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Abstimmungsthread für das Kurzgeschichten-Event
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Liebe Community-Mitglieder!

Für das aktuelle Kurzgeschichten-Event wurden 6 Geschichten eingereicht.

Die Geschichten werden anonymisiert in den folgenden Posts für 3 Wochen zur Wahl stehen. Bitte die Teilnahmebedingungen für die Abstimmung gut durchlesen und eure Wahl anschließend an die letzte Geschichte in diesem Thread posten.

Teilnahmebedingungen

- Jeder User hat 3 Stimmen
- Die Reihenfolge der Stimmen spielt eine Rolle, d.h. die erstgenannte Geschichte erhält 3 Punkte, die als zweites genannte 2 Punkte und die als letztes genannte 1 Punkt.
- Die Abstimmung muss in einem einzigen Post erfolgen, mehrere Posts sind nicht zulässig. Ein Editieren der Posts/Stimmabgaben ist nur bis zu einer Stunde nach Erstellen des Ursprungs-Posts zulässig. Posts, die später editiert werden, werden -um Manipulationsmöglichkeiten zu minimieren- bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Also vor der Stimmabgabe nachdenken.
- Jeder User darf seine Abstimmungsentscheidung begründen, muss es aber nicht.
- Die Teilnehmer am Event dürfen selbstverständlich auch abstimmen.
- Die Abstimmung beginnt ab sofort und endet am 25.07.2009 um 23:59 Uhr. Posts, die später eintreffen, werden nicht berücksichtigt.

Zusätzliche Punkte durch Kritiken:
Wer zu den Geschichten Kritiken schreibt, erhält zusätzlich 250 EPs. Bedingung: mindestens 5 aussagekräftige Sätze! Bei sehr ausführlichen Kritiken entscheiden die Admins, ob der User ggf. noch mehr EPs bekommt.


Bitte in diesem Thread der Übersicht wegen NUR abstimmen. Diskussionen und Fragen bitte hier.

Nun viel Spass beim Lesen und ein "Dankeschön" an die Schreiberlinge!

Beitrag wurde am 4. Juli 2009, 13:41 Uhr editiert.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

04.7.2009, 12:48

 
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Geschichte 1

Jean-Luc Picard stand gerade auf einem Planeten und scannte eine seltsam aussehende Pflanze. Worf stand direkt hinter ihm und schnaubte böse. "Was ist denn los Worf?"
"Sehen Sie Captain diese Tiere dort drüben scheinen ein ausgeprägtes Paarungsritual zu haben und sich durch unsere Anwesenheit nicht im geringsten stören zu lassen".
Picard drehte den Kopf und sah ein Rudel kleiner flauschiger Pelzkugeln die sich zu balgen schienen. "Tja das sind eben die Frühlingsgefühle, aber wo ist eigentlich Nummer 1?"
Beide sahen sich um, konnten Will Riker aber nirgends sehen. Picard tippte seinen Kommunikator an: "Nummer 1 wo sind sie?" Als Antwort ertönte jedoch nur ein Rauschen. "Captain an die Enterprise, Mr Data, können sie Mr Riker lokalisieren?" "Einen Moment Captain" tönte es von der anderen Seite der Leitung. "Nein Captain, ich kann keine Biosignale empfangen." "Aber er kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben!" schrie Picard entrüstet.
"Nein Captain, es ist physikalisch nicht möglich dass sich ein Mensch..."
"DATA! Dies war eine Redensart!"
Worf schnaubte nur herablassend aufgrund Datas.
"Mr Data, warum können Sie keine Biozeichen empfangen? Ist ein Störungsfeld der Grund?" fragte Worf.
"Es ist mehr ein blinder Fleck. Er erstreckt sich in einem Umkreis von 2 km. Sie gelangen zu dem Rand des blinden Flecks wenn Sie ca 800km östlich gehen" Data hatte wieder seinen gewohnt sachlichen Ton angeschlagen.
"Gut Mr Data wir werden uns nun auf die Suche nach Mr Riker machen. Kontaktieren Sie uns kurz bevor wir in den blinden Fleck gelangen. Picard Ende"
Picard und Worf machten sich auf den Weg zu der genannten Position.
Sie waren noch nicht weit vorgedrungen als Worf plötzlich in eine Schlinge trat und in die Höhe gerissen wurde. Picard drehte sich blitzschnell um. "Captain, holen Sie mich hier runter" schrie ein baumelnder und um sich schlagender Worf.
"Einen Moment, bleiben Sie ruhig" Der Captain sah sich um, konnte jedoch nicht sehen wo das Halteseil hinführte. Während er den Boden absuchte tippte ihm jemand auf die Schulter. Picard drehte sich um und sah direkt in den Lauf einer antik aussehenden Handfeuerwaffe. Piraten! schoss es ihm durch den Kopf. "Wer sind Sie? Und was wollen Sie?" "Sie haben Illegalerweise unser Land betreten. Wie viele seid ihr? Einen von Euch konnten wir schon fangen."
"Wir sind nur 3. und wir wollten auch nicht ihr Landrecht verletzen. Als wir diesen Planeten scannten konnten wir keine humanoiden Lebensformen ausmachen."
"Tja, wir sind nun mal da. Also los mitkommen!" Der Fremde schwenkerte seine Waffe vor Picards Nase.
"Captain ein fremdes Raumschiff ist aufgetaucht. Wir werden mit Photonentorpedos beschossen!" tönte es aus dem Kommunikator Picards. Der Fremde schaute erstaunt aufgrund der Stimme die aus dem Nichts zu kommen schien.
Im selben Moment brach Will Riker aus dem Unterholz gefolgt von mehreren der Fremden.
"Data beamen sie uns drei hoch!"
Alle drei lösten sich in schimmerndem Licht auf und fanden sich auf der Transporterplattform der Enterprise wieder. Worf viel sofort zu Boden nachdem er auf dem Kopf stehend ankam. Riker rannte direkt nach dem materialisieren weiter und stolperte die Stufen, die zur Transporterplattform führten hinunter.
"Das war vielleicht ein Abendteuer!"
"Mr Data, sofort auf Warp gehen und aus diesem System springen!" rief der Captain in seinen Kommunikator.
"Ja Mr. Riker da stimme ich ihnen zu. Ich begebe mich nach 10 Vorne und genehmige mir erst mal einen Long Island Iced Tea" grummelte Worf, rappelte sich auf und ging zur Türe hinaus. Picard und Riker sahen im verdutzt hinterher.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

04.7.2009, 12:50

 
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Geschichte 2

In der Leere

Erzählen sie einfach. Ich höre zu.

Ich weiß nicht genau wann es anfing. Vielleicht vor zwei, vielleicht drei Monaten. Ich fuhr nach einer Abendvorlesung mit der Bahn nach Hause. Es war später Herbst, die Nacht war kalt und klar und das Laub bedeckte die vor den warm erleuchteten Häusern parkenden Autos. Vielleicht würde es diese Nacht erstmals frostig werden. Die Bahn war fast leer. Einige weitere verirrte Einzelgänger pendelten zurück. Vielleicht zurück zur Familie, mich erwartete meine Studentenbude in einem anonymen Hochhaus. Der Fahrstuhl war defekt. Nicht zum ersten Mal. Der Abend verlief ruhig, irgendwas werde ich gegessen haben, Nudeln, denke ich. Ein wenig im Internet surfen, etwas Fernsehen vor dem Einschlafen. Auf jeden Fall erwachte ich inmitten der Nacht. Ungewöhnlich, denn normalerweise schlafe ich durch. Ich richtete mich auf und lauschte einige Sekunden. Stille. Es gab keinen ersichtlichen Grund, kein Geräusch, das mich geweckt hatte. Und ich schlief auch unmittelbar wieder ein.
Ich weiß noch wie ich am nächsten Tag Bella_90 davon erzählte. Ich kenne sie nicht persönlich, wir chatten nur oft.
"Ganz schön unheimlich", hatte Bella kommentiert.
"ja ;)", schrieb ich zurück, "mich hat es überrascht wie still es hier nachts ist."
"wie viele leute wohnen denn dort?", schrieb sie.
"keine ahnung" Ich stand auf und holte mir meinen Tee. Aus dem Fenster leuchtete der Halbmond fröhlich herein. Als ich zurückkam stand da:
"muss off. hab morgen früh Vorlesung... n8"
Ich starrte eine Weile gedankenlos auf ihren ausgegrauten Edward Avatar. Der warme Tee in meinen Händen erinnerte mich daran, wie kühl sich mein Zimmer anfühlte. Ich prüfte die Heizung.

Am nächsten morgen war es eisig kalt. Vielleicht würde es bald schon schneien. An der Uni angekommen erinnerten mich die Piraten-Plakate an die anstehende Demo, bei welcher ich meine Anwesenheit meinen Kommilitonen zugesagt hatte. Es würde erneut spät werden heute...
Und genau auf jener Demonstration, sah ich sie zum ersten Mal. Ihre blonden Haare strahlten aus der lauten Masse der schwarz gekleideten Piraten.
"Pirat oder Mitläufer?", sprach ich sie an. Auf einer Demo ist es wahrlich kein Problem ins Gespräch zu kommen. Sie grinste.
"Weder noch."
Ich musterte sie beiläufig. Auf ihrem Plakat stand "Stasi 2.0".
"Und was bewegt dich hier her?", fragte sie mich schmunzelnd nach einem Blick auf mein ambivalenten Jack Sparrow Plakat.
"Ich bin mit den Organisatoren befreundet."
Wir unterhielten uns kurz. Nicht lang genug um Namen auszutauschen.

An der Haustür verharrte ich. Es regnete leicht. Der Name auf der benachbarten Klingel war einem weißen Zettel gewichen. Bei einem Haus dieser Größe und Anzahl an Wohnungen geschah das statistisch betrachtet alle zwei Wochen. Mein Zimmer fand ich wohlig warm vor. Der Rechner bootete während ich mich meiner Schuhe, Jacke und Tasche entledigte.
"Hi", grüßte ich Bella.
"noch wach?"
"Ja. Muss noch was rechnen.. :( ", kam prompt die Antwort.
Wir unterhielten uns eine Weile über die aktuelle Battlestar Galactica Folge, warum Jean-Luc Picard der einzig wahre Captain ist und ob ein Photonentorpedo die stärkere Waffe sei, verglichen mit den Laserkanonen aus Star Wars.
Als ich in der Nacht erneut erwachte, spürte ich gerade noch, wie sich etwas an meinem Fuß bewegt hatte. Ruckartig richtete ich mich auf und blickte in das halbdunkle Zimmer. Aus einer Nachbarwohnung, ich konnte nicht sagen ob es ein Stockwerk unter oder über mir war, erklang ein dumpfes Hämmern. Drei, vier Mal. Danach war Ruhe. Ich knipste das Licht an und blickte mich um. Meine Decke lag fast auf dem Boden, ansonsten schien alles vertraut. Ich gönnte mir ein Schluck Wasser.

Die nächsten Tage an der Uni wurden von Zufällen bestimmt. Helen, so hieß die blonde Studentin von der Demo. Ich traf sie zufällig in der Kantine, sah sie einmal quer über den Campus eilen, bemerkte sie in der Bibliothek, und hörte schließlich wie jemand ihren Namen rief.

"Bella, online?", schrieb ich eines späten Abends im Chat. An jenem Samstag Abend schien sie nicht am PC zu sein. Ich wusste, dass sie in einer WG wohnte, vielleicht fand gerade eine Party statt und ihr PC lief um Musik abzuspielen. Ich rief einen Freund an und traf mich mit ihm und anderen Leuten, die ich größtenteils nur oberflächlich kannte auf einen Cocktail in der Stadt. Schon nach dem ersten Long Island Iced Tea beschloss ich auf Alkoholfreies umzusteigen. Als ich mit der Straßenbahn zurück fuhr war es bereits weit nach drei Uhr in der Nacht. Das Treppenhaus war beleuchtet und mir kamen einige lachenden Stimmen entgegen. Ich grüße knapp, als wir uns beim zweiten OG trafen. Sie nickten mir freundlich zu. Wenige Stufen vor dem 4. OG ging das Licht aus. Ich blieb stehen um mich kurz an die Dunkelheit zu gewöhnen und während ich den flimmernden Lichtschalter erspähte, ging einige Stockwerke über mir die Tür zum Treppenhaus auf. Ich bereitete mich auf das anspringende Licht vor und schloss kurz meine Augen, doch die Helligkeit setzte nicht ein. Ich hörte entfernte Stimmen, vielleicht der siebte oder achte Stockwerk. Nach wie vor hatte ich mich nicht bewegt und verharrte ruhig und lauschte. Da ich bereits im dunklen Treppenhaus war, bevor die von Oben hinzugekommen waren, wollte ich auch nicht auf mich aufmerksam machen. Wie würde man sich fühlen, wenn man in einen dunklen Raum eintritt und jemand ist bereits dort? Ich wollte gewiss nicht als Spinner eingestuft werden! Schon seltsam, wenn man die Augen schließt, glaubt man besser hören zu können. Ich fischte aus den dumpf widerhallende Worte so etwas wie "Wo ist der Lichtschalter?", "Mach doch an" und "...nicht witzig" bei gleichzeitigem Gelächter. Ich vermutete dass es weiter oben eine größere Party gegeben hatte und die Gäste nach und nach am gehen waren. Unter mir erklang ein schlürfendes Geräusch. Ich öffnete die Augen, nach wie vor hatten die Gäste oben den Lichtschalter nicht gefunden. Und da, erneut! Eindeutig ein schlürfendes Geräusch, das dort einfach nicht hingehörte. Ich eilte so leise wie möglich die fehlenden Stufen hinauf und schlug auf den Schalter.
"Endlich, wurde auch Zeit!", rief eine weibliche Stimme von oben. Ich achtete nicht mehr drauf sondern konzentrierte mich auf eventuelle Geräusche die von unten kamen...
Als ich mein Appartement erreichte verschloss ich zum ersten mal die Tür von innen.

Ich erzählte am nächsten Abend Bella von der unheimlichen Begegnung, übertrieb dabei ein wenig. Vielleicht wollte ich mir selbst nicht eingestehen tatsächlich Angst gehabt zu haben. Bella fand das amüsant. Ich fand heraus, dass Helen und ich eine gemeinsame Bekannte hatten. Die neue Freundin eines Freundes. Ich nahm mir vor die nächste Einladung zu einer Party nicht wieder auszuschlagen in der Hoffnung Helen dort zu treffen. Es dauerte keine drei Wochen bis eine solche per Mail ankam.

"soso. ;)", schrieb Bella. Ich hatte mir die Zeit bis zur Party mit chatten vertrieben.
"jaja :D", antwortete ich grinsend.
"Frühlingsgefühle im Herbst..."
"..wie bei Twilight ;)" tippten wir zeitgleich. Smilies folgten.
"Ok, ich gehe mal off, will nachher auch auf eine Party. Muss mal den Freund meiner Freundin unter die Lupe nehmen."
"ack. Viel Spaß!"
"u2", verabschiedete sie sich.

Vor der Tür zögerte ich einige Sekunden und lauschte der dumpfen, entfernten Musik. Ich betätigte die Klingel mehrfach bis jemand ohne nachzufragen den Öffnungsmechanismus betätigte. Stimmen und Musik wurden lauter und vermischten sich zu einem undefinierten Wirrwarr.
"Hey! Schön das du kommen konntest!", wurde ich sogleich begrüßt.
"Getränke findest du im Bad, Knabbersachen und Salate in der Küche." Ich überreichte kommentarlos mein Gastgeschenk – eine Flasche Sekt. In der Badewanne schwammen etikettlose Flaschen inmitten einer Unmenge halb aufgetautem Eis. Ich weiß nicht mehr was ich mir herausfischte, aber es schmeckte widerlich. Schnell kam ich mit einigen Bekannten ins Gespräch und einige Zeit später entdeckte ich Helen in der Nähe.

In jener Nacht schlief ich unruhig. Genau so wie in der darauf folgenden. Ich glaube es lag an irgendwelchen Geräuschen, die ich jetzt nicht mehr definieren kann. Helen traf ich noch zwei mal bevor...

"Sieht ganz danach aus...", schrieb Bella im Chat. Auch sie hatte kürzlich eine interessante und nette Bekanntschaft gemacht.
„Ich glaube ich leg mich jetzt hin. Bin in letzter Zeit viel zu müde...“
"tu das. Ich bin morgen off – werd mich mit meinem dad treffen, falls er nicht mal wieder absagt."
Ich kannte nur wenige Details aus Bellas Familienleben. Nur gelegentlich erwähnte sie ihren leiblichen Vater, bei dem sie offensichtlich nicht wohnte und ihre Aussagen ließen auf eine Beziehung der komplizierteren Art schließen. Ich fragte auch nicht nach.
Ich las eine Weile in meiner Finanzzeitschrift und schlief schließlich unruhig ein. Als ich die Augen öffnete war es stockdunkel und mitten in der Nacht. Bläulich unscharf leuchteten die LEDs an meinem Wecker. Entweder Zwei oder Drei Uhr irgendwas. In dem Moment als ich die Augen kniff und mich auf das Lesen der Uhrzeit konzentrierte, spürte ich es. Jemand war im Raum. Hinter mir. Und starrte mich an. Ich wusste es so sicher, wie man weiß, unter Wasser nicht zu atmen oder beim Niesen die Augen zu schließen. Es war da. Und mein Herz schlug heftig und laut. Ich hielt den Atem an, Sekunden vergingen nur leider wich dieses Gefühl nicht. Ruckartig sprang ich aus dem Bett raus, stürzte zum Lichtschalter und knipste es an. Natürlich war nichts zu sehen. Ich ging ins Bad, die Leuchtröhre surrte und flackerte und im Spiegel blickte ich nur an mir vorbei und prüfte den Raum. Ich fragte mich wie ich reagieren würde wenn ich ein Schatten hinter dem Duschvorhang erblicken würde. Kaltes Wasser über das Handgelenk beruhigte mich irgendwie. Ein heftiger Knall ließ mich aufschrecken, irgendwo außerhalb der Wohnung schlug Metall auf Metall. Es klang, als würde eine Leiter gegen den Boden fallen. Nur immer und immer wieder. Ich hörte aus den Nachbarwohnungen Geräusche, jeder schien nun wach zu sein. Einige Türen gingen wohl auf. Das kalte Wasser floss unberührt weiter. Mich packte der Mut, ich stieg in meine Hausschuhe, griff nach den Wohnungsschlüssel und riss die Tür auf. Das Licht brannte im Gang und das laute Schlagen und Klacken kam eindeutig von irgendwo hier draußen. Die Türen der Nachbarwohnungen waren weit geöffnet, nur stand niemand an der Schwelle. Ich blickte jeweils kurz hinein als ich an den offenen Türen in Richtung des Lärms vorbei lief. Vermutlich waren die Anderen schon dort. Als das Licht sich Dank der Automatik ausschaltete wurde es abrupt still. Nur aus den ganzen Wohnungen entlang des Korridors leuchtete grelles Licht.
"Hallo?", rief ich, eilte zur nächsten Wohnung und blickte hinein.
"Hallo, jemand da?"
Keine Antwort. Ich weiß nicht was mich dazu bewegte, aber ich betrat eine Wohnung, blickte mich um. Das Bett war frisch gemacht. Das Badezimmer staubfrei und sauber. Die Handtücher unbenutzt. Ich lief in die kleine Küche. Der Kühlschrank brummte sanft jedoch komplett leer. Langsam lief ich einige Schritte zurück, eilte ins Schlafzimmer, das Bett war unberührt, ich riss die Schubladen auf, öffnete den Schrank: leer. Das gleiche Spiel in der nächsten Wohnung. Und als ich schwer atmend mein Zimmer wieder betrat, stürzten zwei Gestalten auf mich zu. Sie trugen weiß. An mehr erinnere ich mich nicht.

Und wie erklären sie sich das?
Wie ich ihrem Vorgänger bereits sagte...
Kollegen, bitte.
Ja, wie ich ihrem Kollegen sagte: Ich habe seit einigen Tagen eine neue Erinnerung. Zumindest erscheint sie mir im Traum. Ich glaube ich verstehe das so langsam und es geht mir immer besser. Und bald kann ich sicher nach Hause.
Erzählen sie mir von diesem Traum.
Es ist eher eine Erinnerung, kein Traum, eine Erinnerung die langsam wieder ans Tageslicht kommt: Es klopfte an der Tür. In der Nacht. Ich weiß dass ich von einer Party zurück kam. Ich erschrecke zuerst, mache aber die Tür auf. Vor mir stehen zwei Polizisten und bitten um Zutritt. Wir setzen uns, sie fragen mich wo ich den Abend verbracht und ob ich getrunken hätte. Und dann wie ich nach Hause gekommen bin.
"Mit der Straßenbahn, wie immer", erkläre ich.
Sie fragen mich nach meinem Ausweis. In meinem Geldbeutel finden sie einen Fahrzeugschein. Dann nicken sie sich gegenseitig zu. Während einer mit dem Fahrzeugschein und dem Ausweis verschwindet, erklärt mir der Andere, dass mir vorgeworfen wird angetrunken Auto gefahren zu sein und dabei eine Radfahrerin angefahren zu haben. Die Radfahrerin lag nun in der Intensivstation. Ich glaube ihnen nicht.
Es ist nur ein Traum.
Nein, das kann nicht nur ein Traum sein.
Was geschah mit der Radfahrerin?
Sie erlag ihren Verletzungen. Das wurde mir vor der Verhandlung mitgeteilt.
Und die Vorkommnisse in ihrem Wohnhaus?
Das ist eine falsche Erinnerung. Weil mein Unterbewusstsein mir verheimlichen will, dass ich sie angefahren habe. Dass ich sie getötet habe. Ich weiß nicht genau was sie bedeuten. Ich bin nicht der Psychologe. Ich weiß nicht was die Geräusche im Treppenhaus oder diese verdammten leeren Wohnungen ...
Bitte beruhigen sie sich. Dafür sind wir doch hier.
Ich weiß. Es ist nur. Ich kann es einfach nicht glauben dass ich sie getötet habe. Helen.
Sagt nicht ihr Traum es sei ein Unfall gewesen?
Unfall oder nicht. Ich habe Helen getötet. Da bin ich mir sicher!
Wir sollten eine kurze Pause einlegen. Treffen wir uns in einer Stunde wieder.

Als Dr. Turner sein Büro betrat, klingelte bereits sein Telefon.
"Ich hatte mir gedacht, dass du gleich anrufst.", sagte er prompt und lies sich auf sein Drehstuhl fallen. "Wirklich ein schwieriger Fall. Aber was deine Bitte angeht. Ja, ich übernehme den Patienten." Dr. Turner schenkte sich ein Glas Wasser ein und nahm einen kräftigen Schluck.
"Er hat übrigens den Angriff auf dich in seine Erinnerungen mit eingebaut. Sein Umherirren in der Station und das Durchwühlen der Patientenzimmer mit eingeschlossen. Ich glaube sogar, dass er durch das Belauschen unsres neulichen Gesprächs den Namen..."
Das Handy in der Schublade vibrierte.
"Ich rufe dich gleich zurück."
Er atmete seufzend aus und starrte auf das Display.
"Hallo Schatz!"
"Hallo Dad, ich wollte fragen..."
"Ja, hörzu Liebling, ich habe einen neuen Fall und müsste heute Abend dringend die Akten durcharbeiten..."
"Natürlich. Verstehe ich. Es ist nur... in letzter Zeit hören die Leute einfach auf sich bei mir zu melden..."
"Sag so etwas nicht Liebling. Du weißt das stimmt nicht. Wir holen es morgen nach, versprochen! Und an deinem neunzehnten Geburtstag werde ich..."
Sein Blick blieb auf dem obersten Blatt der Patientenakte haften. Er hatte dieses Detail des Polizeiberichtes nur kurz überflogen gehabt.
"Bitte meine es ernst. Es wäre mir wichtig uns morgen zu sehen.", erklang aus dem Lautsprecher. Dr. Turner hörte es nicht. Er griff nach dem Dokument.
"Daddy? Hallo?"
"Ja Helen-Liebling...", sagte er abgelenkt.
Er las:
"... täglicher IRC Kontakt mit bella_90 [am IRC Server authentifizierte Email-adresse: bella_90@famile-turner-homepage.de] ...".




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04.7.2009, 13:03

 
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Geschichte 3

Der ganz normale Wahnsinn

Es war einer dieser üblichen Arbeitstage, die eigentlich nicht anstrengend sind, aber sich wie Kaugummi in der Hitze ziehen. Linda hatte noch eine Geschäftsbesprechung, die der Chef aber zum Glück in ein Cafe verlegt hatte, wo wenn schon nicht die Hitze, so wenigstens die Atmosphäre weniger drückend war.
Nun saßen sie zu dritt um eine Schüssel Salat und überlegten, welches Problem sie zuerst nicht lösen sollten, während jeder insgeheim angestrengt versuchte, überhaupt beim Thema zu bleiben. Komisch, man hatte so viele Probleme der Menschen seit dem 21. Jahrhundert gelöst, aber die Fehlerquelle Mensch war um kein Stück verbessert worden. Linda seufzte und hob den Blick von der Salatschüssel, um einen sinnvollen Beitrag von sich zu geben. Als sie jedoch sah, dass niemand ihren guten Willen bemerkt hatte, ließ sie den Blick wieder abschweifen, und sah aus dem Panoramafenster, das die Sonnenterrasse aus Holz und das direkt anschließende Ufer des unendlichen Ozeans überblickte.
Vorsonnen betrachtete sie einen Schatten, der sich über das Wasser näherte, kurz eine weiße Mauer streifte, wieder ins Wasser sprang und schließlich die Terrasse erreichte. Er hatte die Form einer kleinen Lenkrakete, oder zumindest ähnelte er etwas, das sich ein Laie unter einer kleinen Lenkrakete vorstellen würde. Schließlich war sie nicht militärisch ausgebildet und auch sonst nicht sonderlich an Waffen interessiert. Während Lindas Gedanken sich beinahe überschlugen, brauchte der schläfrige Körper einige Sekunden, bis das Adrenalin einen ausreichenden Grad an Wachheit hervorgerufen hatte, dann jedoch setzte das "antrainierte Verhalten für den Fall eines terroristischen Ereignisses" ein. Während Linda mit einem lauten Warnruf den Tisch umfegte und ihre Freunde im Fallen mit sich zu Boden riss, fragte sie sich ironisch, warum es eigentlich niemand bisher merkwürdig gefunden hatte, dass eine Welt so viel Wert auf ständiges Training legte, in der es bekanntermaßen keinen Terrorismus gab und in der aus einer einst weltbeherrschenden Nation ein kleinlautes Schäfchen geworden war.
Im nächsten Moment gab es einen überraschend moderaten Knall als das Ding einschlug, und ein paar vereinzelte Trümmer krachten hörbar auf den Boden. Zwei Sekunden lang herrschte erschrockene Stille, dann brach allgemeine Panik aus. Linda zählte kurz in Gedanken ihre Gliedmaßen durch, dann schlug sie die Augen auf und sah sich um: Der Raum war voller hysterischer Menschen, die aber alle kaum verletzt zu sein schienen. Gut - auch wenn deren Training wohl nicht so gut funktioniert hatte, Panik gehörte nämlich nicht zum Programm. Auf der rechten Seite, von ihr aus gesehen, fehlte das Dach und ein Stück der Seitenwand, Trümmer lagen über den Boden und die wenigen noch stehenden Tische verteilt. Sie erhob sich vorsichtig, dankbar sich bei der Bestandsaufnahme nicht verzählt zu haben, und grub ihre Tischkollegen aus, die zum Glück auch unverletzt aussahen. Von links näherte sich Taro, ein eigentlich nur zwei Flure entfernter Kollege, den sie vor zwei Monaten bei einem Seminar über Forschung und Fortschritt kennen gelernt hatte. Das Thema verhieß großspurig "Wie Jean-Luc Picard und Kathryn Janeway die neue Forschungsära beschritten", der Stoff selbst war jedoch derartig langweilig gewesen, dass sie sich angeregt über unterrichtsfremde Dinge unterhalten und so die meiste Zeit zusammen verbracht hatten. Leider hatten sie sonst nichts miteinander zu tun, und sich seither auch nicht mehr gesehen - aber hier stand er nun und erkundigte sich mit augenscheinlich aufrichtigem Interesse nach ihrem Wohlbefinden. Um nicht dämlich stotternd dazustehen und sich mit einem augenscheinlich gelogenen "Mir geht's prima - und dir?" zu begnügen, lächelte Linda ihn strahlend an und sagte mit unbekümmerter Miene "Wie gut, dass es nur eine Sonde und kein Photonentorpedo war - sonst müsste man hier wohl nicht mehr viel aufräumen!" Sie biss sich auf die Lippe, denn normalerweise neigte sie nicht zu so taktlosen Sprüchen. Zum Glück nahm er es mit einem Grinsen und ansonsten kommentarlos hin. Wie gut, dass die Genmanipulation nach 200 Jahren endlich verboten war - der Humor war in dieser Zeit nämlich großflächig verloren gegangen. Mit einem leisen Seufzen klopfte sie sich den Staub ab, schielte noch einmal verstohlen um sich und nahm dann ihren Platz in der Notaufstellung zur Bestandsaufnahme ein.
Von draußen vernahmen sie schon sich schnell näherndes Sirenengeheul und in kürzester Zeit war das kleine Cafe voller Sanitäter und wichtig aussehender Militärs. Linda und ihre Freunde wurden registriert, als unverletzt befunden, bekamen eine Spritze (gegen den Schock, wie ihnen der freundliche junge Helfer versicherte) und wurden nach draußen geleitet. Taro stand wie selbstverständlich noch an Lindas Seite und blickte ein wenig besorgt drein, nachdem sie dreimal behauptet hatte, die Blässe wäre angeboren und es ginge ihr gut. Auch Sabine, die andere Kollegin, hatte einen gewissen Teil ihrer resoluten Art eingebüßt und schwankte ein wenig, weshalb ihr Chef ihr anbot, sie nach Hause zu bringen. Als fürsorglicher junger Mann wollte er natürlich auch Linda nicht alleine gehen lassen, und stellte Taro für diese Aufgabe ab, der ihm zwar gar nicht unterstellt war, aber darüber auch nicht allzu unglücklich wirkte.
An Lindas Haustür angelangt wollte sie eigentlich noch einen unpassenden Kommentar über das Tagesgeschehen abgeben, aber alles was sie noch zustande brachte, war ein herzhaftes Gähnen. Da hatte sie den Mann ihrer Träume schon vor ihrer Haustür stehen und statt "Gute Nacht" konnte sie ihm nur noch ins Gesicht gähnen. Sie warf ihm noch einen letzten Blick zu, dann verschwand sie in der Wohnung und fiel nach einer flüchtigen Katzenwäsche wie ein Stein ins Bett. Eingeschlafen war sie irgendwo auf dem Weg dorthin schon.

Als der Wecker klingelte, erwachte Linda mit einem ausgiebigen Gähnen und der lebhaften Erinnerung an einen ziemlich verworrenen Traum. Mit einem letzten ergebenen Blick auf die Uhrzeit tappte sie ins Bad und versuchte, die Bilder aus ihrem Bewusstsein zu schütteln, die sich immer noch beharrlich weigerten, den Weg aller Träume zu nehmen, nämlich den des Vergessenwerdens. Außerdem vertrug sich die heftige Bewegung gar nicht gut mit dem jämmerlichen Kater in ihrem Kopf - wo konnte der nur herkommen, sie war sich keiner besonderen Ausschweifungen bewusst. Sie schüttelte verwirrt den Kopf, was dieser ihr natürlich übel nahm und begann in ihrer Handtasche nach Aspirin zu kramen. Dabei fiel ihr das Kärtchen einer Bar in die Hände, außerdem eine Rechnung über drei Long Island Iced Teas. Na super, das erklärte schon mehr, aber auch das Wissen um einen augenscheinlich sehr ausgelassenen Abend machte den Kater nicht besser.
Mit einem letzten Blick auf die Uhr versuchte sie, so schnell und vorsichtig wie möglich die Wohnung zu verlassen. Auf dem Weg zur Arbeit kam sie an ihrem Lieblingscafe vorbei, dessen Sonnenterrasse einladend auf sie wartete. Während sie in Gedanken die Terrasse auf später vertröstete, legte sich vor ihrem inneren Auge ein Schatten wie von einer Staub- und Trümmerwolke über das Cafe, so dass sie erschrocken blinzelte. "Das geht nun wirklich zu weit!", schalt sie erbost mit sich selbst. Im Allgemeinen war sie sonst immer so stolz auf ihren Realitätssinn und die nüchterne Intelligenz, die sich durch nichts beeinflussen ließ, wie konnte sich nur dieser dämliche Traum immer wieder in den Vordergrund drängen? So schnell würde sie sicherlich keinen Alkohol mehr anrühren. Ein Wunder, dass das Teufelszeug nicht schon längst verboten war, die Wissenschaft hatte doch mittlerweile eine Unmenge an ungefährlichen Drogen hervorgebracht.
Mit Mühe brachte sie den Arbeitstag ohne größere Katastrophen hinter sich, war aber froh, als sie endlich ihr Büro verlassen konnte. Sie eilte zum Ausgang und sah dort zu allem Überfluss auch noch diesen Kollegen stehen, von dem sie letzte Nacht geträumt hatte - merkwürdig genug, sie hatte ihn doch Monate nicht mehr gesehen! In dieser schnelllebigen Zeit reichte schon eine Woche, um aufkeimende Frühlingsgefühle schnellstens wieder verdorren zu lassen und den erhofften Traumprinzen als Frosch einzustufen, geschweige denn mehrere Monate. Mit einem flüchtigen "Hallo" wollte sie sich unauffällig an ihm vorbeidrücken und so schnell wie möglich aus dem Haus und in ihr Bett verschwinden, doch ein seltsamer Blick von ihm ließ sie stehen bleiben und sich fragen, ob schon wieder irgendwelche lächerlichen Gerüchte über sie in Umlauf waren. So wie der Tag angefangen hatte (oder so wie die Nacht geendet haben musste?), würde es sie nicht einmal übermäßig verwundern. Doch auch Taro schien sich seiner Sache nicht ganz sicher zu sein, und merkwürdig schüchtern fragte er "Wie geht es dir?" und ließ dabei sein übliches Selbstbewusstsein fast gänzlich vermissen. Irritiert antwortete Linda: "Ganz gut, zumindest hab ich länger keine Gebäude mehr in die Luft gejagt", fragte sich im selben Moment, woher sie diese dümmste aller Antworten genommen hatte, und erntete auch schon den erwarteten verwirrten Blick. Sie beglückwünschte sich innerlich, stürmte hinaus und knallte frustriert die Tür hinter sich zu. Als die gerade das Treppenhaus verließ, hörte sie ihren Namen, und Taro kam ihr nachgelaufen. "Wir waren nicht zufällig gestern Abend zusammen irgendetwas feiern oder?" fragte er. Während Linda noch die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten abwägte, ergriff er ihren Arm und zeigte auf eine winzige rote Stelle, die man ohne Lupe eigentlich gar nicht erkennen konnte. "Ablenkungsmanöver" erklärte er flüsternd, was in Linda unangenehme deja-vus an Uniformen wachrief. Eine Welt in perfektem Frieden hatte keinen Platz für Alpträume. Es gab keine Terroristen, Piraten oder Flugzeugentführer mehr - na gut, es gab auch keine Schiffe und Flugzeuge mehr, aber das war es nicht, das sie beunruhigte. "Was meinst du, ob es in nächster Zeit noch einmal das gleiche Cafe trifft? Sonst würde ich dich nämlich gerne zum Abendessen einladen" meinte er mit einem verschwörerischen Grinsen und hielt ihr die Tür auf, ihr Einverständnis einfach vorausgesetzt. Was sollte sie auch tun, er hatte ihren Arm ja nie losgelassen und ihr die Chance zum Flüchten gegeben. Also hakte sie sich bei ihm unter und lächelte nachdenklich. Die Welt würde für sie nie wieder die gleiche sein, aber sie hatte wenigstens ihren Traumprinzen bekommen - das machte die Zukunft gleich weniger bedrohlich.




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Geschichte 4

Von Türen, Schirmen und Getränkeautomaten

Es sind die Erfindungen, die große Zivilisationen von einfachen Lebewesen unterscheiden. Erfindungen erleichtern das Leben und sind ausschlaggebend dafür, dass eine Spezies zu der dominantesten auf ihrem Planeten aufsteigt. Sie bieten Raum für viele neue Möglichkeiten und sorgen dafür, dass große Zivilisationen entstehen. Am Ende diese Erfindungen steht die Flucht von dem eigenen Planeten, was wiederum die Möglichkeit bietet, seine Erfindungen mit denen anderen Zivilisationen zu teilen, die ebenfalls schon diese Stufe erreicht haben. Der Erfindungsprozess galt lange Zeit, als die einzigste wirkliche Konstante im bekannten Universum, bis man eines Tages in den dunklen Weiten des Weltalls auf eine blau-grüne Kugel stieß, auf der der gegenteilige Prozess abzulaufen schien. Mit jeder neuen Erfindung kehrten die Bewohner, welche lange Zeit Klingeltöne für Mobiltelefone als die herausragendeste Erfindung hielten, weiter zu der geistigen Entwicklungsstufe ihrer auf Bäumen lebenden Vorfahren zurück und die rasende Geschwindigkeit ihrer Erfindungen legt die Vermutung nahe, dass sie diesen Punkt in der nahen Zukunft erreichen und sogar überschreiten werden.

Zu den wichtigsten Erfindungen dieser Zivilisation zählten nicht etwa medizinische Tricorder, Transporter oder Photonentorpedos, sondern vielmehr die ratgebenden Türen, die mittlerweile aus dem Leben der Menschen nicht mehr wegzudenken sind. Sie beratschlagen ihn je nach Anlass in Kleidungsfragen, erinnern ihn beim Verlassen des Hauses an vergessene Gegenstände oder geben ihm sonstige nützliche Hinweise, um ihm einen angenehmen Alltag zu bereiten. Kurzum sorgen sie sich um das Wohl des Menschen und wenn sie mal nichts sagen weiß man sofort, dass einem an diesem Tag nichts schlechtes passieren kann. Allerdings hätte es diese bedeutende Erfindung fast nie gegeben, da die Firma, die diese Türen produzierte fast an ihrem Vorgängerprodukt, den sprechenden Schirmen, pleite gegangen wäre. Eigentlich waren diese Schirme eine geniale Erfindung, da sie direkt mit den Wetterstation kommunizierten und so ihrem Besitzer mitteilen konnten, dass es noch regnen könnte und er ihn besser mitnehmen sollte, um nicht nass zu werden. Aus damals noch nicht bekannten Gründen scheiterte dieses Produkt auf dem Markt kläglich. Um die drohende Pleite abzuwenden, startete man letztendlich ein Umfrage, welche die Ursache zu Tage fördern sollte. Auf diese Weise wurde nur sehr deutlich, dass sich die Menschen von ihren Schirmen gar nichts sagen lassen wollten, jedoch sehr positiv auf Türen regierten, die ihnen Ratschläge gaben, wie sie sich außerhalb ihrer vier Wände zu verhalten hätten, da sie den Eindruck erweckten, sich um das Wohlergehen des Menschen zu sorgen, was sich wie bereits erwähnt, als voller Erfolg herausstellte. Der Stachel bei den Herstellern saß jedoch tief und so ließen sie es sich nehmen, dass die Türen insgeheim einige Anweisungen von den Schirmen erhielten, die sie dann wiederum als gutgemeinter Ratschlag an die Menschen weitergaben.

Auf Platz zwei der wichtigsten Erfindungen folgten die in die Zukunft schauenden Getränkeautomaten, die die Produktivität am Arbeitsplatz erheblich steigerte. Forschungen ergaben nämlich, dass den Arbeitnehmern jährlich eine beträchtliche Zahl an Zeitstunden verloren ging, in denen sie der Maschine einfach nur beim Ausschenken zusahen oder sich minutenlang nicht für das richtige Getränk entscheiden konnten.

Dass diese wirklich tollen Erfindungen nicht immer zum Vorteil für die hiesige Bevölkerung sind, zeigt das Beispiel Samuel Bent. Bent war Software-Entwickler in einem Unternehmen, das sich mit der Verbesserung und Weiterentwicklung der rhetorischen Fähigkeiten von sprechenden Türen widmete. Die Geschichte spielte sich in einer Zeit ab, ungefähr zweihundert Jahre danach, als ein Mann erschossen wurde, nur weil er allen von seinen Träumen erzählte, in denen alle Menschen die gleichen Rechte hatten und lieb zu einander waren. Es war an einem gewöhnlichen Dienstagmorgen, als Bent den Entschluss fasste, seine morgendliche Müdigkeit mit einem leckeren schwarzen Kaffee zu vertreiben. Er hatte die Hälfte des Weges bereits zurückgelegt, als er am Ende des Ganges das Einsetzen des Getränkeautomaten hörte, der seine Wahl bereits vorrausgesehen hatte und just gerade in dem Moment mit der Zubereitung des Getränkes fertig sein würde, wenn Bent den Automaten erreichte.
"Ihr gewünschtes Getränk, Mr. Bent", begrüßte ihn der Automat mit einer sehr melodischen Stimme.
"Äh, das ist Wasser.", gab Bent ein wenig verwundert zurück. "Das wollte ich nicht."
"Doch das wollten Sie.", gab ihm der Automat kurz zurück.
"Nein, ich wollte eine schönen schwarzen heißen Kaffee"
"Ich bin mir ziemlich sicher, dass keinen Kaffee wollten."
"Was? Woher willst Du wissen, dass keinen Kaffee wollte"
"Weil Sie damit jemanden verletzen und es Sie eventuell ihren Job kosten könnte."
"Was? Wie soll ich denn mit Kaffee jemanden verletzen?", fragte sich Bent verwundert. "Nein, ich will keine Erklärung von Dir. Dann nehme ich eben mein Wasser und verschwinde von hier."
"Sehen Sie, ich wusste doch, dass Sie sich für das Wasser entscheiden würden."
Verärgert nahm Bent seinen Becher Wasser aus dem Automaten und wollte sich gerade umdrehen, als er mit einem großen dicken Mann zusammenstieß, der niemand anderes als sein Boss war. Das gesamte Wasser in seinem Becher ergoss sich dabei auf dessen Anzug und in dessen Gesicht, das wie Bent fand, eine sehr starke Ähnlichkeit mit einem Charakter namens Jean-Luc Picard aus seiner Lieblingsserie Star Trek aufwies.
"Verdammt nochmals! Können Sie nicht aufpassen?", schrie er Bent an.
"Oh, das mir leid. Das war keine Absicht, aber der Automat ..."
"Sie können verdammt nochmals froh darüber sein, dass sich in ihrem Becher nur Wasser befunden hatte. Ich muss nämlich in fünf Minuten bei einem wichtigen Meeting sein und wenn ich da mit einem ruinierten Anzug aufgetaucht wäre, hätten wir uns diesen Auftrag gleich abschminken können.", hielt er Bent weiterhin seine Standpauke "Und was das für Sie geheißen hätte, können Sie sich wohl denken?"
Ohne eine Antwort von Bent abzuwarten machten sich sein Boss wieder auf weg, während er weiterhin einige unverständliche Dinge vor sich hermurmelte, die sicherlich alles andere als Lob für Bents erbrachte Leistungen an seinem Arbeitsplatz enthielten.

"Sehen Sie, ich wusste doch, dass Sie das Wasser wollten", meldete sich der Getränkeautomat nach einer kurzen Pause wieder zu Wort.
"Jetzt reicht’s langsam. Ich wollte einfach nur Kaffee haben und außerdem, wenn Du mich nicht solange aufgehalten hättest, wäre es nie zu diesem Zusammenstoß gekommen."
"Aber Mr. Bent. Ich habe Sie nicht aufgehalten. Sie hätten ja ihr Getränk nehmen und gehen können, aber stattdessen wollten sie scheinbar noch ein wenig Konservation mit mir betreiben."
"Mit Dir Konservation betreiben? Das wird ja immer schöner. Und wieso rede ich überhaupt mit Dir? Los, jetzt mach mir aber mal meinen Kaffee!"
"Wie Sie wünschen, Mr. Bent", antwortete ihm Automat. Ein frischer Becher fiel in die Getränkausgabe und das vertaute Summen, dass der Automat mit der Zubereitung beschäftigt war, erklang. Schon nach wenigen Sekunden kamen bei Samuel Bent die ersten leichten Zweifel auf, ob er auch diesesmal seinen Kaffee erhalten würde. Dies lag nicht nur allein daran, dass der Becher mit einer grünen Flüssigkeit gefüllt wurde, sondern vielmehr daran, dass er sich an keinen Kaffee erinnern konnte, der einen leicht fruchtigen Duft hinterließ.
"Was soll denn das schon wieder sein? Das ist kein Kaffee", schrie Bent den Automaten an.
"Richtig Mr. Bent. Das ist ein Long Island Iced Tea."
"Einen Long Island Iced Tea? Ich habe Dir doch gesagt, dass ich Kaffee will. Wieso bekomme ich jetzt einen verdammten Long Island Iced Tea?"
"Der Long Island Iced Tea ist nicht für Sie, sondern für die junge Dame, die hier gleich erscheinen wird."
"Welche junge Dame?"
"Die junge Dame, an der Sie so großes Interesse zeigen und die die Frühlingsgefühle in ihnen erweckt hat."
Gerade in diesem Moment bog eine junge Dame in den Flur ein und kam geradewegs auf den Automaten und Bent zugelaufen. Sie hatte langes blondes Haar, trug eine eng anliegende Bluse, die sich an ihre weiblichen Rundungen schmiegte und einen solch kurzen Rock, dass er von vielen Menschen leicht mit einem Gürtel verwechselt wurde.
"Wie kommst Du darauf, dass ich an der Interesse zeigen sollte? Das ist die Sekretärin des Chefs. Ich will nichts von ihr."
"Ihr offener Mund, die geweiteten Pupillen und diese neuerliche Ausbeulung ihrer Hose sagen mir aber etwas anderes."
"Was?!", schrie Bent entsetzt und schaute an die besagte Stelle herunter. "Das ist nicht wahr."
"Doch, das ist es"
"Nein, das ist es nicht. Und jetzt sein still, oder soll etwa die ganze Abteilung erfahren, dass ... oh Hallo Janine."
"Hallo Sam", erwiderte ihm die junge Dame mit einem breiten Lächeln auf ihrem Gesicht. "Wieso stehst Du denn hier alleine am Getränkeautomaten rum?"
"Oh nichts weiter. Ich wollte mir bloß einen Kaffee holen. Aber dann habe ich gesehen, dass Du es eilig hast, weil Du unserem Chef zum Meeting folgendes musste und deshalb habe ich den Automaten gebeten, Dich vorzulassen", erwiderte er leicht stotternd in dem Versuch seine Nervosität zu unterdrücken, in die ihn der Getränkeautomat aufgrund seiner unbedachten Aussagen gebracht hatte. Vom Getränkeautomaten erklang just in diesem Moment ein seltsames Geräusch, dass wenn man es nicht besser wüsste, dass Automaten eigentlich dazu gar nicht in der Lage wären, als ein verächtliches Schnauben deuten könnte.
"Das ist aber lieb von Dir Sam", antworte Janine und griff nach Becher. "Ich muss aber nun leider wieder los. Sonst komme ich noch zu spät und dann ist keiner da, der sie zur Vernunft bringt, wenn sie mal wieder wie Piraten übereinander herfallen. Wir sehen uns später."
Bent sah ihr noch kurze Zeit nach, bis um die nächste Ecke verschwunden war. So gleich meldete sich der Getränkeautomat wieder zurück und riss Bent von seinen Träumen in die Realität zurück.
"Lügner!"
"Was?"
"Sie haben die Dame angelogen."
"Wenn Du mich nicht in diese peinliche Situation gebracht hättest, hätte ich das nicht tun müssen."
"Ich habe sie in nicht in eine peinliche Situation gebracht. Ohne mich hätte man sie wahrscheinlich heute schon gefeuert und bei dieser Dame ist ihr Ansehen dank mir nun auch gestiegen."
"Ich hör wohl nicht recht. Hättest Du mir gleich meinen Kaffee gemacht, wäre das all hier erst gar nicht passiert ... und ... und wieso rede ich eigentlich mit so einer dämlichen Blechbüchse wie Dir? Jetzt tu endlich, wofür man Dich gebaut hat und mach mir endlich meinen verdammten Kaffee"
"Warum sind Sie so böse zu mir. Ich will Ihnen jetzt keinen Kaffee mehr machen"
"Was das ist ja unerhört"
"Und selbst wenn ich wollte, würde das nicht gehen."
"Wieso denn?"
"Weil ich gleich eine Fehlfunktion erhalten werde."
"Eine Fehlfunktion? Weißt Du was, ich besorg Dir Deine Fehlfunktion"
In großer Wut begab sich Bent zum nächsten Schirmständer. Ein dieser Schirme erkannte wohl dessen Absichten und forderte Bent dazu auf, ihn ruhig in seinem Ständer stehen zu lassen, zumal dieser ja nicht mal dessen Eigentum sei. Aber wie die Vergangenheit nur allzu oft bewiesen hatte, wollten die Menschen einfach keine Anweisungen von Schirmen annehmen und so schlug Bent mit dem Schirm auf den Getränkeautomaten ein, bis von beiden nur noch Schrottteile übrig waren.

Und so endete der Tag für Samuel Bent damit, dass er aufgrund mutwilliger Beschädigung von Firmeneigentum mit sofortiger Wirkung gefeuert wurde. Und wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, so wurde er von jedem Getränkeautomaten, den er auf dem Weg nach draußen passierte verhöhnt, in dem diese in Gedenken an ihren gefallenen Kameraden ihm einen leckeren, heißen und schwarzen Kaffee vor seinen Augen zubereiteten.
Als Bent die große Eingangstür seiner Firma erreicht hatte, hielt er nochmals kurz inne, drehte sich nochmals um und schaute wehmütig zurück. Er wurde jäh aus seinen Gedanken, als sich dir große Tür in seinem Rücken plötzlich zu Wort meldete und ihm einen gutgemeinten Hinweis gab, dass es in wenigen zu einem Wolkenbruch kommen würde und es für ihn doch besser sein, wenn er auf seinem Nachhauseweg einen Schirm mitnehmen würde. Da aber Bent bereits seinen firmeneigenen Schirm mitsamt des Getränkeautomaten zerstört hatte, stand er nun mit leeren Händen da und begab sich ungeschützt und alleine auf seinen Weg mitten in den größten Regenguss, den die Menschheit in den letzten Jahrzehnten gesehen hatte und das nur weil das "Vergnügungsfreundliche Wetterkontrollsystem für Feierlichkeiten" mit dem "System zur Förderung unterentwickelter Pflanzensamen" im Streit lag, der noch dazu von der Firma, welche die sprechenden Schirme herstellt, angeleitet wurde, nur damit diese ihren Ladenhüter vielleicht doch noch zu einer wichtigsten Erfindungen dieses Planeten machen konnten.




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04.7.2009, 13:30

 
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Geschichte 5

Long Island Iced Tea

"Gib mir das Hypospray!" Igon schwitzte. Seine Haut erschien gelblich. Er war nicht gesund. "Chibsi, bitte!" Chibsis schlanke Hand führte das Hypospray zu Igons Halsschlagader. Es gab ein leises Zischen. Dann beruhigte er sich. "Du hast die Hyronalyn-Dosierung gegenüber der empfohlenen wöchentlichen Höchstmenge um 84 Prozent überschritten." sagte Chibsi kühl. "Wird mich schon nicht umbringen", antwortete Igon.

Das Medikament wirkte schnell. Nach einigen Minuten sah Igon besser aus. Er sah Chipsi an. Sie saß auf einem simplen einfüßigen Hocker, beide Beine auf dem Boden, die Hände locker auf den Oberschenkeln, aufrecht, unbewegt, nur ihre Brust hob und senkte sich in sanftem Rhytmus. Sie trug eine Uniform der Sternenflotte. Schwarz, nur oben, an den Schultern und über der Brust, rot abgesetzt, darunter ein den Hals einschließendes, lilafarbenes Untershirt. Durch die Frontscheibe schaute sie in die Tiefen des Weltraums. "Du bist wirklich schön, Chibsi.", sagte Igon, während er sich in seinem Pilotensessel aufrichtete, und seine schwarze, lederne Montur in Form zog. Sie antwortete nicht. "Was muss ich tun, damit du mal diese Uniformjacke ausziehst", fragte Igon. Chibsi reagierte nicht. Igon wandte sich der Steuerkonsole zu. "Ach komm, Chibsi, bis wir Jura Prime erreichen dauert es noch vier Tage. Du willst doch nicht, das mir langweilig wird." Chibsi drehte den Kopf zu Igon. "Möchtest du ein Spiel spielen?", fragte sie. Igon machte eine abwinkende Handbewegung. "Ach, lass gut sein."

Aber bereits nach ein paar Minuten machte Igon weiter: "Komm schon, Chibsi, zeig doch mal was her. Dir kann es doch egal sein. Seit dem Landgang auf Uwesselenia II habe ich keine Frau mehr ohne Stoff gesehen. Ich bin einfach unheimlich heiß." "Ich kann dir leider nicht helfen", sagte Chibsi geduldig. Dann ertönte ein Pfeifen von der Konsole. "Eine Nachricht von Jura Prime", sagte Chibsi, "es ist Mr. Amic." Igon wandte sich einem kleinen Monitor zu, auf dem das Gesicht eines Mannes mitte dreißig erschien. Er trug eine Weste aus einem brokatähnlichen Stoff in grau und grün über einem schwarzbraun gestreiften, knopf- und kragenlosen Fleecehemd. Sein Gesicht wirkte ernst.

"Alec, na endlich. Wie sieht's aus?", sprudelte es aus Igon hervor. "Hi Igon. Wie geht es dir? Du sahst schon mal besser aus", antwortete der Mann auf dem Monitor. "Nur ein bisschen Weltraumfieber und ein paar Frühlingsgefühle. Kein Grund zur Besorgnis. Aber nun komm mal zur Sache: wie sieht's aus?" Alec Amics Blicke wanderten. Er begann, mit dem Daumen seiner rechten Faust von der Seite an seiner Unterlippe zu zupfen. Dann ließ er die Hand sinken und antwortete. "Die Auswertungen Deines Scanner-Reports sind noch nicht ganz abgeschlossen...", sagte er, und Igon fiel ihm ins Wort: "Noch nicht ganz abgeschlossen? Ihr habt den Scan seit zwei Wochen - noch nicht abgeschlossen? Verdammt, Alec, wenn ich nicht weiß, was ich für das Zeug kriege, warum soll ich dann überhaupt zu Euch kommen?" Amic arbeitete wieder mit der Rechten Hand in seinem Gesicht, rieb sich das Kinn und zog mit Daumen und Zeigefinger in einer knetenden Bewegung seine Wangen nach unten. "Igon, hör mir bitte genau zu! Der Scan, den du mir geschickt hast, gehört nicht zu einem Photonentorpedo."

Igon beugte sich vor, näher zum Monitor. "Ok, was habe ich dann?", fragte er unter nickenden Bewegungen. Amics Gesicht im Monitor wurde größer. "Igon - wir wissen es nicht. Der Scan zeigt mehr als fünfzig verschiedene Elemente. Wahrscheinlich ist es eine Art... Höllenmaschine." Igon sank in seinen Sessel zurück. Er ließ auch die Hände sinken und den Blick nach oben gleiten, wo er ohne Ziel verharrte, und auch nicht zum Monitor zurückkehrte, als Amic, dessen Gesicht den Monitor jetzt fast ausfüllte, weitersprach: "Igon, ich habe ein ganz ungutes Gefühl bei der Sache. Diese - Torpedos - sind nichts, was man mal eben von Bord irgendwelcher Piraten beamt. Das ist eine Technologie jenseits Deiner Vorstellungskraft. Igon!" Igon sah zum Bildschirm zurück. Sein Gesicht war jetzt verklärt von einem milden, glückseligen Lächeln. "Technologie jenseits meiner Vorstellungskraft" flüsterte er. Dann beugte er sich plötzlich wieder nach vorne und sprach knapp: "Sag mir Bescheid, wenn ihr mehr wisst. Und sag mir einen Preis - wer weiß, wie groß der Markt für die Dinger ist. Bis später!" Noch einmal hörte man Alec Amic Igons Namen über die Kommverbindung rufen, dann verschwand sein Gesicht und wich einem technischen Display.



Egon erwachte, als Chibsi ihm mit der Hand über die schweißbedeckte Stirn strich. Er blinzelte, dann schloss er die Augen wieder. "So was machst du also auch", sagte er leise. "Begrenzter körperlicher Kontakt ist Teil des Aufgabengebietes einer guten Krankenschwester", antwortete Chibsi, und drehte sich zurück zum Arzneifach. "Wie lange habe ich geschlafen?", fragte Igon mit heiserer Stimme. Als er versuchte, sich in seinem Sessel aufzurichten, wurde er von einem Hustenanfall gepackt. Chibsi drehte sich wieder zu ihm, und reichte ihm mit der linken Hand ein Tuch, während sie ihm mit der rechten eine weitere Dosis Hyronalyn verabreichte. Igon wischte sich das Blut von den Lippen, dann gab er Chibsi das Tuch zurück. "Danke!" Chibsi ließ das Tuch und das leere Hypospray verschwinden und nahm wieder ihre aufrecht sitzende, nach vorn gewandte Haltung ein. "Höchstens vierzehn Stunden. Bei einer zu erwartenden Entwicklung aufgrund des bisherigen Krankheitsverlauf, bei Beibehaltung der momentanen Dosierung an Hyronalyn, wirst du innerhalb der nächsten Woche mit 46% Wahrscheinlichkeit ein vollständiges Nierenversagen erleiden", erklärte Chibsi. "Danke, Chibsi. Du bist immer so mitfühlend." Igons Stimme schwankte. Einen Augenblick saßen beide schweigend.

"Captain Jean-Luc Picard von der Erde hat mit anfang zwanzig ein künstliches Herz bekommen. Warum sollte ich mir nicht eine neue Niere verpassen lassen?", sagte Igon dann beiläufig. "Du hast nicht genug Geld dafür", antwortete Chibsi ebenso. Igon sah Chibsi mit schmalen Augen an. "Was willst du damit sagen?" "Der geschätzte Gegenwert der Implantation einer künstlichen Niere auf Jura Prime, im Zeitraum der kommenden Woche, übersteigt Deine Ressourcen um den Faktor 35.2, mit einer Abweichung von plusminus 17.9, bei Annahme des hinterlegten Normalitätsrahmens für regionale Wert- und Technologieentwicklungen." Chibsis Antwort klang wie einstudiert. "Dafür hasse ich Dich", murmelte Igon. Ein Pfeifen ertönte. "Eine Nachricht von Jura Prime", sagte Chibsi, "es ist Mr. Amic." "Wollen mal sehen, wie sich meine Ressourcen entwickeln", spuckte Igon Chibsi mit erhobenem Kinn entgegen, dann drehte er sich zum Monitor. "Ja?"

"Hallo Igon." Amic stockte. "Bei allen Propheten - du siehst fürchterlich aus. Das letzte Mal sahst du schon schlecht aus. Was ist mit dir los?" Igon sackte zusammen. "Ich hab mir in diesem verfluchten Nebel ’ne Strahlenvergiftung eingefangen, aber das wird schon wieder. Wie steht es mit dem Geschäft?" Für einen Augenblick weiteten sich Amics Augen, dann verschloss sich sein Gesicht, und seine Augenbrauen zogen sich zusammen. "Igon, wir wissen immer noch zu wenig. Norn sagt mir keinen Preis, bevor nicht klar ist, was die Dinger machen. Du musst mir sagen, wo du sie her hast. Bitte, Igon. Das ist wichtig. Und was ist das für eine Geschichte? Du hast eine Strahlenvergiftung? Igon, verdammt, was machst du noch in dem Sessel? Du gehörst in Stasis, und zwar sofort." Igon legte den Kopf auf die Seite. "Den Teufel werd ich tun. Mit so einer Ladung im Frachtraum leg ich mich ganz bestimmt nicht schlafen." Plötzlich rutschte Igon dicht an den Monitor heran, schaute Alec direkt in die Augen und sagte scharf: "Alec, versuch nicht, mich reinzulegen. Du weißt mehr, als du mir sagst. Komm, raus damit: was habt ihr herausgefunden?" Amic wich zurück. Sein Blick schweifte ab, erst nach rechts unten, dann nach rechts, dann halblinks, dann kam er am unteren Rand des Monitors zu liegen. Igon bekam einen heiseren Hustenanfall, mit dem er Amics Blick wieder auf sich zog. "Ok, Igon", sagte Amic, "Du sagst mir, was ich wissen muss, und ich sag dir alles, was ich weiß." "Gib mir was zu trinken, Chibsi", befahl Igon.

Chibsi gab Igon ein schlankes Trinkgefäß, und Igon nahm einen Schluck, bevor er sich in seinem Sessel zurücklehnte. "Also gut. Vor siebzehn Tagen kreiste ich im Fabermundi-Cluster, als ich einen Frachter mit Föderationskennung ausmachte, der mir interessant vorkam. Du weißt ja, ich hab einen Riecher für so was. Er flog zu einem der bewohnten Monde, wo er Ladung aufnahm. Als er wieder los flog, bin ich auf Tauchstation gegangen und hab mich an ihn rangemacht. Es war gar nicht so leicht. Er hatte sogar ein Extra-Kraftfeld um die Ladung. Ach, was soll ich dir meinen Job erklären. Jedenfalls, ehe die was gemerkt hatten, hatte ich das ganze Zeug schon im Laderaum und war weg. So, jetzt du."

"Und seit zwei Wochen fliegst du jetzt mit dem Zeug durch den Weltraum?", fragte Amic. Igon nahm einen Schluck, eher er antwortete: "Nicht ganz. Nach drei Tagen tauchten zwei Cardassianer auf, die mich hob nehmen wollten. Die haben mir ganz schön was auf den Pelz gebraten. Haben meine Achtern-Schilde zerschossen. Die hätten mich fast gekriegt, wenn ich nicht in den Nebel geflogen wäre. Dann hab ich zehn Tage lang verstecken gespielt, bis ich sicher war, dass sie weg waren." "Verdammt, Igon", sagte Amic kopfschüttelnd, "zwei Cardassianer, sagst du? Wieso zwei? Das war bestimmt kein Zufall." Amic rückte näher an seinen Monitor und sprach nun in leiserem Tonfall. "Unsere Ingenieure vermuten, dass das, was in deinem Frachtraum liegt, und als dreizehn eindrucksvolle Photonentorpedos der Sternenflotte daherkommt, in Wirklichkeit ein Satz katalytischer Atmosphärenbomben ist." Igon schnitt Amic den Satz ab. "Was ist so was wert?" Amic schaute sich um, dann wandte er sich wider Igon zu. "Igon, die sind einen Dreck wert. Wenn es wirklich solche Bomben sind, dann zerstören sie die Biosphäre eines ganz bestimmten Planeten, für den sie gemacht wurden. Dann hast du eine Massenvernichtungswaffe an Bord."

Igons Züge erschlafften. Sein Blick wurde weit. Er reichte das Glas blind in Chibsis Richtung, und sank dann in seinem Sessel zusammen. "Igon, ich muss jetzt Schluss machen. Ich melde mich wieder bei dir. Vielleicht können wir dir ein Schiff entgegenschicken. Halt durch!" Nach diesen Worten verschwand Amic vom Monitor. "Ist gut", sagte Igon.

Dann verbarg er sein Gesicht in seinen Händen.



"Wir werden gerufen." Igon saß unbewegt in seinem Sessel. Seine Haut wirkte grau. Seine Augen waren geschlossen. "Igon, das fremde Schiff ruft uns." Chibsi drehte sich zu Igon um. "Willst du nicht antworten?" "Ja." Igon richtete sich schwerfällig auf, und aktivierte die Komm-Verbindung. "Hier spricht Igon Martyr, Captain der Nebula-Loki. Identifizieren sie sich!" Auf dem Monitor erschien ein schlanker Bajoraner mit schwarzem Haar und markantem Gesicht. "Guten Tag, Mr. Martyr. Mein Name ist Norn, von der Conquestor-Of-Dorvan. Wir sind uns noch nicht persönlich begegnet. Aber sie kennen meinen Kollegen, Mr. Amic. Er sagte mir, sie könnten Hilfe gebrauchen. Wenn sie Ihre Schilde senken, können wir sie und ihre gefährliche Ladung zu uns herüberbeamen." "Der Preis?", antwortete Igon schwach. "Wir werden ihnen gerne eine Aufwandsentschädigung leisten. Sie haben da möglicherweise eine drohende Katastrophe von unserem System abgewendet", sagte Norn mit unbewegten Augen und einem schmalen Lächeln um den Mund.

Igon unterbrach die Verbindung. "Sofort tarnen, Chibsi!" brachte Igon hervor. Das Licht im Cockpit dämpfte sich. Im nächsten Moment wurde das Schiff unter lautem Donner von einer Erschütterung erfasst. Die Conquestor-Of-Dorvan hatte eine Garbe Torpedos abgefeuert, einer hatte die Nebula-Loki getroffen. "Front-Schilde bei sechzig Prozent. Achtern-Schilde außer Funktion.", ließ Chibsi verlauten. Igon war hellwach. "Ködersignatur aktivieren. Nach Verstecken scannen. Raus aus dem Warp." "Conquestor-Of-Dorvan ist auch unter Warp gegangen. Wir werden gerufen." "Verdammt, das ist nicht fair", fluchte Igon. "Sie feuern Photonentorpedos.", berichtete Chibsi leichthin. "Gib mir alles in die Steuerung, Chibsi!", hastete Igon. "Systeme bereit für Hochenergiewende", meldete Chibsi. Die Massenträgheit schleudert Igon zur Seite, dann presste sie ihn in den Sitz. Ein greller Blitz erleuchtete die Frontscheibe, und die Detonation erfasste das Schiff, als es von einem weiteren Torpedo getroffen wurde. Dichtungen rissen, Displays zerplatzten knallend. "Front-Schilde ausgefallen. Tarnung ist intakt. Strukurelle Integrität bei 70 Prozent. Energiereserven bei 15 Prozent" Chibsi hätte ebensogut ihre Einkaufsliste vorgelesen haben. Für den Bruchteil einer Sekunde herrschte dann Stille. Igon war wie erstarrt. Als er Chibsi sagen hörte: "Trümmertäuscher erfolgreich etabliert, Energiereserven bei 3 Prozent", schloss Igon die Augen. "Ich hoffe, dass sie darauf reinfallen", sagte er matt. "Setz bitte einen Kurs, halber Impuls, bis wir aus deren Sensorenreichweite sind." "Kurs gesetzt", sagte Chibsi, dann drehte sie sich zu Igon. Die rechte Seite seines Gesichts war zerschnitten von Hunderten kleiner Glassplitter, und er hing erschlafft in seinem Sitz. Chibsi begann, ihn zu behandeln.

"In der Pink Moon Bar auf U2 hatte ich einen Drink, den nannten sie Long Island Iced Tea. Er sah aus wie kalter Tee, aber nach ein paar davon hat’s mich fast umgehauen. Dann hab ich erfahren, was drin war. Ein Dutzend kleiner Schlucke Gift. Genau wie in meinen Torpedos." "Die Conquestor-Of-Dorvan ist gerade wieder auf Warp gegangen", sagte Chibsi, während sie einen besonders winzigen Splitter aus Igons Augenbraue zog.

"Ich glaube, das war gar nicht der Nebel", sagte Igon. "Ich verstehe Dich nicht", antwortete Chibsi. "Die Strahlung. Die Bomben strahlen vielleicht. Ist das möglich?" fragte Igon. "Bei dem Angriff durch die Cardassianer wurden unsere internen Sensoren beschädigt", sagte Chibsi. "Wir hatte keine Schilde. Im Nebel. Wir hätten sowieso nichts gemerkt", flüsterte Igon. "Mir geht es schlecht, Chibsi. Sind die Stasis-Kammern noch ok?" Chibsi drehte sich um und griff nach einem Hautregenerator. "Nein, Igon. Sie wurden beim letzten Angriff beschädigt." "Ich werde versuchen, zu schlafen. Geh auf Warp. Wenn wir Jura Prime erreicht haben, kannst du ihnen die Bomben geben. Ich bin so müde. Scan meine Biowerte, und wenn sie zu schlecht werden, dann musst du mich in Transporter-Suspension nach Jura Prime bringen. Wenn wir da sind, dann machst du mir einen schönen Long Island Iced Tea." Igon verlor langsam das Bewußtsein. "Ich muss noch viel lernen", hauchte er. Dann schlief er ein.

Einen halben Tag vor Jura Prima wurde die Nebula-Loki von einem fremden Schiff gerufen. "Hier spricht das Cybernetisch-holografische interaktive Bord-System-Interface der Nebula-Loki. Was wünschen sie?"

Beitrag wurde am 4. Juli 2009, 13:32 Uhr editiert.




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Geschichte 6

Das Ende

Guinan war gerade dabei den Aufenthaltsraum "10 Vorne" zu schließen als ein seltener Gast den Raum betrat und sich an einen Zweiertisch im hintersten Winkel des Lokals setzte. Sie war zwar seit zwölf Stunden auf den Beinen, doch bei diesem Gast machte sie immer eine Ausnahme. Aus einer edel geschwungenen, schmalhalsigen Flasche schenkte sie zwei rigelianische Brandy ein und ging dann gemächlich zum Gast - Admiral Jean-Luc Picard, Gast auf der USS Enterprise NCC-1901-E, seit 26 Monaten unter dem Kommando von Captain Data.
"Was treibt Sie zu dieser späten Stunde zu mir?" fragte Guinan und setzt sich ihrem Freund gegenüber auf den Sessel, der ihr einen beeindruckenden Blick auf den Weltraum gewährt.
"Ein Königreich für einen Photonentorpedo", antwortete der Admiral und musterte das Getränk.
"Keine Sorge, es ist nicht so giftig wie es aussieht. Doch es wärmt von innen. Sie sahen so aus als könnten sie es brauchen."
"Da liegen Sie gar nicht so falsch, Guinan. Sie sind eine Zauberin."
Guinan lachte. "Da muss ich sie enttäuschen, Admiral. Doch jahrelange Erfahrung in diesem Etablissement hat mein Auge so weit geschult dass ich erkenne was die Leute brauchen."
Die Enterprise sprang auf Warp und ein Ruck ging durch das Schiff, kaum spürbar, aber da.
"Darf ich fragen wohin wir fliegen?"
"Zur neutralen Zone. Anscheinend wollen die Klingonen die Schwäche der Romulaner ausnutzen und ihre alte Nemesis ausradieren. Eine Armada fliegt in Richtung des romulanischen Raums, und die Romulaner haben kaum etwas um dem entgegenzusetzen", antwortete Picard müde.
"Sie sagen das so gefühllos als ob..."
"Ich sage es genau so wie es Beverly mir erklärt hat", fiel Picard der Wirtin ins Wort und stürzte im nächsten Moment seinen Drink.
"Was gesagt hat?"
"Dass sie sich scheiden lässt."

Guinan stand wieder hinter dem Tresen und mischte neue Drinks. Dieses Mal noch etwas Stärkeres - einen Long Island Iced Tea, nach speziellem Familienrezept von Ensign Tucker.
Mit den beiden Getränken kehrte sie dann zu Picard zurück.
"Erzählen Sie mir was passiert ist."
"Da gibt es nicht viel zu sagen", antwortete Picard patzig.
"Dann war das wohl der Grund. Wenn es in der Liebe nicht viel zu sagen gibt, ist wohl alles verloren."
"Das Gefühl war einfach raus. Auf Risa ließen wir uns von unseren Frühlingsgefühlen übermannen und haben sofort geheiratet. Wir kannten uns schließlich lange genug."
"Und bei allem Respekt, Admiral, schon zu Zeiten als Sie noch Captain dieses Schiffs waren, konnte ich zwischen Ihnen beiden die Funken sehen."
"Mag sein. Auf jeden Fall, nachdem wir auf die Erde zurückgekehrt waren, wurden wir beide befördert. Ich, als Admiral, sollte auf der Erde verbleiben und in den Vorstand des Akademierates eintreten. Data hatte ja abgelehnt um das Kommando über die Enterprise zu erhalten." Picard machte eine Pause und nippte an seinem Cocktail, Guinan nickte und faltete dann ihre Hände auf dem Tisch. "Sprechen Sie weiter."
"Beverly erhielt das Kommando über die USS Pasteur. Ein neues Forschungsschiff, für Deep-Space-Missionen gedacht. Ihr erster Auftrag klang noch einigermaßen annehmbar, Testlauf des Antriebs durch einen Flug nach Vulkan bei maximaler Auslastung des Warpantriebs, Rückflug bei neuem Slipstreamantrieb."
"Das dürfte sich doch wohl kaum auf die Beziehung ausgewirkt haben", bemerkte Guinan.
"Doch, leider. Beverly war enttäuscht dass ich die Beförderung angenommen hatte und nicht auf die Spritztour mitkommen wollte. Sie sah darin wohl unsere zweiten Flitterwochen oder so ähnlich. Ich war durch meine Aufgaben jedoch verhindert und wollte meine neue Befehlsgewalt nicht sofort dazu missbrauchen um ein paar Tage auf der Pasteur zu verbringen. Bei ihrer Rückkehr sprachen wir nur kurz und trennten uns im Streit, weil ich mich erneut nicht von meiner Arbeit lösen konnte. Doch was soll ein Admiral bei einer 18 monatigen Erkundungsmission?"
"Dasselbe tun wie ein Captain, den ich einst gut kannte, auf dem Flaggschiff der Föderation getan hat?"
"Natürlich erweckte Beverlys Vorschlag den Forschergeist in mir. Ich konnte jedoch nicht einfach so für 18 Monate verschwinden. Geordi und Data waren ganz meiner Meinung, sie waren zufällig auf der Erde zu diesem Zeitpunkt."
"Nun, die beiden sind möglicherweise nicht die besten Berater in diesen Angelegenheiten. Geordi ist mit dem Warpantrieb verheiratet, und Data ist nun mal Data."
"Das tut nichts zur Sache. Beverly verschwand ohne ein weiteres Wort auf die Mission. Eineinhalb Jahre haben wir uns nicht gesehen, nicht einmal ein Wort hat sie verloren. Und bei ihrer Rückkehr tat sie dann so als wäre nichts passiert, als sei das Verhalten das Normalste im Universum.“
„Sie sollten sich selbst hören, Admiral. Sie suchen die Schuld immer nur bei Beverly. Sie waren aber wohl doch auch sehr starrköpfig."
"Ich bin Admiral", betonte Picard.
"Verstecken Sie sich nicht hinter dem Rang, Jean-Luc. Ich glaube eher Beverly hat Sie in der Zeit genauso vermisst wie Sie sie. Nur beide ward ihr zu stolz das zuzugeben."
"Ich hatte auf ihre Rückkehr gewartet und Urlaub vorbereitet. Aber kaum war die Pasteur überholt, meldete sie sich freiwillig auf eine dreijährige Forschungsmission. Ohne ein Wort zu sagen. Über Hyperraumfunk teilte sie mir dann mit dass sie wieder gestartet waren und nach einem Systemfehler am Rande des Breen-Raums trieben bis der Fehler behoben sei. Der Planet Paradies liegt dort ganz in er Nähe, und Beverly fragte ob wir uns dort treffen."
"Also wollte sie doch eine Aussöhnung", stellte Guinan fest.
"Das dachte ich auch und nahm das erste Schiff dorthin. Doch als ich ankam überschüttete sie mich nur mit Vorwürfen. Wieder trennten wir uns im Streit, und die Pasteur flog ohne ein weiteres Wort ab."
"Nun, Jean-Luc, ich kenne Sie. Deshalb wird Captain Crusher ihre Gründe dafür gehabt haben. Sie waren wohl beide so stur bis Beverly einer weiteren Konfrontation mit eisigem Schweigen ausweichen wollte."
"Deshalb teilt sie mir jetzt durch Hyperraumfunk mit dass sie sich scheiden lassen will?"
"Nun, ich kann nur zuhören und Ratschläge geben, Admiral. Doch von dem, was Sie hier gesagt haben, glaube ich dass es am besten so ist und sie beide erst wieder zusammenfinden wenn sie nur Freunde sind. Die Hochzeit auf Risa war wohl etwas übereilt."
Picard nahm den letzten Schluck von seinem Getränk. "Guinan, diese Gespräche haben wir auf der Erde sehr gefehlt."
Guinan lächelte. "Ich hoffe Sie wollen mich nicht gleich heiraten."
"Admiral Picard auf die Brücke", meldete sich Data über Intercom, "wir nähern uns der Piratenbasis. Die USS Sakharov und die USS Monroe sind bereits auf ihren Positionen."
"Ich komme sofort", antwortete Picard und stand auf.
"Was führt uns denn hier her?" fragte Guinan.
"Piraten haben in den letzten Monaten Schiffe aufgebracht, hauptsächlich im diesem Raumsektor. Die Romulaner haben alle Schiffe abgestellt um sich der klingonischen Armada zu stellen, sollte diese ihren Raum anfliegen."
Picard machte sich auf zu gehen.
"Jean-Luc, ist das das Ende?"
"Mit Beverly? Ja. Doch solange ich ein Raumschiff unter den Füßen habe ich das nicht das Ende von Jean-Luc Picard."




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

04.7.2009, 13:38

 
Fähnrich
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Meine Anerkennung allen Verfassern, die die Community in diesem Event mit den Blüten ihrer Begabung und ihres Fleißes beglückt haben! Grafik

Meine Favoriten:
Platz 1: Geschichte 4 ("Von Türen, Schirmen und Getränkeautomaten")
Platz 2: Geschichte 6 ("Das Ende")
Platz 3: Geschichte 3 ("Der ganz normale Wahnsinn")


Als Feedback gebe ich im folgenden meine Eindrücke zu den Werken wieder.
Die Wahl des Geschlechts bei unpersönlichen Ausdrücken ist aus dem Bauch heraus mal männlich und mal weiblich gewählt und sagt nichts über das tatsächliche Geschlecht des Autors oder der Autorin aus, denn die sind mir i. A. nicht bekannt.


Zu Geschichte 1:
Eine TNG-Mini-Episode, bei der das Außenteam auf Piraten trifft. Kurz und knapp.


Zu Geschichte 2:
In "In der Leere" berichtet ein Student von seinen Erlebnissen, Bekanntschaften und von seltsamen nächtlichen Ereignissen.

Die Schilderung des studentischen Lebens ist glaubwürdig geschildert und erfreut mit einfallsreichen Details. Der sprachliche Ausdruck ist angenehm, vollzieht aber von anfangs lyrisch wortgewaltig zu schnörkellos sachlich am Ende eine Wandlung, die mich beim Lesen etwas irritiert hat. Auflösung und Hintergrund sind sehr knapp, und verlangen dem Leser an Aufmerksamkeit und Interpretationsvermögen viel ab.

Ein von der Idee interessanter und am Ende überraschender Psycho-Krimi, der sich inhaltlich aber - dem Genre getreu - nicht wirklich auflöst, und sich für mich etwas zu schwer erschließt.


Zu Geschichte 3:
"Der ganz normale Wahnsinn", eine kleine Liebesgeschichte aus dem 24. Jahrhundert, in der eine Bombe einschlägt, und Linda ihrem Traummann begegnet.

Die Geschichte besticht besonders durch ihren im sprachlichen Ausdruck hervorragenden, kurzweiligen und spritzigen Erzählstil. Die Charaktere sind authentisch, das Szenario anschaulich, der Inhalt verständlich und plausibel.

Kein Zweifel - wer hier an der Taste saß, versteht ihr Handwerk.


Zu Geschichte 4:
"Von Türen, Schirmen und Getränkeautomaten" ist ein satirischer Blick in die Zukunft und auf das tragische Schicksal des Mr. Bent, der dort lebt.

Stilsicher und unterhaltsam, einfallsreich, komisch und überraschend geschrieben könnte diese kleine Geschichte auch der Feder von Douglas Adams oder Terry Pratchett entflossen sein. Mr. Bents verzweifeltes Bemühen um Normalität, die an der Borniertheit und Übermacht der Technik scheitert, ist so mitreißend geschildert, dass das kleine Plausibilitätsdefizit des Stabilitätsunverhältnisses zwischen Schirm und Getränkeautomat am Schluss der Geschichte unter dem Teppich der dichterischen Freiheit verschwinden darf.

Die Geschichte versteht es, ihre Tiefsinnigkeit derart in Komik vom Feinsten zu verpacken, dass sie sogar politisch Andersmeinenden Lesern Spaß machen dürfte.


Zu Geschichte 5:
"Long Island Iced Tea" ist eine Geschichte von Hoffnung und Scheitern des Raumpiraten Igor Martyr aus dem Alphaquadranten des 24sten Jahrhunderts.

Die Geschichte ist sprachlich zumeist anspruchsvoll, die Charaktere sind authentisch, vielleicht ein bisschen klischeehaft. Die Darstellung ist weitgehend anschaulich. Der Inhalt ist plausibel, wenn er sich auch nicht immer leicht erschließt, was dem Genre geschuldet ist.

Für mich eine spannende Geschichte, die auch einen gewissen Tiefgang enthält.


Zu Geschichte 6:
"Das Ende" beschreibt einen Dialog zwischen Guinan und Picard um seine Scheidung von Beverly Crusher.

Der Inhalt ist verständlich und plausibel, die Darstellung ist anschaulich, der Dialog ist tiefsinnig und geistreich geschrieben. Besonders gefällt mir an dieser Geschichte, wie die Autorin es versteht, mit hoher sprachlicher Finesse und einem beeindruckendem menschlichen Feingefühl für die Charaktere die Eigenheiten Picards und Guinans in deren Zwiegespräch zum Leben zu erwecken.

Für mich ein außergewöhnlich gut gelungener Schnappschuss aus der Welt von Startrek.




Don't tell The Truth to anybody who didn't ask for it. (Samarpan)

05.7.2009, 18:44

 
Fähnrich
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Geschichte 6
Geschichte 2
Geschichte 4




Möge Gott sein zwischen dir und dem Leid an allen verlassenen Orten, die du erreichen wirst.

08.7.2009, 18:36

 
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1) Geschichte: 3
2) Geschichte: 4
3) Geschichte: 5

Dank an die fleißigen SchreiberInnen!




Humor ist das Salz in der Ursuppe!

09.7.2009, 15:40

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