigator und Techniker. Wir müssen alle wach sein zur Übergabe.
Wobei wir nicht wissen was da unten eigentlich in diesen Containern ist. Vor sechs Monaten haben wir das Zeug gebunkert und uns dann auf die lange, schwierige und gefährliche Reise gemacht. Die Reise zum Mars, einst der rote Planet. Jetzt grau vor schwerem Nebel und Regenwolken, hoffentlich bald grün vor Vegetation.
"Statusbericht?"
"Raumpiraten haben versucht sich anzuhängen. Bruder hat sie abgeschossen bevor sie nah genug waren. Keine Überlebenden", antwortet der Navigator.
"Der Ankauf der alten Laser hat sich also gelohnt", gab der Techniker seinen Senf dazu. Ein kleiner, korpulenter Typ der immer überlegen musste welchen Schraubenzieher er jetzt verwenden musste. Aber gutes Personal ist teuer, und an Geld mangelt es fast allen. So gebe ich mich mit der zweiten Wahl zufrieden und hoffe, dass bald die Kasse klingelt.

Manuelles Andocken an der Pathfinder-Station. Jedes Andocken ist eine Gratwanderung, die die absolute Aufmerksamkeit der Besatzung und ein gut koordiniertes Team benötigt. Der kleinste Fehler kann ein Inferno auslösen, der das Schiff verschlingt. Technologie wie zu Opas Zeit.
Wir sind jetzt im Stande Planeten zu terraformen, sodass sie erdähnlich werden. Doch hier haben wir wohl versagt, oder kein Geld übrig gehabt.
Doch wir überleben das Andocken und gehen nun in den Laderaum um das Umladen vorzubereiten. Dafür müssen wir die Container öffnen und sehen zum ersten Mal was so wichtig ist, dass unsere nicht gerade billige Firma angeheuert wurde.
Ich staune nicht schlecht als ich es sehe. Tannenbäume. Mehr als einhundertfünfzig einfache Tannenbäume wie es sie auf der Erde zu Tausenden gibt.
Die Crew gibt ihre Kommentare, doch bevor eine Diskussion beginnen kann erscheint der Chefverlader der Pathfinder-Station und macht uns Dampf. Er erinnert mich an unseren Techniker und scheint denselben IQ zu haben. Ob die beiden verwandt sind?

Außer den Kolonisten und der Operationsleitung ist es niemandem gestattet Fuß auf den Mars zu setzen. Noch nicht, um das noch schwache ökologische Gleichgewicht nicht zu stören.
Ist mir ehrlich egal, mein Konto ist wieder voll, die Passage samt Zinsen reicht bis zu meiner Rückkehr auf die Erde aus um dann ein paar dringend benötigte Ersatzteile zu kaufen. Vorausgesetzt meine Frau stellt nicht sofort alles auf den Kopf.
Meine Frau. Wieder ein Jahr gealtert bis ich zurückkomme. Ein negativer Effekt der langen Reise ist der Zeitunterschied. Wir sollten beide mittlerweile um die vierzig sein. Sie ist es auch, ich bin knapp 26. Den Rest verbrachte ich in Stasis auf Reisen zum Mars, zur Venus oder nach Europa. Europa, das erste erfolgreiche Terraformingprojekt. Bis es abgebrannt ist. Eine lustige Geschichte, und da wir Zeit haben will ich sie erzählen. Zeit zum Abdocken: 01:30:23.
Europa war nicht der erste Versuch einen Planeten bewohnbar zu machen. Projekte von Resort&Life sowie FutureLands liefen bereits als die bis dato unbekannte kleine Firma NewTerra eines religiösen Fundamentalisten den Auftrag bekam Europa urbar zu machen. Seltsamerweise war er erfolgreicher als die anderen Firmen, was wohl auf die bereits vorherrschenden Bedingungen zurückzuführen war. Schon im späten 20. Jahrhundert vermuteten Wissenschaftler, dass Europa sehr erdähnlich sein könnte.
Immerhin brauchte NewTerra knapp fünf Monate um den Planeten mit Flora und Fauna sowie einer Atembahren Atmosphäre auszustatten. Als die Terraformprozesse beendet waren, sollten Kolonisten in das neue Paradies weit, weit weg entsandt werden. So brachen sie auch auf, doch 24 Monate später fanden sie eine rote Hölle vor. NewTerra hatte wohl an Material gespart und so hatte ein Atmosphärenumwandler eben diese Atmosphäre entzündet und alles verbrannt. Die Kolonisten kehrten schlecht gelaunt an einem 24. Dezember zurück und ließen sich im Asteroidengürtel nieder. Seitdem treiben sie als Raumpiraten ihr Unwesen. Besser bekannt als Nicolaus und seine Erzengel. Das hat man davon wenn man Fanatiker wegschickt.
00:49:13.
Noch immer viel Zeit. Was kann ich sonst erzählen?
Mein erstes Weihnachten im Weltall erlebte ich mit 13. Meine Eltern konnten es sich endlich leisten auf den Mond umzusiedeln und die damalige Müllkippe Erde zu verlassen. Rückblickend wohl eine schlechte Entscheidung. Ein Jahr später erließ der Senat ein Reinheitsgesetz. Als Ergebnis sattelten alle großen Unternehmen um und zogen auf den Mond. Die Erde kam innerhalb weniger Jahre wieder auf einen wahrlich grünen Zweig und wurde wieder zur Perle im Sonnensystem. Blaue Ozeane, grüne Wiesen, Dschungel und Berge. Ein Urlaubsort für jedermann.
Der Mond wieder wurde trotz des Fehlens natürlicher Rohstoffe zu einer Müllkippe bis ein japanisches Konsortium auf die Idee kam ihn auszuhöhlen und den Fels zu verkaufen. Der Mond kollabierte. Die größte Katastrophe des Jahrhunderts.
Aber als ich auf den Mond kam war es noch schön. Grüne Baumplantagen unter gigantischen Glaskuppeln, dazwischen kleine, saubere Wohnanlagen aus Mondgestein. Geschäfte, Schulen, Bibliotheken, Museen und Denkmäler. Meine Eltern sprachen von der netten kleinen Siedlung im Vorort.
Ich konnte damit nichts anfangen. Ich war in Westtown, der Großstadt auf dem Kontinent Europa aufgewachsen. Ich kannte nur die Gassen rund um den Stadtteil Schweiz, die Expressbahnen nach Deutschland und Frankreich, wo ich zur Schule gegangen war, und die Expressbahn in den Stadtteil Finnland weil dort der Badesee und die Erholungsanlagen waren. Von all dem anderen habe ich nicht viel gesehen, wobei es von wunderschön bis abstoßend schrecklich ja alles geben soll. Keine Ahnung, aus dem Weltall wirkt Westtown wie ein kleiner Fleck im Nichts im Verhältnis zu Easttown, das sich über Asien und Nordafrika bis zu der Grenze der Wüste erstreckt. Am eindruckvollsten von oben ist aber Centraltown. Der gesamte amerikanische Kontinent ist davon eingenommen, die Anlagen reichen aber weit in den Pazifik hinunter und die Expresslinien nach East- und Westtown verlaufen wie schmale Adern über den Ozean.
So war diese kleine urbare Gegend auf dem Mond die sich schlicht und einfach Mondbasis 1 nannte für mich eine ganz neue Erfahrung. Ein Weihnachten, das nicht durch die Geschenke in meiner Erinnerung blieb, sondern vielmehr durch das ganze Drumherum.
In der Hauptmensa von Mondbasis 1 war ein Plastikbaum aufgestellt, der bis unter die Glaskuppel reichte weil es einfach sinnlose Verschwendung gewesen wäre ein Objekt auf der Baumfarm zu entfernen. Im Schatten dieses Baumes standen Tische und Bänke für alle Bewohner der Anlage, was in Summe keine 300 Leute umfasste.
00:20:00.
Startvorbereitungen einleiten. Einen Moment bitte.
"Alle Mann auf ihre Stationen. Startvorbereitungen beginnen ab jetzt. Start des Triebwerksvorlaufs, Lösen der Halteklemmen vorbereiten. Externe Sauerstoffversorgung kappen und auf Umluftverwertung umschalten. Checkliste beginnen."
Wo waren wir? Das erste Weihnachten fern der damaligen Müllhalde Erde.
Zum Essen gab es Rinderbraten in süßsauerer Soße, gefüllten Truthahn und Tofu. Dazu Unmengen von Beilagen, Salaten und süßen Dingen. Beinahe verschwenderisch viel, aber wie sich am Ende zeigte genau abgewogen, sodass jeder satt werden konnte und alle Teller bis auf wenige Krümel leer wurden.
Da ich erst vor einigen Tagen auf den Mond gekommen war, war dieses Fest auch die erste Gelegenheit ein paar Freundschaften zu schließen. Die nächsten Tage erkundete ich dann die Anlage, lernte die besten Verstecke und geheimen Zugänge kennen und wurde schnell als Tunnelratte bekannt, die in jeden Schlumpfwinkel kam.
So verging die Zeit bis Februar. Dann wurde ich in die Eliteklasse versetzt. Die rosigen Zeiten mit Spiel, Spaß und Freude war vorbei und wurden abgelöst von der Zeit der Gelehrsamkeit, der Ruhe und des Lernens.
00:10:00.
"Checklisten komplett. Alle Systeme auf grün. Erster Trupp Schlafkapseln beziehen." Der Reihe nach verlöschen die Bildschirme der Konsolen und außer mit und dem Navigator verschwinden alle in der Stasis. Jetzt haben wir noch zwei Passagiere aufgenommen. Begutachter der planetaren Regierung, die Kofferweise Datenkristalle mit ihren Ergebnissen mitführten. Tannenbäume gegen zwei Anzugträger mit mehr Informationen als mein Schiffscomputer verarbeiten könnte.
Seltsame Zeiten sind das, Weihnachten 2377. Ob ich meiner Frau einen Gruß senden soll? Wäre wohl sinnlos, die Nachricht käme gegen Mitte Januar erst an. Vorausgesetzt irgendein Satellit leitet sie nicht falsch um, verstückelt sie oder lässt sie gar ganz verschwinden.
00:05:31.
Es ist wohl Zeit diesen Eintrag zu beenden und mich selber vorzubereiten. Die Abdockprozedur ist bereits eingegeben und muss nur noch begonnen werden. Sauerstoff- und Treibstofftanks sind voll, Notfallsysteme an meinen Kapseln angeschlossen. Wenn was sein sollte werde ich innerhalb einer Minute wach und einsatzbereit sein, gepusht durch eine Ladung Adrenalin.
00:03:10.
Ich nehme Platz in meiner Kapsel. Der Rest ist bereits wieder in der Schwebe zwischen Wachsein und Schlafen. Mahlend bewegt sich der Kiefer von unserem Dicken. Er träumt wohl wieder vom Essen.
Gähnend lege ich mich hin und schließe die Kapsel. Prozess beginnen, Aufzeichnung ende.
Ob die Sicherheitssysteme aktiviert worden sind? Vielleicht begegnen wir beim Zurück den Piraten. Ich muss noch schnell ... das kann warten.
Dunkelheit. Schwebe zwischen Wachsein und Schlaf. Bis in sechs Monaten.

Beitrag wurde am 25. Dezember 2007, 10:48 Uhr editiert.




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25.12.2007, 10:47

 
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Geschichte 4

Über Weihnachtsmäuse und vegetarische Katzen

Mit einem gekonnten Schlag holte ich mit dem Besenstiel aus und traf die Kiste, die quer durch den Flur flog und regungslos liegen blieb. Ein Glück, dieses Mal kein lebendiger Inhalt in meinem Weihnachtsgeschenk. Erleichternd seufzend stellte ich den vollautomatischen Besen in die Ecke, bedachte mein Geschenk freudig und legte mich dann schlafen.
Morgen würde ich ruhigen Gewissens das Päckchen unter den holographischen Weihnachtsbaum stellen, einfach hoffen, dass nicht noch ein Geschenk ankam und das Weihnachtsessen ordern.
Weihnachten, schon wieder. Früher hatte man dies als besinnliches Ereignis angesehen. Historische Quellen erzählten von bunten Lichtern, flackernden Kerzen und gemütlichem Beisammensein bei warmem Kaminfeuer, während draußen der Schnee alles in eine weiße Decke hüllte. Gemeinsam schmückte man echte Bäume und verstaute bepackte Geschenke darunter, von denen man wusste, dass sie über Nacht nicht die Gegend erkunden würden. Wie konnte aus solch einer Tradition nur etwas derartiges werden, wie es die Menschen heute hatten?
Dank des Klimawandels hatten wir schon seit vielen Generationen keinen Schnee mehr erlebt und jedweder Weihnachtssinn war unter den unmöglichsten Dingen verloren gegangen. Doch so richtig schlimm war es erst geworden, nachdem sich der Unfall mit den Weihnachtsmäusen ereignet hatte.

Eigentlich eine nette Idee, kleine Fellkugeln zu züchten, ihnen niedliche Gesichter zu verpassen und sie mit flauschigem Fell und roter Schleife als Symbol der Weihnacht zu den Menschen zu schicken. Sie wurden als Boten eingesetzt, die mit persönlichen Nachrichten an die Lieben versendet wurden.
Von Niedlichkeit, Freude und einer netten Idee war jedoch nicht viel übrig geblieben, seid die Mäuse mit einem mutierten Gen nach einem Unfall entkommen konnten. Diese produzierten nun binnen weniger Tage derartig viele Nachkommen, dass ihre Population Überhand genommen hatte,da half es auch nicht viel, dass die Klone zeugungsunfähig waren. Denn das bedeutete, dass wenn man mit etwas Pech eine solch mutierte Maus erwischt und an einen Verwandten schickt, diesem unter Umständen anschließend zehn Fellkugeln entgegen springen.
Durch entsprechende Vorkommnisse gewarnt musste jedes Geschenk daher erst verprügelt werden, ehe es geöffnet wurde. Auch die Anzahl an Lebendfallen in meiner Wohnung hatte sich von null auf 27 deutlich vergrößert. Das größte Problem bestand allerdings darin, dass sich die flinken Mitbewohner vorzugsweise auf meinem Bettvorleger schlafen legten und ich dies meist erst bemerkte, nachdem ich barfuß aus dem Bett gestiegen bin.

Als ich am nächsten Morgen meine am Vorabend gepackte Tasche nicht fand, stellte ich mich auf das schlimmste ein. Schließlich fand ich sie im Flur wieder, geöffnet. Ich setzte mich auf mein Sofa und trank einen Kaffee zur nervlichen Beruhigung, die Tasche nicht aus den Augen lassend, immerhin könnte sie davonlaufen. Wenige Minuten später war ich mental noch immer nicht in der Lage, in den Rucksack zu sehen.
Ich riss mich zusammen, näherte mich dem Objekt mit dickem Schuhwerk bewaffnet auf Zehenspitzen und bückte mich. Die absolut äußersten Zipfel der Taschenunterseite gepackt schüttelte ich mit ausgestreckten Armen panisch die Tasche, deren Inhalt sich auf dem gesamten Boden verteilte. Kalender, diverse Zettel, ein langvermisster Stift - aber keine Maus!
Ein Fiepen ließ mich herumwirbeln und ich sah gerade noch, wie ein Schatten Richtung Küche verschwand. Ich beschloss, dies zu ignorieren und verbrachte den restlichen Tag damit, die Postsendungen gepflegt zu ignorieren.
Als ich am Abend einen Tee zubereiten wollte riskierte ich einen prophylaktischen Blick hinter die Kochwand. Ein flauschiges Mäuslein erwiderte kokett meinen Blick. Früher hätte ich mich gefragt, wieso sie sich ausgerechnet das einzig nicht-verrückbare Element meines Mobiliars ausgesucht hatte, mittlerweile hätte mich aber eher der umgekehrte Fall überrascht. Nunja, keine Zeit, die Pflicht rief. Unwichtig zu erwähnen, dass derweil in meiner Lebendfalle gähnende Leere und ein Käsestückchen erwarteten, mich dafür aber direkt daneben einige Nagerköttelchen verspottet haben. Statt dem klischéehaften Käse beschloss ich, drastischere Geschütze aufzufahren. Ich suchte den Schoko-Weihnachtsmann, der vor einigen Tagen in einem mäusefreien Päkchen bei mir eingezogen war, und zerlegte ihn in seine Bestandteile, um einige Stückchen erlesener Schokolade in die Falle zu legen.

Als ich selbige zu einem späteren Zeitpunkt kontrollieren wollte, bereitete ich mich innerlich darauf vor, dass die Mäusefamilie - ich zweifelte nicht daran, dass aus einer mehr geworden waren - es geschafft hatte, die Schokolade zu fressen ohne gefangen zu werden.
Ich warf einen skeptischen Blick in den Flur, in dem die Falle aufgebaut war, und erwarte etwas Lebendiges zu finden. Nun, der Käse war weg. Die ganze Falle war weg! Ich kniff die Augen zusammen und starrte die leere Stelle an, an der sich zuvor definitiv die Falle befunden hatte. Weg! Auch nach mehrmaligem Augenreiben änderte sich daran wenig, nichts zu finden!
Wie hatte ich mir das jetzt vorzustellen? Hatte in der Nacht irgendein Entschärfungskommando die Falle gesichert und entfernt? Hatte ich mit möglichen Gegenangriffen zu rechnen?
Ich beschloss, dass dies nicht so weitergehen konnte und holte zum letzten Schlag aus - ich legte mir eine Katze zu! Was im zwanzigsten Jahrhundert möglich war musste doch auch heute, dreihundert Jahre später, funktionieren!
So bestand mein persönliches Weihnachtsgeschenk dieses Jahr aus einer Katze, genaugenommen einem Kater, den ich Thirteen nannte. Leider schien ihm viel mehr an dem Wohle der Mäuslein zu liegen als mir, und so hatte ich wohl den einzigen Kater auf Erden erwischt, der die Mäuse lieber scharenweise zu mir nach Hause brachte als dass er sie gefangen hätte.
So traf es sich, dass sich am Weihnachtstage eine ganz besondere Art der Weihnachts-Botschaft-Überbringung ereignete. Ich lud meine Verwandtschaft zum feierlichen Essen ein und wir bewunderten beim Abschied gerade den neuen Airglider meiner Eltern, als Thirteen durch das Fenster zu uns heraus kam. Der unbedachten Bewegung meiner Eltern, die das Zielt hatten, die Katze freudig zu begrüßen, folgte eine Warnung meinerseits, da Thirteen sein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk dabei hatte. Leider wollte er dieses nicht hergeben, und so eskalierte die Situation. Sein Fauchen verschaffte dem Mäusewesen in seinem Maul genügend Platz zur Flucht, das kleine Fellding nutzt den Moment und rettete sich zwischen die Beine meiner entsetzten Eltern.
Das Katertier spurtete nur einen Sekundenbruchteil später hinterher und warf sich ebenfalls zwischen die nervös tänzelnden elterlichen Beine. Gelassen beobachtete ich den festlichen Tanz vor meinem Haus und empfand das fauchende Miauen und das aggressive Fiepen der Maus begleitet vom hektischen Kreischen meiner Eltern als willkommene Abwechslung zu 'Oh Du Fröhliche' und 'Jingle Bells'.
Während die Verwandtschaft mutig den Glider zu erreichen versuchte, schnappte mein vegetarisches Katerchen sich sein flinkes Spielzeug. Leider konnte meine Mutter nicht umhin, mir noch rasch ein frohes Fest zu wünschen, dreht sich zu mir um und mit Lichtgeschwindigkeit fliegt die Maus auf meine Mutter zu. So schnell habe ich mich noch nie von ihr verabschiedet.
Wahrscheinlich wollte Thirteen sein Geschenk doch noch überreichen, befand aber den Vorsprung der Familie des Dosenöffners für zu groß und verstand das Umdrehen der Mutter als Aufforderung, das Präsent einfach hinterher zuwerfen.

Am folgenden Weihnachtsmorgen erfragte ich bei dem Vorbesitzer meines Katers, ob die Möglichkeit bestünde, dass mein neuer Hausbewohner lieber spielt als zu jagen. Mir wurde versichert, dass mein Mäusefänger exakt auf eben dies beschränkt ist - Mäuse fangen, von Töten oder gar fressen sei ja schließlich nie die Rede gewesen.
Außerdem bekam ich das Angebot, eine eigens für meine Bedürfnisse programmierte Katze zu bekommen, deren genetischer Code auf das Jagen und Fressen von Weihnachtsmäusen ausgerichtet sei. Ich lehnte dankend ab und bereitete mich stattdessen auf die zweite Weihnachtsfeier vor, dieses Mal waren die Patenkinder zu Besuch.
Als Thirteen gegen die Mittagszeit wie gebannt auf einen Punkt in der Ecke sah, ahnte ich schreckliches. Die Kinder vom bestellten Holo-Weihnachtsmann abgelenkt folgte ich unauffällig Katers Blick, der zur Balkontür führte. Dahinter tummelte sich eine Mäusegruppe und vernichtete etwas, das irgendwann einmal Brot gewesen sein konnte.
Thirteen, kampfbereit wie er ist, nur leider nicht der Klügste, schnellte auf die Mäuse zu... und verprügelte die Glastür! Auch von der Tatsache, dass die Mäuse lässig weiterfraßen ließ mein Kater sich dabei nicht stören.
In der Nacht vernahm ich beim Aufstehen, um etwas zu trinken, ein knackendes Geräusch, streifte meinen Fuß am Bettvorleger ab, warf selbigen mit spitzen Fingern in die Schalldusche und steckte meinen Fuß gleich recht angewidert mit rein. Anschließend erklärte ich mein Haus feierlich zur mäusefreien Zone.
Das war der Punkt, an dem für mich fest stand, dass ich Urlaub brauchte.
So nutzte ich den zweiten Weihnachtsfeiertag kurzerhand für einen Ausflug zur Weihnachtsinsel. Auf dem Weg dort hin in meinem Airglider erinnerte ich mich an eine geographische Aufzeichnung, in dem ich mal gelesen habe, dass die Weihnachtsinsel einst tatsächlich ein kleines Stück Land war, das auf dem Wasser schwamm. Undenkbar, dass eine solche Konstruktion auf der Erde möglich gewesen sein soll.
Hoch über mir wurden bereits die Konturen der großen Glaskuppel deutlich, unter der die winterliche Landschaft in all ihrer Pracht gedeihen konnte. Nicht nur Schnee sondern sogar echte Weihnachtsbäume gab es hier, Vegetation, wie man sie auf der Erde schon lange nicht mehr fand.
Der nette Herr im Eingangsbereich gab mir den dicken Wintermantel und öffnete die Schleuse. Mir schlug eisiger Wind entgegen und ich steuerte zielstrebig einen bestimmten Platz an, den Platz, an dem mein Urlaubsziel auf mich wartete: Das Hundehaus. Das Toben mit großen Hunden durch den Schnee, früher normal, undenkbar bis vor ein paar Jahrzehnten und nun neuentdeckt und ermöglicht.
Ich fand unter vier Schmutzschichten zwei Hunde, die beharrlich behaupteten, dass sie meine waren. Als ich mich seufzend meinem Schicksal ergab und vor der Putzaktion das Futter aus dem Vorrat holen wollte, sah ich ein weiteres tierliches Weihnachtsgeschenk: Die Säcke waren an den Ecken durchlöchert, das Futter herausgerieselt und mit zwei ''Liegt im Dreck - mögen wir nicht mehr!' Haufen verziert.
Zu Tode erschrocken und mit rasendem Puls rannte ich wie vom Blitz getroffen in das klimatisierte Haus, rückte wie besessen Möbel beiseite und stieß ein erstaunliches Repertoire an Flüchen aus, als
ich ein akkurat platziertes Mäuseköttel-Bild am Boden entdeckte.

Ich packte kurz entschlossen meine Hunde, lief grummelnd zurück zu meinem Glider und warf dem Empfangsherrn einen bitterbösen Blick zu.
Dem zuständigen Forschungslabor, dem wir und im speziellen ich diese Mäuseplage zu verdanken hatten, schrieb ich eine gepfefferte Beschwerde.

Ein Jahr später nun sitze ich hier und erfreue mich einem leuchtenden Kerzenspiel. Auf dem Tisch wartet das Essen auf meine Familie, die jeden Moment ankommen müsste. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass die Mäuse die Erde noch nicht aufgefressen haben, sondern der Planet nach wie vor als blauer Punkt in weiter Ferne leuchten kann. Ja, hier auf dem Mars lebt es sich einfach besser. Die Tradition, der Geist von Weihnachten ist hier neu belebt worden.
Ich hoffe nur, dass es so bleibt. Und dass jedes ankommende Paket auf ewig zunächst durchleuchtet wird, ehe es irgendwo ankommt, speziell bei mir.
Die verschwundene Mäusefalle ist übrigens bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Beitrag wurde am 25. Dezember 2007, 10:54 Uhr editiert.




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Geschichte 5

Der Erretter

"Eh Balthasar! Schwing dich aufs Kamel, wir müssen los! Dawai! Dawai!" Wegen des gereizten Tonfalls entschied sich Unteroffizier Balthasar Giap, sofort seinen Joint wegzuwerfen und in das Erkundungsfahrzeug BRDM 207 Kamel reinzuklettern und nicht erst nach dem Grund für die plötzliche Hektik zu fragen. "Normalerweise ist der Starschina eher ein Gemütsmensch also muss es was Dringendes sein. Immerhin beobachten wir hier schon seit knapp drei Tagen nur leere Einöde" dachte der Fahrer, als er zwischen den übermannshohen Rädern in die Fahrraum kletterte.

Sobald Balthasar auf seinem Sitz war und den Helm aufhatte, hörte er den Kommandanten über den Bordfunk: "Du fährst jetze Richtung Bethlehem. Melchior hat von ganz oben gemeldet gekrischd, dass in der Gegend was nuntergekomm is." Bei Hektik verfiel der Kommandant Starschina Caspar Meißner gelegentlich in seinen Heimatdialekt. Private Melchior Jadin, Funker des Trios witzelte einmal: "Der Kommandant hat sich seinen Geburtsort nach seinem Familiennamen ausgesucht." Doch daran dachte Unteroffizier aus Ba Lat. jetzt nicht, er warf die Motoren an, checkte die Route auf dem Kartendisplay und für quer durch die Wüste nach Westen.

Nachdem einige unübersichtliche Felsformationen umfahren wurden, wollte Balthasar genauer nach dem Grund für die plötzliche Abfahrt fragen, doch da fing Caspar schon an zu reden: "Also wir wissen nichts Genaues. Laut der Meldungen, die Melchior aufgefangen hat, ist in einer Viehzucht bei Bethlehem irgendwas abgestürzt. Oder runtergefallen. Beim Aufschlag gab es einen ziemlichen Krach und anschließend erstrahlte die ganze Gegend in verschiedensten Farben. Das behaupten zumindest Zeugen, aber bisher ist noch niemand nahe an die Gegend rangekommen, alles wurde erstmal abgesperrt. Man vermutet starke Strahlung. Wir haben keinen Plan, was es sein könnte, auf dem Radar ist nichts angezeigt worden." "Wenn du über den Jordan bist, lotse ich dich zum Ziel. Ich kenne mich hier aus, bin hier aufgewachsen" meinte Melchior nach der Lageeinweisung.

"Was denkt ihr, hat das was mit Denen zu tun?" "Ist Wasser nass?" "Haltet den Rand!" unterbrach der Starschina seine beiden Untergebenen "Wie die kleinen Kinder! Seitdem unsere Forschungsstation auf HD 69830 Die entdeckt und die Weltraumbehörde darüber informiert hat, wissen wir, dass Sie uns zu Weihnachten 2377 besuchen kommen. Das haben schlaue Menschen aus Deren Geschwindigkeit berechnet. Warum die Station nicht mehr sendet, wissen wir auch nicht. Laut der Presse kann alles dafür verantwortlich sein, von einem technischen Defekt bis zur Vernichtung der Station durch was auch immer, bei einer Entfernung von 41 Lichtjahren kann man nicht so einfach mal eben vorbeischauen. Das ist immerhin unsere einzige Basis außerhalb unseres Sonnensystems, da kann man mit Problemen rechnen. Das Einzige, was wir wissen, ist, dass Die in den Erdorbit eingeschwenkt sind. Soweit ich weiß, sind alle Kontaktaufnahmen bisher gescheitert. Vielleicht ist das Leuchten deren Art, Hallo zu sagen. Fahren wir vorbei und lassen uns überraschen. Vor allem sollten wir erstmal aufpassen, dass wir den ganzen durchgeknallten Endzeitfanatikern, Religiösen Spinnern, Ufologen und so weiter aus dem Weg gehen." "Du meinst fahren" "Immer nen schlechten Scherz auf den Lippen, was Jadin?" "Eh Melchi, wir sind über den Fluss gefahren, wie geht's weiter?" Dank der Frage des Fahrers entspannte sich die Kabbelei, aber die Anspannung der Crew blieb spürbar.

Nach ein paar Minuten sahen sie hinter einem Berg ein mehrfarbiges Leuchten. "Was ist das?" "Keine Ahnung! So was habe ich noch nie gesehen!" "Laut den Sensoren ist das Zeug schwach Radioaktiv, aber nicht gefährlich, zumindest wenn man nicht gerade Urlaub drin macht. Da hinten brennt ein verdammt großes Gebiet, fahr mal dorthin." Unteroffizier Giap löste seinen Blick von dem illuminierten Bergland und fuhr die drei Kilometer bis zu dem Leuchten, das sich als Großfeuer herausstellte, nachdem das Fahrzeug den Bergrücken überquerte. "Man, hier sieht's aus wie bei nem Flugzeugabsturz. Ich frage mich, wieso das Feuer so bunt ist." "Sie scheinen Recht zu haben, Uffz" stimmte der Kommandant seinem Fahrer zu. "Ich empfange zwei Peilsignale, sie klingen wie menschliche", mischte sich der Funker in das Gespräch seiner Vorgesetzten ein. "Das erste Signal kommt aus Richtung 280 Grad in knapp 500 Meter Entfernung, Das Zweite liegt bei 68 Grad, 1,5 km weit weg. Und das bunte Feuer entsteht vermutlich, weil hier Metalle verbrennen. Habt ihr nie im Chemieunterricht Natrium in den Bunsenbrenner gehalten und euch über die gelbe Flamme gefreut? Das da draußen brennt laut Sensoren mit über 2100 Grad." "Giap fahren sie zum Signal 1". Nach etwa 2 Minuten war der war man im Bereich vom Signal, Meißner blickte durch die Optik der Kommandantenkuppel des Fahrzeugs und sah die Quelle des Peilsenders, eine abgesprengte Pilotenkanzel. Nachdem die Besatzung ihre Schutzanzüge angelegt hatte, sprang er aus dem Fahrzeug, gefolgt von seinem Fahrer um den Insassen der Pilotenkanzel zu finden und medizinisch zu versorgen, während Jadin einen ersten Statusbericht an das Oberkommando übermittelte. Noch bevor der Bericht abgeschlossen war, kamen Caspar und Balthasar zurück und fügten dem Bericht noch ein Detail hinzu: Der Pilot war tot. "Wir fahren zum zweiten Peilsender, es wird der Flugschreiber sein." befahl der Anführer.

Nach einer fünfminütigen Fahrt erreichte das Fahrzeug das zweite Peilsignal. Diesmal sprangen alle drei aus dem Fahrzeug und nach kurzem Suchen fanden sie den Peilsender des Flugschreibers unter einigen ausgebrannten Flugzeugtrümmern. Mittels Feuerlöscher aus dem Fahrzeug kühlten sie die immer noch heißen Trümmer und den Schreiber ab und transportierten den Flugschreiber zu ihrem BRDM.

Während Meißner und Giap den Schreiber an den Bordcomputer anschlossen, stellte Jadin eine Funkverbindung zum Hauptquartier her. Neben den Flugdaten fand die Besatzung auch ein persönliches Video des Piloten. Während die Daten übertragen wurden, spielte die Besatzung des Camels auch die letzten Worte des Piloten ab. Was die Crew hörte, sorgte bei ihr, trotz der Hitze, für eine Gänsehaut:

"Ich bin Capitano Isa bin Jusuf. Meine Mission ist gescheitert. Ich sitze hier in einem abstürzenden Bomber und sehe die Erde immer schneller auf mich zurasen. Der Bremsfallschirm für die Pilotenkapsel öffnet sich nicht, ich werde also zusammen mit den Resten meines Bombers auf der Erde einschlagen. Ich möchte aber vorher noch ein paar letzte Worte sagen. Ich wurde erwählt, die Menschheit vor dem Untergang zu erretten. Als die Aliens gleich nach ihrer Ankunft unsere Kolonie zerstörten, wurden diese als die größte Bedrohung eingestuft. Der Bevölkerung wollte man aus Angst vor Panik nichts sagen und speiste sie mit Lügen ab. Gleichzeitig entwickelte man mit Hochdruck ein Waffensystem um Sie aufzuhalten, den Erretter. Der Erretter war ein weltraumtauglicher Hightechbomber mit einem superschnellen, schwer zu ortenden Antrieb, Antimateriebomben und neuester Stealthtechnologie. Und ich wurde seit meiner frühesten Kindheit auf diese Mission vorbereitet. Meine Bomben detonierten an ihrem Schild und die einzige Wirkung war, dass die Druckwelle den Erretter beschädigte. Niemand weiß, warum Sie uns auslöschen wollen. Ich konnte sie nicht daran hindern. Ich bin gescheitert. Menschen, ich hatte euch lieb..."
Plötzlich brach die Aufzeichnung ab.

Während die Drei noch auf den Bildschirm starrten, spürten sie ein leichte vibrieren im Boden. Erschreckt blickten sie auf und sahen Explosionsblitze am Horizont, die sich schnell näherten. Obwohl sie kein Wort miteinander sprachen, wussten sie alle sofort "Jetzt ist alles vorbei. Es gibt keine Rettung."

Beitrag wurde am 25. Dezember 2007, 11:00 Uhr editiert.




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Geschichte 6

Transzendenz


Elementare Ereignisse brennen sich in das Gedächtnis des Universums ein. Elementare Ereignisse wie die Geburt eines Sterns, der Untergang einer Welt oder einfach die Geburt eines Messias. Wir denken wir sind nur ein Sandkorn in einer Wüste, die sich Galaxie nennt? Wir haben Recht, und liegen doch so falsch.
Doch der Mensch brauchte weit über 2000 Jahre um die Weite seines Seins zu erkennen, sein Potential auszuschöpfen und zu erreichen was verlangt wird um über den Rand des Suppentellers hinwegzusehen.
Wir sind jetzt die erste Generation, die einen gesamten Zyklus durchlaufen hat. Wir sind die Sendboten und die Nachricht. Wir sind alles und nichts. Wir sind transzendent.

Wenn ich sage ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, werdet ihr sagen ich lüge. Doch tausend Jahre sind ein Tag, ein Menschenleben in euren Maßstäben ein Wimpernschlag und die Gesetze von Raum und Zeit eine Sache, an die die Körper gebunden sind.
Jedoch wir, die neue Generation, wir sind anders. Wir sind körperlos. Wir reisen von A nach B wie es uns beliebt. Heute erleben wir den Urknall, morgen schon dinieren wir im Restaurant am Ende der Galaxie und beobachten das Ende allen Seins. Da wir gerade von Restaurant sprechen. Douglas Adams war wohl ein Prophet, oder nicht von dieser Welt. Vielleicht wollte er die Menschen warnen, oder einfach nur seine Erinnerungen in Worte fassen um die Bilder nicht zu vergessen, was zur Folge hätte dass die Veröffentlichung wohl unbeabsichtigt war.
Wie dem auch sei, es geht hier nicht um unsere Macht, denn sie ist für eure begrenzte Vorstellungskraft unfassbar. Ich will nicht behaupten dass niemand es verstehen würde, aber die Chance jetzt schon einen latenten Transzendenten zu finden ist gleich Null.
Wichtiger ist über ein Ereignis zu sprechen, das für euch immer ein besonderer Tag war. Der Tag der Geburt des Messias. Über die Jahrhunderte zu einem materialistischen Fest namens Weihnachten verkommen.
Weihnachten. Eine Wortzusammensetzung aus geweihte Nacht. Eine Nacht mit wichtigen Ereignissen, die sich in einem Gebiet zugetragen haben, das knapp 2000 Jahre später beinahe zum Auslöser des Untergangs wird.
Das Jahr 2034 wird aber so oder so ein schicksalsträchtiges Jahr sein. Für mich Geschichte, für euch Zukunft. Für mich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wie es mir beliebt.
Beneidet ihr mich? Darüber kann ich lachen.
Denn ich sah wie es kam, und ich sage euch es war enttäuschend. Die Wahrheit hier zu erzählen wäre zu schwerwiegend. Von dem Schatten der aufzog zu berichten kaum in Worte zu fassen.
Aber ich verliere den Faden, den Anschluss und vergesse woran ich selber gedacht habe. Wenn die Einflüsse des Nichts und der Ewigkeit gleichzeitig auf dich einwirken kann das verwirrend sein. Das müsst ihr mich glauben.

Also zurück, zum Jahr 2377. Es ist Weihnachten, welch Zufall oder vielleicht doch Planung dass dieses große Ereignis genau auf diesen Tag gefallen ist.
Das Jahr 0 der Zeitrechnung. Der Messias erscheint auf der Welt. Der Tag seiner Geburt wird zu einem Fest der Freude und der Besinnung, doch dann wir es Stück für Stück angepasst bis es zum Fest des Materialismus wird. Im Jahr 2034 der Zeitrechnung benutzen Cyberterroristen auf Grund einer Prophezeiung, die eher eine Erzählung der Angst eines einfachen Menschen entspricht, mit dem Titel "Wake me up before September Begins" das Medium Internet um die zum Großteil voll vernetzte Bevölkerung der Industriestaaten anzugreifen. Dadurch werden knapp zwei Drittel dieser Menschen getötet. Die Welt versinkt im Chaos und das eigentlich fröhliche Fest Weihnachten wird zu einem Mahnmal und zu einem Zeichen des Umbruchs.
Wie heute, 2377. Oder ist es heute, gestern, morgen? Weihnachten 2377. Die Trennung des Menschen von seinem Körper. Die erste Generation neuer Götter.

Unseren Maßstäben nach sind wir nun Götter. Vor allem wenn wir durch die Galaxie reisen und primitivere Welten nach unseren Vorstellungen formen.
Für diese Wesen, so abstrakt sie auch euch in meiner fernen Vergangenheit wirken mögen, sind wir schlimmstenfalls nur Engel. Meistens sind wir die Götter, die vom Himmel steigen und einen Teil unseres Glanzes auf sie abgeben um sie zu erleuchten.
Wir sind auch nicht die ersten, die diese Stufe des Seins erreichen. Das erinnert mich natürlich an die menschlichen Legenden von Göttern, die durch die Mythologie der Ägypter, Griechen, Perser, Azteken, Inka, Maya und vieler anderen Zivilisationen bis in eure und unsere Zeit überdauerten.
Unsere Technologie mag für sie wie Magie wirken, und wenn sich einer von uns entscheidet eines dieser Wesen zu beseelen mag dieses Individuum wie ein göttliches Wesen oder ein Dämon auf seine Mitmenschen wirken.
Ich spreche immer von Menschen, dabei sind wir doch so anders von dem was ihr jetzt seid. Ihr seid so zerbrechlich und so auf euch selber fixiert das ihr das Ausmaß eurer potenziellen Macht einfach nicht erfassen könnt. Für uns vegetiert ihr eueres ganzen Lebens hin um dann zu Sterben. Erst im letzten Moment hat der eine oder andere die Erleuchtung und verflucht seine Verfehlung.
Jedoch sollen sie sich nicht sorgen. Denn auch sie werden bestehen, in den Erinnerungen von uns, die wir jetzt im Stande sind ihr Sein, was mit der Seele vergleichbar ist, einzusammeln und zu konservieren für die Ewigkeit.
Deswegen bin ich nun auch wach. Denn wieder einmal gibt es Daten zu verwerten.

So an die Arbeit. Zu viel für einen alleine, deswegen werde ich wohl noch ein paar wecken müssen. Selbst wenn sie am anderen Ende der Galaxie sein sollten.
Aber als göttliches Wesen hat man eben auch Verpflichtungen, und die Erhaltung einer verdammten Welt gehört wohl dazu. So stellen wir sicher dass von dieser Welt, die bald von ihrer Sonne verschlungen werden wird, wenigstens die Dichter, Freigeister und Denker erhalten bleiben. Eben alles, was erhaltenswert ist.




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25.12.2007, 11:03

 
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Das Wort "Vegetarier" kommt aus dem indianischen und heißt "zu blöd zum Jagen"!!

25.12.2007, 17:52

 
Guinan
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26.12.2007, 00:18

 
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2. Geschichte 4

3. Geschichte 1

(gab doch 3 stimmen oder??)




26.12.2007, 10:36

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