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Seven_ schrieb am 22. April 2010, 00.10 Uhr:

-spicy- schrieb am 21. April 2010, 20.41 Uhr:
Bevor hier jemand noch glaubt, ich hätte die Sache mit den Geschichten vergessen - habe ich natürlich nicht Grafik
Noch mal vielen, vielen Dank an alle Schreiberlinge *knuddel* Eure Geschichten waren alle toll.

Alle anderen hier werden die Geschichten natürlich auch noch zu lesen bekommen - jedenfalls 3 davon (den "Roman" von Nick poste ich hier nicht^^). Leider hat mich der Alltag wieder voll im Griff und in meiner Abwesenheit hat sich zudem einiges angesammelt. Aber sobald ich etwas Luft habe kümmere ich mich um diese Sache hier. Versprochen Grafik

Ähh... sag dann früh genug bescheid, damit ich bestimmte Namen rausschmeißen kann, du hast ja sicherlich die ein oder andere Auffälligkeit feststellen können Grafik


Also mir ist nichts aufgefallen Grafik Grafik

Normalerweise mache ich solche Aktionen immer freitags oder sonntags (an meinen freien Tagen halt), aber dieses Wochenende ist schon verplant.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

22.4.2010, 08:55

 
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Dummerweise sind derzeit alle meinen freien Tage komplett verplant und daher bin ich noch nicht dazu gekommen, die Geschichten hier zu posten. Aber als kleines Dankeschön habe ich Nick und Michael ein paar Leistungspunkte transferiert (Seven braucht ja keine^^). Außerdem liegt hier noch für jeden Schreiberling eine Überraschung rum. Ich bräuchte nur noch die Adressen von Nick und Michael (per GL oder falls es Euch zu unsicher ist per Mail) Grafik




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

03.5.2010, 19:10

 
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-spicy- schrieb am 3. Mai 2010, 19.10 Uhr:
Dummerweise sind derzeit alle meinen freien Tage komplett verplant und daher bin ich noch nicht dazu gekommen, die Geschichten hier zu posten.

Alles richtig so, deine freien Tage solltest du für andere Dinge als das Forum nutzen! Das kommt später, wenn du Lust und Zeit hast, dass du es nicht vergisst wissen alle.

Also, lass dir Zeit und genieße die schönen Stunden und Tage des Freihabens - sowas ist Gold wert! Grafik

Auch wenn ich zugegebenermaßen mehr als nur ein bisschen neugierig bin angesichts des Worts "Überraschung" Grafik




Begeisterung macht Waffeln. Bild; Quelle: http://img683.imageshack.us/img683/9026/irrsinnig.jpg

03.5.2010, 19:57

 
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Gedankenspiel (NickHavoc)

Gefängnistransporter Persephone
Besatzung: 2
Ladung: 250
Route: Mars-Io
Ziel: Minenkolonie. Ersatz der Mineure
Status: grün

Mit der Klinge fuhr er langsam seinen Unterarm hinauf. Dann ein Schnitt, lang und flach. Sofort floss das Blut und der Arm wurde taub. Schnell wechselte er das lange Jagdmesser, das normalerweise die Soldaten als Nahkampfwaffe nutzen, in die andere Hand und riss sich auch die Pulsadern des anderen Arms auf. Dann lehnte er sich an das Schott und richtete seinen Blick zur Decke. In Trance verdrehte er die Augen. "Wunderschön" stöhnte er und blickte auf seine vernarbten Unterarme, die inzwischen blutrot und gefühllos waren. "Wunderschön."
Am anderen Ende des Raums blitzten weiße Zähne auf und eine Gestalt zog sich tiefer in das Zwielicht des Schiffraums zurück.
Annäherungsalarm. Kollision in zwanzig Sekunden. Ausweichmanöver werden eingeleitet. Berechne...
Der Computer wurde von außen überbrückt. Ein dumpfer Knall ging durch das Schiff, als das unbekannte Flugobjekt an der Luftschleuse andockte und den Druckausgleich ausführte. Kurz darauf traten vier Soldaten mit den Gewehren im Anschlag durch die Schleuse. Ein kurzes, hohes Surren ertönte, als die die Energiespulen ihrer Waffen luden. Stumm gab der Offizier seinen Leuten Handzeichen und sie schwärmten in beide Richtungen tiefer in das Schiff aus. Kurz darauf betraten zwei weitere Personen das Schiff. Beide, die Frau, Mitte zwanzig und blond, der Mann etwa Ende vierzig und brünett, trugen schwarze Uniformen und blitzblanken Stiefeln und Ledergürteln. An ihrem Revers trugen sie das Symbol des Psi-Korps - eine Mischung aus Rhombus und Dreieck aus schwarzem Metall mit einer goldenen dreiarmigen Menora.
"Was fühlst du?" fragte der Mann seine Schülerin.
"Tod."

Eine Minute später erreichten die Soldaten die Tür zur Brücke, nahmen links und rechts davon Stellung ein und stemmten sie dann im Schutz ihres Kameraden auf. Sofort machte dieser dann zwei kleine Schritte nach innen und sicherte nach links und rechts ab. Die Brücke lag allerdings im Dunkel und seine kleine Taschenlampe spendete nur wenig Licht. Er schwenkte noch einmal nach links, dann nach rechts. "Alles frei", sagte er befreit und senkte die Waffe. Da fiel ein Lichtkegel auf einen Mann mit aufgeschnittenen Pulsadern und einem Kampfmesser zwischen den Beinen. Sofort spannte sich der Späher wieder an, die anderen Soldaten richteten ebenfalls ihre Waffen auf den möglichen Feind.
Vorsichtig gingen sie näher und schließlich fühlte einer der Puls des Mannes. "Ganz schwach", stellte er fest, legte seine Waffe ab und spritzte Bioschaum in die Schnittwunden. Inzwischen war der Offizier nachgekommen und musterte die Entdeckung.
"Petty Officer Mason, bringen Sie die Systeme wieder online. Master Chief Sanchez, bringen Sie ihn auf unser Schiff", befahl er. Dann gab er dem dritten Soldaten einen Wink. Der Junge seufzte und folgte dem Offizier. Sie würde nach den Gefangenen sehen müssen.
Petty Officer Mason öffnete die erste Konsole. Alle Drähte waren durchschnitten. Die Frau seufzte nun ebenfalls. Das war ganz schön viel Arbeit. Master Chief Sanchez hob den Verletzten, als wöge er nur so viel wie ein Kissen, auf die Arme und kehrte zur Luftschleuse zurück. Als er sie erreichte war auch er außer Atem.

Zerstörer Pegasus
Besatzung: 1920
Ladung: 6 + 2
Auftrag: Sicherung des Gefangenentransporters Persephone unter Leitung der Black Omega
Status: verschlüsselt

Commander Hickson war über die Art und Weise, wie die beiden Psi-Polizisten ihn und die Crew behandelten, nicht unbedingt erfreut. Vor allem weil sie wider besseren Wissens, dessen war er sich absolut sicher, seine Marines an Bord des Schiffs geschickt hatten, obwohl sie gespürt haben mussten, dass dort alle tot waren. Denn der Wächter, der im Moment auf seiner Krankenstation eine Bluttransfusion nach der anderen verabreicht bekam, hatte nicht nur seinen Kameraden verschwinden lassen, sondern auch dafür gesorgt, dass alle Gefangenen qualvoll erstickt waren.
Nervös trommelte er auf die Armlehne seines Sessels, während der ältere Polizist seelenruhig sein Terminal benutzte um mit der Zentrale des Korps in der Nähe von Genf zu sprechen. Natürlich über einen verschlüsselten Kanal und mit so vielen Verzerrprogrammen und sonstigen Methoden, dass die Pegasus im Moment eine sitzende Ente im Weltraum war. Abgesehen von der Luftversorgung, Heizung dem Licht funktionierte keines der wenigen, schwachen Computersysteme.
Die Schülerin des Korps stand mit verschränkten Armen links hinter dem Captain und spielte unbewusst mit den Spitzen ihrer schwarzen Lederhandschuhe. Auch diese unscheinbaren Bewegungen im Augenwinkel machten Commander Hickson nervös. Ob es an der Marke, der Kleidung oder dem Auftreten der Telepathen lag, war ihm nicht genau klar.
Was Hickson ebenfalls wunderte war, dass Verzerrprogramme sein Schiff beinahe lahm legen mussten, obwohl der Psi-Cop kein Wort gesagt hatte, seit der Kanal offen war. Doch plötzlich beendete er die Kommunikation und sank in den Sessel des Funkleitoffiziers. Einen Moment lang hörte man nur die Geräte und sein schweres Atmen. Schließlich stand er wieder auf, tupfte sich mit einem Taschentuch, das er plötzlich wie durch Zauberhand hatte, den Schweiß von der Stirn und adressierte dann den Commander: "In Kürze wird eine Fregatte eintreffen zur Sicherung des Schiffs. Bis dahin haben Sie die Untersuchung zu beenden. Identifizieren Sie die Leichen und finden Sie die zweite Wache. Das wäre dann alles."
Hickson nickte stumm und wartete, bis die beiden Psi-Cops die Brücke verlassen hatten. Dann gab er seine Befehle. Ihm war erst richtig wohl, als er sich sicher sein konnte, dass die beiden Telepathen außer Reichweite waren.
"Mia, was meinst du?" befragte er seinen ersten Offizier. Die Asiatin zuckte mit den Schultern. "Ich hasse das Korps", war ihr ganzer Kommentar. Da waren sie schon zwei.

"Commander Hickson ist unzufrieden, Mister Bester. Selbst ein Typ 2 könnte es spüren", sagte die Schülerin zu ihrem Lehrer. Bester wischte sich noch einmal Schweiß von der Stirn und lächelte matt. "Mit der Fregatte wird auch mein bester Schüler und eine Staffel Starfuries eintreffen. Das wird diesem Normalen den Respekt einflößen, der er bis jetzt misst."
Sie erreichten ihre Quartiere und Bester zückte den Magnetschlüssel.
"Darf ich eine Frage stellen?"
"Du bist hier um etwas zu lernen", antwortete Bester knapp.
"Was hat die Leitung gesagt?"
"Ein gefährlicher Mann hat sich an Bord des Schiffs geschmuggelt. Wahrscheinlich hat er alle getötet um seine Spuren zu verwischen. Ein freilaufender Telepath ist eine Gefahr für uns alle. Wir haben Anweisung alles zu tun, was nötig ist."
Die Schülerin nickte. Sie verstand worauf Bester hinaus wollte. In diesem Fall würden bestimmt noch ein paar Normale sterben müssen. Aber solange es der Sache diente und keine Telepathen verletzt wurden, die es nicht verdient hatten, war dem Korps dieser Weg recht.
"Die Normalen werden ein paar Stunden brauchen. Ich werde mich etwas erholen, dann sehen wir uns den Überlebenden an", erklärte Bester und verschwand in seinem Quartier.

Petty Officer Mason hatte die Schiffssysteme wieder so weit repariert und vom Zentralcomputer der Pegasus abgenabelt, dass die Persephone fast wieder autonom flog. Als die angemeldete Fregatte vor den Bug der Pegasus sprang, ging zwar ein Alarm los, der ihr die Ohren schellen ließ, doch ansonsten war es ruhig.
Zufrieden sah sie sich die letzten Konfigurationen an und gab sie dann in den Schiffsrechner ein. Der Computer fuhr aus dem abgesicherten Modus ganz hoch und alle Anzeigen sprangen auf grün. Ein paar letzte Tests, und die Arbeit würde beendet sein. Endlich würde Petty Officer Mason die lange überfällige Erholung in Anspruch nehmen. Der Alarm war nur eine halbe Stunde vor ihrem Schichtende ausgelöst worden, deshalb war sie jetzt fast zwanzig Stunden im Dienst.
Der Computer bestätigte gerade die vollständige Leistungsfähigkeit der Systeme. Petty Officer Mason drückte die erste Startreihe für die Schiff-zu-Schiff-Kommunikation, um sich abzumelden, als die Konsole plötzlich in Flammen stand. Erschrocken wich sie zurück, doch die Flammen waren bereits überall. Der ganze Raum schien zu brennen. Hustend sank sie in die Knie und tastete nach ihrem tragbaren Funkgerät. Doch statt den Funkgeräts hielt sie eine Schlange, die aggressiv zischte, in der Hand. Erschrocken ließ sie es fallen und taumelte durch den Raum. Feuer und Schlangen - ihre schlimmsten Ängste. Panisch drehte sie sich um die eigene Achse und erblickte die Notausstiegsschleuse der Brücke. Sie nahm den linken Arm vors Gesicht um durch die Uniform zu atmen. Da es ein Raumanzug für Außeneinsätze war, eine nicht unbedingt leichte Aufgabe. Sie kämpfte sich zur Konsole durch und gab die Öffnungssequenz ein. Eine rote Hinweislampe ging an, dann sprangen sie Bolzen. In diesem Moment erlosch das Feuer, die Schlange verwandelte sich wieder in ein Funkgerät und der vermeintliche Raumanzug löste sich auf. Sie trug nur noch die grüne Marinestandarduniform. Doch da wurde die Schleusentür bereits ins All geblasen, und der Unteroffizier nach draußen gesaugt.

Auf dem Zerstörer Pegasus ging ebenfalls ein Alarm los, als plötzlich auf der Persephone die Atmosphäre entwich. Lieutenant-Commander Mia Chen, Wachoffizier im Moment, wollte bereits Petty Officer Mason rufen, als sie sah wie ein Mensch aus dem Schiff geblasen wurde. Ohne Zweifel ihr Offizier.
"Lieutenant Hader soll eine Bergungseinheit rausschicken", befahl sie betroffen. "Informieren Sie dann Chief Meier über den Verlust von Petty Officer Mason. Die Untersuchungsleitung obliegt ihm."
Stumm führten die anderen Deckoffiziere die Befehle aus. Keiner war in der Stimmung zu mehr.

Bester wurde von seiner Schülerin nach genau sieben Stunden geweckt und erhielt einen detaillierten Lagebericht.
"Allem Anschein nach hat ein Unteroffizier Selbstmord begangen. Dieser Offizier war an Bord der Persephone und sprengte dann ohne Vorwarnung die Brückennotausstiegsluke. Zum Glück war sonst niemand an Bord", beendete sie den Statusbericht.
"Erstens wären es nur weitere Normale gewesen. Sie sind uns unterlegen und kümmern uns deshalb nichts. Zweitens glaube ich nicht, dass es Zufall war. Wir werden deshalb sofort den Überlebenden befragen", entschied Bester dann, schlüpfte in die Jacke seiner Uniform und ging nach draußen in Richtung Krankendeck. Seine Schülerin packte noch schnell ihre Unterlagen ein und folgte ihm dann.

Commander Hickson übernahm das Kommando wieder von Lieutenant-Commander Chen und entließ sie dann in die Erholungsphase. Dann sah er den Bericht des Bergungsteams durch. Sie hatten die Leiche von Petty Officer Mason sicher gestellt. Die Todesursache war Ersticken in Verbindung mit Erfrieren. Dieselbe Todesart, die auch die Mineure der Persephone ereilt hatte. Außerdem war bei dem Außeneinsatz die Leiche der zweiten Wache des Transporters gefunden worden. Die Wache zeigte dieselben Erscheinungen, doch zusätzlich hatte die Wache eine PPG-Verbrennung im Rücken und eine in der Schulter. Wahrscheinlich war die Wache schwer verletzt in die Schleuse gelegt und dann in den Weltraum geblasen worden. Ob sie zu diesem Zeitpunkt noch bei Bewusstsein gewesen war, war nicht feststellbar.
Unzufrieden unterzeichnete Commander Hickson den Bericht. Seit diese Psi-Cops an Bord waren, hatte er über 250 Leichen in der Leichenhalle liegen. Davor in ganzen elf Jahren als Offizier keine einzige. So viel zu seiner Statistik.

Der überlebende Wachmann war bei Bewusstsein, brabbelte aber nur zusammenhanglose Sachen. Die meiste Zeit verlangte er nach einem Regenbogen, dessen Farben so wunderschön seien. Bester sah ihm mitleidlos gegenüber und ärgerte sich darüber, dass das Korps auf solche Leute angewiesen war. Seine Schülerin schien Mitleid zu haben.
Schließlich wurde das Gebrabbel des Mannes zu viel und Bester drang ohne Rücksicht in den Kopf des Überlebenden ein. Sofort verstummte er und blickte leer vor sich.
"Wie ich dachte. Jemand hat ihn dazu gebracht das zu tun. Zuerst erschoss er seinen Kameraden und lud ihn in die Schleuse. Dann dekomprimierte er die Laderäume, zerstörte die Schiffssysteme und setzte dazu an sich selbst zu töten. Leider waren wir schneller hier als von unserem Telepathen erwartet. Er wurde in seiner Arbeit gestört, hatte aber noch genug Zeit das Hirn dieses Normalen in Brei zu verwandeln. Er ist die Luft, die er atmet, nicht mehr wert."
"Was?" fragte der Schiffsarzt entsetzt.
"Eine starke Psi-Blockade wurde errichtet. Er wird nie wieder normal werden. Den Rest seines kümmerlichen Lebens wird er in einer Anstalt zubringen müssen", erklärte Bester kalt und griff zu seiner PPG. "Ich würde ihm damit einen Gefallen tun."
"Über Leben und Tod entscheide immer noch ich. Zumindest auf dieser Station. Raus hier!" befahl der Arzt. Bester blickte ihn kalt an. "Wie Sie wollen, Doktor." Ohne Widerstand verließ er die Krankenstation. "Hannah, eines Tages werden die Normalen sich wünschen, sie hätten uns nicht so viele Freiheit geschenkt. Denn wir werden dann über sie regieren wie Könige. Und Männer wie dieser Arzt werden die Minderheit sein, weil sich niemand erlauben wird unsere Entscheidungen in Frage zu stellen. Eines Tages..."
Sie erreichten die Transportkapsel und fuhren zurück zu den Quartieren. Doch plötzlich zuckte Bester zusammen.
"Alles in Ordnung?" fragte Hannah.
"Mein Gott. Er ist an Bord. Gerade habe ich ihn gespürt", antwortete Bester und hielt die Kapsel an. "Welches Deck haben wir gerade passiert?" fragte er den Soldaten, der zufällig ebenfalls in der Kapsel war. Der Marinesoldat warf einen kurzen Blick auf den Schiffsplan. "Das Magazin des Hauptgeschützes."
"Mein Gott. Damit könnte man das ganze Schiff sprengen, nicht wahr?" Der Soldat nickte. Bester drückte auf den Türöffner und zog seine PPG. "Komm, Hannah. Sie geben Alarm, Soldat."

Auf dem Kontrollpult des Zugangsterminals des Magazins für das Hauptgeschütz lag ein Lieutenant mit einer qualmenden Schusswunde im Rücken. Ein toter Marinesoldat lehnte neben der Tür, in seinem Helm war ein Einschussloch. Der zweite Soldat kniete am Boden und steckte sich gerade seine PPG in den Mund.
"Stopp!" rief Bester und kniff die Augen zusammen. Der Soldat entspannte sich sofort und riss die Waffe aus seinem Mund. Entsetzt warf er sie weg und rutschte auf seinem Hintern bis zur Wand. Dabei rutschte er aber auch durch das Blut seines Kameraden und befleckte seine Uniform.
"Mein Gott, mein Gott", stammelte der Soldat immer wieder und vergrub dabei das Gesicht in den blutigen Händen.
"Wir haben es mindestens mit einem P10 zu tun", knurrte Bester. Hannah nickte zustimmend. Das bedeutete aber auch, dass der Feind mindestens so stark war wie sie. Die Mindestanforderungen für einen Psi-Cop war Level 10, so wie sie. Bester war sogar ein P12, die stärkste bekannte Stufe, die Natürlich entstanden war. In Labors experimentierte das Korps aber auch mit Telepathen um P13 oder höhere Level zu erreichen.
"So steckt er", flüsterte Hannah. Um über die Distanz Einfluss auf einen Menschen zu nehmen war anstrengend. Nur ein P12 würde nicht direkten Sichtkontakt zu dem Opfer brauchen. Bester deutete stumm mit einer Bewegung seines Kopfes auf das Schott am anderen Ende des Raums. Dahinter stand ein Mann und blickte zornig zu Bester. Der Kleidung und dem ungepflegten Aussehen nach zu Urteilen war der Angreifer ein Telepath, der lange Zeit im Untergrund gelebt hatte.
Zwischen ihm und den beiden Psi-Cops lag nur dieser Raum, und die beiden verschlossenen Türen, die sich wahrscheinlich nur von innen würden öffnen lassen.
Bester analysierte die Situation. Das würde aber bedeuten das, wenn der Telepath wirklich einen Anschlag auf das Schiff geplant hatte, bereits eine Sprengladung angebracht war. Hätte er die dritte Wache dazu gebracht sich zu erschießen ohne bereits Vorkehrungen zu treffen, wäre er selbst nicht nach innen gekommen um die Schiffssysteme zu sabotieren.
"Hannah", befahl er dann. "Stelle eine Verbindung zu dem Soldaten her. Er soll uns die Tür öffnen. Ich blockiere unseren Freund!"
Angestrengt fixierte er den Telepathen, der dasselbe tat. Für einen normalen Menschen hätte das ein skurriles Bild abgegeben. Doch auf der Ebene der Telepathen fand ein Kampf auf Leben und Tod statt. Beide - Rebell und Cop - attackierten und verteidigten mit ihrer mentalen Kraft. Doch früher oder später würde einer von beiden einen Fehler machen. Dann würde der Verlierer ein Blutgerinnsel im Hirn erleiden, oder einen Herzinfarkt. Einem Telepathen war es sogar möglich, mit dem richtigen Training, den Kopf eines Menschen zum Explodieren zu bringen.
Im nächsten Moment kamen fünf weitere Marines, schwer bewaffnet, in den Vorraum und kreisten den Rebellen ein. Bester hielt die Blockade nach wie vor aufrecht. Doch der Rebell blieb unbeeindruckt, hielt weiter Kontakt mit dem Psi-Cop und konzentrierte sich auch auf die Soldaten. Ein Surren zeugte von Laden ihrer Energiewaffen. Dann wurden alle fünf abgefeuert und die Soldaten sanken, gegenseitig getroffen, tot zu Boden. Dann führte der Rebell einen vollen mentalen Stoß gegen Bester und seine Schülerin aus und verschwand.
Hannah eilte zu Bester und half ihm hoch. "Was ist passiert?"
"Dieser Telepath ist stärker als ich dachte. Komm, wir müssen zum Hangar."

Sie erreichten in Rekordzeit das Hangardeck, was wohl daran lag, dass Bester mehr rannte als ging. Zwei Mal waren sie nervösen Soldaten begegnet, die in kleinen Trupps in Richtung Magazin vorrückten.
"Sollten wir ihnen nicht sagen wie stark der Rebell ist?" fragte Hannah.
"Die Normalen könnte mit der Information nichts anfangen. Ein P3 könnte sie genauso an der Nase herumführen wie dieser. Nur mit dem Unterschied, dass wir einen P3 ruhigstellen könnten", antwortete Bester. Er öffnete ihr Transportschiff und wies Hannah an einzusteigen.
"Was tun wir?"
"Wir verlassen das Schiff und gehen an Bord der Fregatte. Sobald wir an Bord sind, wird sich mein Schüler Byron um die Angelegenheit kümmern. Dieser Telepath ist zu gefährlich um ihm aus der Nähe zu bekämpfen."
Hannah nahm ihren Platz ein und Bester fuhr die Systeme hoch. "Startfreigabe erhalten. Feuern der Triebwerke auf mein Kommando." Bester berechnete den Kurz. "Jetzt." Das Shuttle nahm einen Sprung und schoss aus dem Rachen des Zerstörers. Die Fregatte, nur halb so groß wie der Zerstörer, lag direkt vor ihnen. An Bord dieser Schiffe gab es nur halbe Schwerkraft, die Zerstörer verfügten deshalb über eine Rotationseinheit. Außerdem hatten die Fregatten keine Startrampen für Starfuries. Trotzdem war diese Fregatte von einem Dutzend pechschwarzer Starfuries flankiert.
"Black Omega Eins an Shuttle. Empfangen Sie mich?"
"Schön Sie zu hören, Byron. Das Ziel ist sichergestellt an Bord des Schiffs. Einsatz der Direktive freigegeben. Sie wissen, was zu tun ist", antwortete Bester und lenkte das Shuttle in den Schatten der Fregatte.
"Aber da sind über 1000 Menschen an Bord", protestierte der Anführer der Starfuries.
"Führen Sie die Order aus, das ist ein Befehl", wiederholte Bester seine Aufforderung. Byron seufzte und gab dann die Bestätigung der Zielerfassung. Die Kanonen der Starfuries würden aber kaum die Außenhülle des Zerstörers ankratzen, deshalb drehte auch die Fregatte bei. Erst jetzt konnte man das Zeichen des Psi-Korps an der Flanke des Schiffs erkennen.
Die Laser wurden geladen und eröffneten dann das Feuer, ergänzt von den Lichterketten der Starfuries.
Commander Hickson protestierte über den Überraschungsangriff und startete sofort Alarmjäger. Zwei der Black Omegas scherten aus und schossen die Alarmflieger ab, bevor sie richtig aus dem Rachen des Zerstörers gekommen waren. Inzwischen stand die Rotationseinheit des Zerstörers in Flammen und stoppte. Die Maschinen stotterten und erloschen. Sofort ging das Schiff, durch Treffer gebeutelt, in Schräglage. Kein einziger Schuss war von der Pegasus abgefeuert worden. Vereinzelt starteten Rettungskapseln.
Bester schaltete sich über Funk wieder ins Gefecht ein. "Wir können das Risiko nicht eingehen, dass der Rebell an Bord einer Kapsel ist. Alle abschießen."
Ohne Widerrede und stumm führten die Black Omegas die Order aus. Nur ein Starfury, das Führungsschiff, vermied es so gut es ging zu feuern.

Genf, zwei Tage später
Bester betrat das Büro seines Vorgesetzten und nahm ohne ein Wort der Begrüßung Platz.
"Die Operation war ein Fehlschlag", sagte sein Gegenüber.
"Wir hatten nicht erwartet, dass er so stark wird. Er hielt mich gefangen und brachte trotzdem fünf Normale dazu sich gegenseitig zu töten."
"Wir müssen dem Flottenadmiral den Verlust eines Zerstörers erklären", entgegnete der Vorgesetzte. Bester winkte ab.
"Eine ansteckende Krankheit, etwas das Marsfieber, hat unter den Mineuren um sich gegriffen und dann die Crew der Pegasus angesteckt. Die Fregatte war zufällig in der Nähe und empfing die Kontaminationsmeldung, abgesetzt von Commander Hickson. Es war doch Hickson? Naja, egal. Auf jeden Fall führte der kommandierende Offizier der Fregatte nur die Order so aus, wie sie auch im Handbuch der Flotte steht."
"Und wenn jemand nachforscht?"
"Es wird niemand nachforschen. Niemand interessiert sich für das Schicksal von 2000 Normalen. Doch es kränkt mich, dass wir Michael opfern mussten. Die Behandlung hat sehr gute Fortschritte gezeigt."
"Wir werden die Methode weiter erforschen. Doch Telepathen zu verwenden, die sich nicht dem Korps anschließen wollen, ist gefährlich. Michael ist der Beweis dafür."
Bester winkte ab. "Lieber einer von ihnen stirbt als einer von uns. Es kränkt mich aber, dass Hannah ihre Ausbildung abgebrochen hat. Sie hatte Potential."
"Ich mache mir mehr Sorgen um Byron. Er zögerte."
"Keine Sorge, Byron ist Vertrauenswürdig. Nur manchmal noch etwas zu menschlich. Ein neues Gedankenspiel, mein Freund. Was wäre wenn Byron zu den Rebellen überlaufen würde?"




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13.5.2010, 09:24

 
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Lady Sabine und der Mord (MichaelRa)

Lady Sabine war eine Frau in mittlerem Alter. Ihr genaues Geburtsdatum hatte sie immer verschwiegen, denn in dieser Hinsicht war sie etwas empfindlich. Sie war groß und dunkelhaarig und eine wunderschöne Frau. Vor ein paar Jahren wurde sie dann von der Queen, für ihre Verdienste für das Königreich, geadelt. Denn sie war keine normale Frau, die sich irgendeinem normalen Beruf widmete oder sich um den Haushalt kümmerte. Nein, Lady Sabine reiste um die Welt und löste Kriminalfälle. Als Gegenleistung bekam sie von der Queen alles was sie wollte. Und sie konnte ein Leben in Luxus führen.

Und nun stand sie hier, am Hafen von London und blickte auf dieses imposante Kreuzfahrtschiff, auf das sie gleich gehen wollte. Sie wollte nämlich Urlaub machen, nachdem sie erst vor kurzem einen Juwelendieb entlarvte. Sie hoffte endlich etwas entspannen zu können. Voller Vorfreude auf die nächsten 2 Wochen betrat sie das Schiff und suchte auch sogleich ihre luxuriös eingerichtete Kabine auf. Sie wollte sich etwas Bequemeres anziehen und dann an die Bar gehen.

Eine halbe Stunde später, das Schiff war mittlerweile auf hoher See, hielt Sabine einen Cocktail in der Hand und beobachtete die wenigen Gäste die um diese Zeit ebenfalls an der Bar waren. Es war erst Nachmittag und daher waren die meisten der Gäste an Deck und lagen in der Sonne oder schwammen im Pool. Sofort fiel ihr ein junges Ehepaar auf, das sich heftig stritt. Die Frau warf ihrem Mann vor, mit anderen Frauen zu flirten. Sie war schon ziemlich angeheitert und deswegen war ihre Wortwahl ziemlich vulgär. Der Mann schrie seine Frau an, sie solle sich endlich beruhigen und diesen Blödsinn sein lassen. Nachdem dieser Streit einige Minuten so weiterging, hatte sie sich wieder beruhigt und die beiden verließen die Bar. Lady Sabine beschloss eine Weile danach ebenfalls in ihr Quartier zu gehen. Die Anreise nach London war sehr anstrengend gewesen und darum wollte sie noch ein Buch lesen und früh zu Bett gehen. Sie konnte allerdings lange nicht einschlafen, da es ziemlich heftig regnete und die Tropfen gegen ihr Fenster prasselten. Es würde wohl die ganze Nacht so weiterregnen.

Am nächsten Morgen wurde Sabine sehr früh, unsanft aus dem Schlaf geweckt, da jemand heftig an die Tür ihrer Kabine klopfte. Als sie sich schnell einen Schlafmantel angezogen hatte, öffnete sie und sah in das bleiche Gesicht des Kapitäns. Sie bat ihn herein und bot ihm einen Stuhl an. Der Kapitän sagte, es hätte einen Mord in der vergangenen Nacht gegeben. Eine junge Frau sei erstochen worden. Man habe zwar schon einen Verdächtigen, nämlich ihren Ehemann, aber der leugnet alles und es gibt keine eindeutigen Spuren. Und da dem Kapitän bekannt war, dass Lady Sabine schon so einige Verbrecher überführt hatte, bat er sie den Fall zu übernehmen. Sie versprach ihm ihr möglichstes zu tun. Danach verließ er das Quartier. Eine halbe Stunde später trat Lady Sabine in das Quartier in dem sich der Mord ereignet hatte. Sofort erkannte sie die junge Frau, die sie noch am Vortag mit ihrem Ehemann hatte streiten sehen. Nun lag sie, mit einer tiefen Stichwunde im Bauch, auf dem Boden vor dem Bett. Und der Verdächtige war natürlich ihr Ehemann. Denn nach dem Streit den die Beiden hatten, lag es nur nahe, dass er der Mörder ist. Doch war er es wirklich?

Sabine fragte den Kapitän, ob man die Tatwaffe schon gefunden hätte. Dieser verneinte. Der Täter hat sie wahrscheinlich über Bord geworfen. Doch es dürfte wohl eine Art Brieföffner gewesen sein, wie der Bordarzt erklärte. Sabine bat den Kapitän und den Arzt mit niemandem über Einzelheiten des Verbrechens zu reden. Als nächstes wollte sie mit dem Verdächtigen reden. Dieser saß im Nebenraum, wo er von einem Crewmitglied bewacht wurde. Er war extrem nervös, aber man konnte nicht sagen, ob es war, weil er der Täter ist oder weil er gerade seine Frau verloren hat. Lady Sabine fragte ihn, was er in der vergangenen Nacht getan hat. Er behauptete, die ganze Nacht auf dem Schiff rumgelaufen zu sein. Er wollte sich nach dem Streit etwas abreagieren und sei deswegen noch mal in eine der Bars an Bord. Und anschließend sei er noch auf dem Sonnendeck gewesen, um die Sterne zu bewundern. Und als er dann früh am Morgen in sein Quartier zurückkam, fand er seine Frau so vor. Nun wusste Sabine, dass er log. Sie sagte zu ihm, er sollte am besten gestehen, denn sie wusste das es in der Nacht geregnet hat und er unmöglich die Sterne bewundern konnte. Er sah sie erstaunt an, gab aber dann doch zu das er es getan hatte. Die Ehe lief von Anfang an sehr schlecht und als er in dieser Nacht etwas zu viel getrunken hatte und sie sich dann wieder gestritten haben, hat er ohne nachzudenken den Brieföffner genommen und zugestochen. Er war am Boden zerstört und hat die Tatwaffe über Bord geworfen.

Am nächsten Tag wurde er von einem Polizeiboot abgeholt. Nun konnte Lady Sabine endlich ihren Urlaub genießen.


Anmerkung: Leider hatte ich keine Zeit mehr und musste meine Geschichte drastisch kürzen. Daher dieser schnelle Schluss.




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13.5.2010, 09:26

 
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Nur das Beste für dich, Schatz (Seven_)

Sie schrie und weinte aus Leibeskräften, sie stand inmitten des kleinen Raums und schrie all ihre Wut, all ihren Zorn und ihre unendliche Enttäuschung heraus. Sie krallte ihre Hände in ihr Haar und sank auf die Knie. Weinend brauch sie zusammen und fühlte die heißen Tränen, die ihre glühenden Wangen entlang strömten und auf den leuchtend blauen Teppich tropften. Ihre Fingernägel gruben sich schmerzhaft in ihre Kopfhaut, doch den Schmerz nahm sie nicht wahr. Lange Haarsträhnen lösten sich und fielen ihr ins Gesicht, während sie sich hin und her wiegte und ihr Schreien langsam verebbte. Schließlich weinte sie nur noch ganz leise, bis sie nicht mehr konnte. Sie barg ihr Gesicht in ihren Händen, bis dass auch das letzte Schluchzen erstickt war.
Erschöpft starrte sie mit verschleiertem Blick auf den Teppich, auf diesen furchtbaren Teppich, den ihr Mann so wundervoll fand. Es war gleich das erste, das er gesagt hatte, als sie hereingekommen waren.
Ihr Mann. Selbst gedanklich klang es komisch. Noch war er nicht ihr Mann, das würde er erst in zwei Tagen sein. Noch war er ihr Verlobter. Eine Verlobung, die sie sich nicht ausgesucht hatte.

Sie stand zittrig auf und ging zu dem Waschbecken der winzigen Kabine, an dessen Rand sie sich festhielt. Sie und Mike waren auf dieses Schiff gekommen um zu heiraten. Es sollte alles so wunderbar werden, so festlich, sämtliche Gäste waren bereits eingetroffen und das Schiff würde in wenigen Stunden ablegen.
Sie drehte den Wasserhahn auf und hielt ihre Hände unter den eiskalten Strahl, bis sie nichts mehr spürte.
Jeder glaubte, sie seien das perfekte Paar, etliche Freudensprünge und lauter gute Wünsche hatte sie bereits über sich ergehen lassen.

Als ihre Finger taub waren, formte sie mit ihren Handflächen eine Schale, in der sie das Wasser auffing, und tauchte ihr Gesicht darin ein.
Es klopfte. Sie rührte sich nicht und spürte nur die angenehme Kälte ihrer eisigen Finger auf ihrer Haut. Es klopfte erneut.
Resigniert hob sie den Kopf und sah in den Spiegel über dem Waschbecken. Ein verquollenes rotes Gesicht mit glasigen Augen starrte ihr entgegen. Sie zupfte an ihren Haaren und ließ sie ins Gesicht fallen, ein tiefer Seufzer folgte und sie schaute erneut in die verweinten Augen im Spiegel. Sinnlos.
"Kia, mach doch bitte auf!" drang es gedämpft durch die Holztür.
Sie nahm das Handtuch, das auf der Ablage lag, und hielt es sich halb vors Gesicht, als sie die Tür öffnete. Ein Mann in den Sechzigern sah sie streng an.
"Kia, was machst du denn? Wir wollen bald ablegen, du sollst... was ist mit deinem Gesicht passiert?" Diplomatisch wie immer, dachte Kia zynisch.
"Hab Seife ins Auge gekriegt. Was soll ich?"
"An Bord kommen." Er legte die Stirn in Falten und sah sie an. "Und mach' irgendwas mit deinem Gesicht."
"Tut mir leid, aber das ist angeboren,dagegen kann man nichts machen."
Er sog hörbar die Luft ein und Kia wusste, dass er sich gerade zusammen nahm. Als hätte er sie nicht gehört, fuhr er fort.
"Leg' Make-Up auf oder so. Und lass die Seife weg, man könnte ja fast meinen, du hättest geheult."
Ohne eine Miene zu verziehen sah sie ihn kalt an. Einen Augenblick lang schien er nachzudenken, ob er noch etwas sagen wollte, was offensichtlich nicht der Fall war. Er drehte sich um und sah nocheinmal kurz zurück. "Du beeilst dich, ja?"
"Ich werde rechtzeitig da sein, Vater", und damit schlug sie die Tür zu.


Wenig später hatte sie die gröbsten Spuren ihres Zusammenbruchs beseitigt, ein fliederfarbenes Kleid angezogen und das zerzauste Haar gebürstet und machte sich auf den Weg an Deck.
Noch ehe sie die Tür zum Deck geöffnet hatte, stürmten ihr bereits drei junge Frauen entgegen. Cherry, die älteste und vorlauteste von allen, hakte sich bei ihr ein. "Hast dich wohl hübsch gemacht für deinen Liebsten", grinste sie und stupste Kia mit der Schulter an.
Kia sah zu Boden.
"Nun ärgere sie doch nicht", mischte sich Vanessa schmunzelnd ein. Die blonde Frau war die jüngste unter ihnen und die erste, die verheiratet war, "du weißt doch, wie gut sie mit Komplimenten umgehen kann", scherzte sie, "Sie ist wie mein Bruder - am besten, du sagst ihr jeden Tag, wie furchtbar sie ist."
Einzig Lisa, die dritte im Bunde, sah Kia eindringlich an. Kia lächelte und verdrehte angesichts der beiden anderen genervt die Augen, was Lisa offensichtlich reichte, um ihre Besorgnis abzulegen. Sie war ihre Cousine und zugleich ihre beste Freundin. Sie von ihrem Glück zu überzeugen war Kia schwersten gefallen.
Sie alle drei waren Kia Brautjungfern und als solche gerade voll in ihrem Element. Sie kamen vor lauter Glück und Euphorie gar nicht auf die Idee, dass etwas nicht stimmen könnte, und klärten sie auf dem kurzen Weg von der Tür bis zu den anderen Hochzeitsgästen detaillgetreu über den aktuellsten Stand der Dinge auf.
Kia hörte überhaupt nicht zu. Als sie auf die anderen trafen, hob sie den Kopf und zwang sich zu einem Lächeln. Mühelos nahm sie freudestrahlend alle Glückwünsche entgegen, ließ sich umarmen und betonte, wie sehr sie sich freute.
Dann traf sie auf Kai, Vanessas Bruder, der ihr spielerisch in die Wange kniff. "Unsere Kleine wird heiraten", meinte er theatralisch und grinste. "Lass das", Kia wandte ihr Gesicht ab und lachte. Doch Kai beugte seinen Kopf und sah ihr in die Augen. Sie hasste sein Talent, jedem direkt alles anzumerken. "Alles okay bei dir?" Sie schwieg und lächelte nur.
"Natürlich ist alles okay", Mike trat fröhlich neben Kia und legte ihr seinen braungebrannten Arm um die Schultern, "schließlich wird sie bald den tollsten Kerl der Welt zum Mann haben."
Alles lachte, Kia auch, und niemand merkte, dass sie eigentlich schrie.
Ihr entging nicht Kais Blick, der auf ihr ruhte und dem sie auszuweichen versuchte. Innerlich zerbrach sie und sie merkte, wie ihre Fassade zu bröckeln begann, je länger er sie anstarren würde.
Unter dem Vorwand, ihre Verwandten sprechen zu wollen, schob sie sich aus Mike s Umarmung und zugleich aus Kais Blickfeld.

Der mintgrüne Hut mit der noch viel mintgrüneren Schleife reflektierte schon von weitem mit der Sonne um die Wette. Seine Besitzerin, eine Frau in den Sechzigern, wirkte verloren in dem eleganten pastellfarbenen Kleid und dem übergroßen Hut. Ihre überschminkten Augenringe entgingen Kia nicht.
"Kia", müde Augen blickten sie an und sie ergriff die Hände ihrer Tochter. Trotz der 25 Grad lief Kia eine Gänsehaut über den Rücken. Diese Frau, die da mit ihrem grauen Haar vor ihr stand, den riesigen Hut auf dem kleinen Kopf, sie war es, für die Kia das eigentlich alles tat. Und ihre Mutter hatte nichts besseres zu tun, als die Wahrheit zu ignorieren.
"Es freut mich, dich so glücklich zu sehen", lächelte ihre Mutter.
"Es freut mich, dass ich dich glauben machen kann, glücklich zu sein, Mutter." Die zierliche ältere Frau sah sie traurig an. "Nicht hier, Liebes, nicht hier. Genieße es einfach."
"Sicher..." Kia seufzte. Es machte sie wütend, dass eine gestandene Frau wie sie es einfach nicht wahrhaben wollte. "Wie läuft's?" Wechselte sie nach einer Pause das Thema.
Ihre Mutter wusste sofort, dass Kia das Hotel meinte. "Hervorragend. Die Umbauarbeiten sind beinahe abgeschlossen."
"Arbeiten, die nicht nötig waren", meinte Kia bitter, "Euch gefiel es vorher besser."
"Es war nötig."
"Ein überaus willkommener nötiger Zufall, um gleich das gesamte Hotel nach seinen Wünschen umzugestalten."
"Kia, du weißt, dass Baumängel festgestellt wurden und keine Gäste mehr einziehen durften."
"Und du weißt, dass es diese Mängel nur auf dem Papier gab. Er war es, der..."
"Kia, bitte, nicht jetzt!"
"Wann dann? Wann... ?"
"Bitte!" Ihre Mutter wies mit einer Augenbewegung nach rechts, knapp hinter Kia. Sie folgte ihrem Blick und entdeckte ihren Vater, der sie streng musterte. Die junge Frau schnaubte bitter und drehte sich auf dem Absatz um, um ein weiteres Mal in der Menge zu verschwinden.

Das Schiff legte ab und alle waren abgelenkt, sodass Kia unbemerkt an das Heck verschwinden konnte. Sie stellte sich vor, wie alles gekommen wäre, wenn ihre Eltern sich nicht verspekuliert hätten. Wenn sie nicht reingelegt worden wären von ihren langjährigen Partnern, den freundlichen Bartons, die ihnen die Aktien freundlicherweise gerade zu in mundgerechten Häppchen serviert hatten. Eine schöne Sache, wenn sie nicht alles verloren hätten und man ihnen beinahe ihr Hotel weggenommen hätte.
Es war alles so wahnsinnig schnell gegangen, von der Aussicht auf den Ruin bis hin zu dem Moment, in dem wichtige Unterlagen aufgetaucht waren und ihre Eltern den Bartons ihr falsches Spiel plötzlich beweisen konnten. Wäre es anders gelaufen, wenn sie den Drohungen des Ehepaares mehr Beachtung beigemessen hätten? Wieso nur hatten ihre Eltern Kia nicht zuhören wollen, als sie beinahe flehend vor ihnen stand und darum bat, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Und warum sahen sie das, was danach passierte, als bloßen Zufall an?

Kia hielt sich an der Reling fest und sah hinaus auf das Wasser. Das Meer brach sich in hohen Wellen am Heck des Schiffes. Ihr zerzaustes Haar wehte ihr um das Gesicht.
Nein, es konnte absolut kein Zufall sein. Wie hoch war schon die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet ein Mitarbeiter von Mr. Barton, seines Zeichens Inhaber eines Bauunternehmens, bei einer Übernachtung Baumängel entdeckte. Welchen Nutzen hatte es, dass er unwahre Fakten an die Presse weitergab. Plötzlich wussten alle bescheid und die Gäste blieben aus. Negative Schlagzeilen machten die Runde.
Ihre Eltern standen erneut vor dem finanziellen Aus, vor dem Nichts. Sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Welch Schicksalswink, dass ausgerechnet da der edle Retter Mike auftauchte. Der Sohn reicher Eltern, der sich eine Existenz aufbauen wollte und sich anbot, das Hotel mit 51 Prozent zu kaufen und finanziell zu bezuschussen.
Ihre Eltern waren so dankbar, so naiv, dass sie überhaupt nicht bemerkten, wie abhängig sie sich dadurch machten.

Kia drückte das Geländer so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Ihre erste Begegnung mit Mike würde sie nie vergessen. Zunächst hatte er nur Kleinigkeiten gefordert. Hier ein kleines Treffen, dort ein gemeinsames Essen. Ihren Eltern zuliebe tat sie alles. Doch bald änderte sich alles, kaum dass sie seine Annäherungsversuche zurückwies. Plötzlich erpresste er sie, ihre Eltern fallen zu lassen, würde sie ihn abweisen.
Zu ihrer Familie konnte sie damit nicht gehen. Niemand glaubte ihr, wo doch Mike der perfekte Gentleman war, der ihr alles kaufte und alles gab. Doch Kia forschte nach... und stieß auf Fakten, die alles veränderten. Und doch konnte sie nichts tun.
Sie wusste nicht mehr weiter, starrte weiter auf das tosende blaue Wasser. Die Wirbel, die durch die Bewegungen der Schiffsschraube entstanden, die mit dem Geschrei der Möwen beinahe alles übertönte. Alles...
Kia Augen weiteten sich von einer plötzlichen Eingebung, die sie selbst so sehr überraschte, dass sie einen Moment glaubte, den Halt zu verlieren. Ihr Herz klopfte wie wild.
Ja, es lag zum Greifen vor ihr, es war der einzige Ausweg! Die einzige Möglichkeit, es zu stoppen, nachdem sie herausgefunden hatte, dass Mike in Wirklichkeit...

Ein Schatten legte sich vor Kia und sie wirbelte erschrocken herum.
"Tut mir leid", Kai hielt ihr ein Glas Saft hin, "ich wollte dich nicht erschrecken. Es ist nur... ich habe dich gesucht. Du warst plötzlich verschwunden"
Kia nahm das Glas entgegen und sah hinein. Ihre Wangen glühten und ihr Herz pochte so laut, dass sie glaubte, er müsse es hören. "Wieso?"
"Ich weiß nicht, wieso du verschwunden bist."
Kia grinste. "Wieso hast du mich gesucht?"
"Etwas stimmt nicht."
Verblüfft sah sie ihn an und schüttelte dann verwirrt den Kopf.
"Ich will wissen, was los ist. Ich mach' mir..."
"Nicht..."
"... Sorgen."
"Nein!" Rief sie entschieden und drehte sich nun endgültig zu ihm um. Überrascht sah er sie fragend an. Ihr Haar peitschte ihr in Strähnen ins Gesicht. "Nein", wiederholte sie, nun deutlich ruhiger, "bitte, mach dir keine Sorgen! Alles ist gut!" sie hob ihr Glas und stieß an das von Kai. "Ich bin nur sehr müde, meine Familie lässt mich keine Sekunde in Ruhe, und meine Brautjungfern... nun, ich denke, du kennst deine Schwester."
Er legte seine Stirn in Falten und schien zu überlegen, ob er ihr glauben sollte.

Zurück in ihrer Kabine entdeckte Kia ein kleines goldfarbenes Kästchen. Sie nahm es in die Hand und erkannte es als Schmuckschatulle. Im Spiegel bemerkte sie, wie Mike sich ihr näherte. Er lächelte und Kia erschauderte. Innerlich bebend und gezwungen lächelnd öffnete sie die Schatulle. Eine grobgliedrige silberne Kette mit einem riesigen Rubinanhänger, eingeschlossen in eine tropfenförmige Fassung aus Weißgold kam zum Vorschein.
Er lächelte stolz. "Die kannst du auf unserer Hochzeit tragen."
"Ich habe aber bereits eine Kette", erwiderte Kia und schloss automatisch die Hand um das herzförmige silberne Medaillon um ihren Hals.
"Sie ist alt, sie ist... winzig. Sie..."
"Ich finde sie schön!"
"Sicher findest du das, aber du findest auch deinen Morgenmantel schön und trotzdem trägst du ihn nicht auf unserer Hochzeit."
Es machte sie rasend, dass er wie mit einem Kind zu ihr sprach.
"Na komm, nimm das alte Ding ab! Nur mal zum Testen", er trat hinter sie und löste den Verschluss des Medaillons. Als er es auf die Kommode legen wollte, nahm sie es ihm ab und barg es in ihrer Hand. Er griff nach der Kette und legte sie ihr um ihren Hals.
Die Kette war grässlich, viel zu groß und viel zu pompös und aufdringlich hing sie da und funkelte mit sich selbst auf ihrem Dekoltée um die Wette.
"Wunderschön!" rief er aus, "findest du nicht auch? Sie gefällt dir, nicht wahr?"
"Du scheinst die Antwort ja zu kennen."
Er nahm ihren Sarkasmus gar nicht zur Kenntnis und nickte strahlend. "Ich wusste, dass sie dir gefällt!"
"Sie sieht teuer aus. Ich weiß nicht, ob es gut wäre, sie unter so vielen Leuten zu tragen."
"Es wird schon nichts passieren. Du bist die Braut, du musst schön aussehen."
"Aber ich möchte nicht die ganze Zeit darauf Acht geben, sie nicht zu verlieren. Ich fühle mich unwohl mit so wertvollem Schmuck. Was, wenn ich sie verliere?"
Er stand noch immer hinter ihr und sein Spiegelbild sah sie ernst an. "Es ist mir egal." Er bekam einen strengen Ausdruck. Nur zu gut kannte Kia diesen Blick. Er verhieß, dass es keine Wiederrede gab.
"Ich möchte, dass du diese Kette trägst." Er beugte sich zu ihr und wollte sie auf die Wange küssen, doch sie drehte den Kopf von ihm weg. Ein künstliches Lächeln umspielte seine Lippen. "Aber Liebling, du weißt doch, dass ich es nur gut meine. Du kannst glücklich sein, und du willst doch glücklich sein, nicht wahr?" Er drückte ihr einen Kuss auf den Hals.
"Nur das beste für dich, Schatz."

Am Tag der Trauung stand Kia allein in einem großen Zimmer und starrte die junge Frau im Spiegel an, die ihr aus großen Augen all ihren Kummer entgegenschrie. Kia schmerzte es, ihr nicht helfen zu können, und doch gab sie sich selbst das stumme Versprechen, dass alles gut werden würde.
Sie seufzte. Sie sah umwerfend aus. Einer schönen Braut würde man nur umso mehr ansehen, wie glücklich sie ist. Im Spiegel sah sie, wie sich die Tür öffnete und Vanessa eintrat. Sie hielt sich in einer theatralischen Geste die Hände vor das Gesicht und quiekte einen undefinierbaren Laut, dem ein langezogenes Oooh folgte. "Unglaublich!" sie umarmte Kia und umkreiste sie mit hochrotem Kopf. "Unglaublich!" wiederholte sie.
"Weiß ich. Was tust du hier eigentlich?" wollte Kia wissen.
"Du weißt doch, ich hab das schon hinter mir, und ich dachte mir, du brauchst eine kleine Ermutigung."
"Glaubst du das oder glaubt Mike das?"
Vanessa stellte sich vor sie und zupfte ihr den Schleier zurecht, dann strich sie ihr sanft über die Kette. "Nettes Geschenk", wechselte sie das Thema, "und so... groß. Ich wusste ja gar nicht, dass du auf sowas stehst."
"Nun, sie ist..."
"Nett", wiederholte Vanessa.
"Nett ist der kleine Bruder von Scheiße."
Vanessa öffnete verblüfft den Mund und brach dann in schallendes Gelächter aus. "Du musst ihn lieben, wenn du sie ihm zu Liebe trägst."
"Oder ich plane ihn umzubringen und erweise ihm die letzte Gnade", meinte Kia todernst. Vanessa riss die Augen auf, Kia grinste, dann lachte sie. Vanessa stimmte mit ein und schüttelte den Kopf.
"Du bist wie Kai! Das Leben hat sich was dabei gedacht, eure Namen aus den selben Buchstaben zu bilden. Nur beim Geschlecht konnte Gott sich nicht entscheiden."
Kia zuckte mit den Schultern. "Hat er doch super gelöst. Und jetzt weg mit dir. Dein Anstandsbesuch war erfolgreich, sag denen, dass ich nicht weggelaufen bin und sag meinem Vater, dass seine misratene Tochter keinen Rückzieher macht."
"Kia, er... er hat nicht..." "Schon gut", winkte sie ab und zwinkerte, "kleiner Spaß."


Die Trauung verlief so perfekt, blumig, harmonisch und edel, dass Kia keine Mühe hatte, die glückliche Braut zu mimen. Die größten Schwierigkeiten bereitete ihr der Kuss, doch gab sie sich alle Mühe, sich jemand anderen vorzustellen. Flüchtig warf sie einen gezielten Blick in die Menge.
Nach der anschließenden Feier zog sich das junge Paar zurück.

Am nächsten Morgen erwartete man das Ehepaar zum Brunch. Kia war eine der Ersten und wirkte erstaunt, als sie ihren Mann nicht fand. Sie erklärte, dass er bereits vor ihr die Kabine verlassen hatte und sie davon ausgegangen war, dass er schon da war.
Es verging eine Weile, in der sie beinahe unbeschwert den sonnigen Tag genoss.

Nach ein paar Stunden machte man sich auf, den Bräutigam zu finden. Irgendwann kam Lisa mit hochrotem Gesicht zu Kia, die mit einigen Gästen in der Kapelle nachschaute.
"Kia.... er... oh Gott, Mike, er..." Irritiert blickte die Braut ihre Freundin an. Vanessa und Sherry erschienen hinter Lisa. Vanessa weinte und ergriff Kias Hand. "Du musst jetzt stark sein."
Kia folgte ihnen an Deck. Am Heck des Schiffes hatte sich eine Traube Menschen versammelt. Sie entdeckte Kai in der Menge. Auch Kias Eltern standen dort. Als ihre Mutter sie sah kam sie auf sie zu und wollte sie umarmen, doch Kia schob sie von sich und drückte sich an den Leuten vorbei nach vorn.
Eine leere, zerbrochene Flasche Wein nebst Schuhen und einem Portemonaie waren alles, was man von Mike fand. Neben seinem Ausweis, der ihn als Mike White auswies, fand man einen weiteren. Dort stand, dass der Passinhaber, dessen Abbild eindeutig das von Mike war, Nicolas Barton hieß. Ein Raunen ging durch die Menge, überall wurde getuschelt. Ihre Eltern taten überrascht, doch in den Augen ihres Vaters konnte Kia lesen, dass er es wusste. Er hatte es immer gewusst.
Niemand zweifelte daran, dass Mike sich betrunken hatte und in einem Anflug von Panik, vielleicht sogar Reue, Selbstmord begangen hatte.

Nachdem man Kia zurück in ihre Kabine gebracht hatte, bemühte sie sich, allein zu sein. Lisa war die letzte, die sich abwimmeln ließ. Doch schließlich sah auch sie ein, dass Kia allein sein wollte.
"Wenn was ist... jederzeit." Kia nickte.
Lisa schwieg, dann atmete sie tief ein und aus.
Kia sah auf eine kleine Wölbung unter dem Teppich.
"Sicher. Wenn ich was brauche, melde ich mich."
Lisa lächelte und nahm sie in den Arm. "Nimm eine Tablette und leg dich etwas hin, ja?"
"Mach ich. Danke, Lisa."
"Pass auf dich auf. Komm zur Ruhe." Lisa ging zur Tür und blieb im Eingang stehen. Sie sah Kia traurig an. "Es tut mir so leid." Kia nickte mit einem schiefen Lächeln und atmete erleichtert auf, als Lisa die Tür hinter sich geschlossen hatte.
Kia strich sich die Haare hinter die Ohren und bückte sich. Sie hockte sich auf die Zehenspitzen und hob die Spitze des Teppichs an. Nicht das beste Versteck für einen solchen Gegenstand, aber sie wusste bereits ein besseres.

Seufzend stand Kia auf und ging zur Minibar. Sie entnahm eine Flasche Wein und strich über das Etikett. Ein ausgezeichneter Jahrgang.
Sie entkorkte die Flasche und goss sich etwas von dem Wein ein. Sie führte das Glas an ihre Lippen und nippte genüsslich daran. Ein herrlicher Tropfen. Fast so gut wie der, der neben Mike gelegen hatte.
Sie hüllte sich in ihren Mantel und ging mit der Weinflasche und einem Glas an Deck.
Funkelnde Sterne reflektierten im Wasser und der Nachthimmel spiegelte sich auf der Oberfläche.
Sie trank einen weiteren Schluck Wein und dachte darüber nach, wie einfach es gewesen war. Mit ausgestrecktem Arm hatte sie den Inhalt über den Rand des Schiffes ins tosende Wasser gegossen. Was für eine Verschwendung, dachte sie lächelnd, während sie sich erinnerte, wie sie zugesehen hatte, als sich der Strahl Rotwein ins Meer ergossen hatte und mit dem Blau verschmolzen war. Andererseits, als Hotelerbin würde sie noch oft genug in den Genuss eines edlen Tropfens kommen. Ob er nicht insgeheim doch gewusst hatte, dass sie ihm nur deshalb ihr Jawort gegeben hatte? Seine Ehefrau geworden war? Nur, um jetzt Witwe zu sein? Eine erbende, reiche Witwe.
Als auch der letzte Tropfen in die Tiefe geflossen war, hatte sie die Hand zurück gezogen und die Flasche zerbarst mit einem Klirren auf dem Holzboden, das von den brausenden Wellen verschluckt wurde.

Doch dieses Mal sollte nicht der Wein ins Meer. Sie griff in ihre Jackentasche und als ihre Finger kühles Metall ertasteten, zog sie die Kette hervor. Erstaunlich, wie robust Gold sein konnte. Es hatte lediglich einen gezielten Schlag gebraucht, um ihn bewusstlos zu Boden gehen zu lassen. Zugegeben, dass sie ihn in den Teppich eingerollt hatte war eine blöde Idee gewesen, wer würde je die Flecken wieder herausbekommen? Doch so war es leichter, ihn nachts ans Heck zu zerren.
Sie holte aus und warf das Beweisstück schwungvoll ins Meer. Kia betrachtete die Juwelenkette, die im Mondlicht glänzte, und grinste. Sie hatte ihm ja gesagt, sie würde sie verlieren. Einen Moment tanzte sie in den Wellen, die sich am Rumpf des Schiffes schäumend brachen, dann jedoch geriet sie in die Schiffsschrauben und wurde unter Wasser gedrückt.
"Da hast du sie wieder." Sie prostete dem Meer zu und lächelte triumphierend. "Nur das Beste für dich, Schatz."




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

13.5.2010, 09:39

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